Experten vom Institut für Arbeitsmarktforschung fordern Verbesserungen bei den Reformplänen der Bundesregierung zur Fachkräftemigration. Die Zahl der Einwanderer sei zu niedrig. Auch Arbeitgeber fordern mehr Tempo bei der Anwerbung von Fachkräften, sonst sei der Wohlstand nicht zu halten.
Deutschland tut sich schwer mit der Anwerbung ausländischer Fachkräfte. Wichtig ist daher auch, junge Azubis anzuwerben. Davon hängt mit ab, ob Deutschland die Energiewende umsetzen kann. Von Kai Simmerl
Deutschland verzeichnete im vergangenen Jahr eine Nettoeinwanderung auf Rekordniveau. Die Bevölkerungszahl stieg auf 84,3 Millionen. Dominiert wurde die Einwanderung von Flucht vor Krieg und Gewalt – aus der Ukraine, aus Syrien oder Afghanistan.
Den Schulen fehlen Lehrkräfte, gleichzeitig nehmen sie viele neu eingewanderte Schüler auf. Außerdem kämpfen sie mit der Bürokratie, und die Digitalisierung kommt nur schleppend voran. Das ergab eine Befragung im Auftrag der Robert Bosch Stiftung.
Mehr als 27 Prozent der Menschen in Deutschland haben eine Migrationsgeschichte. Im Vergleich zum Vorjahr ist ein Plus von mehr als einem halben Prozentpunkt. Das geht aus dem Migrationsbericht der Bundesregierung hervor. Die Zahl der Einbürgerungen hat einen neuen Höchststand erreicht.
Eine deutliche Mehrheit der Deutschen ist für erleichterte Einwanderung von ausländischen Fachkräften. Das geht aus einer aktuellen Umfrage hervor. Danach wird eine Erhöhung des Renteneintrittsalters ganz überwiegend abgelehnt.
Der Spirit Einwanderungsland sei in Deutschland noch nicht angekommen, kritisiert BA-Chefin Andrea Nahles. Sie fordert eine neue Willkommenskultur und beklagt zu viele Hürden für Fachkräfte aus dem Ausland. Das sei für Deutschland einen Wettbewerbsnachteil.
Alle zwei Jahre messen Wissenschaftler, was Deutschland über Einwanderung, das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft und über Diskriminierung denkt. Das Land kann inzwischen Integration, sagen sie - trotz aller Krisen und Probleme.
Ausländische Fachkräfte, die nach Deutschland kommen wollen, sind hochqualifiziert und motiviert. Sorgen bereitet den meisten aber die Suche nach einem Arbeitsplatz. Sie wünschen sich mehr Unterstützung durch Deutschland. Das geht aus einer aktuellen OECD-Untersuchung hervor.
Einfacher und schneller sollen Fachkräfte aus aller Welt nach Deutschland kommen können, um hier zu arbeiten. Angesichts hunderttausender unbesetzter Stellen will die Regierung Vorschriften vereinfachen und ein Punktesystem einführen.