Studie

Türken finden sich in deutschen Medien nicht wieder

Die Akzeptanz deutscher Fernsehsender sinkt bei den türkischstämmigen Zuschauern. Dies geht aus einer Studie des Zentrums für Türkeistudien hervor, die im Auftrag des nordrhein-westfälischen Integrationsministeriums erstellt wurde und dem Stern bereits vorliegt.

Montag, 17.08.2009, 7:13 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 08.01.2020, 15:45 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Mehr als die Hälfte der in Deutschland lebenden Türken sehen lieber türkisches als deutsches Fernsehen. Mehr noch: Laut Studie wird türkisches Fernsehen und türkische Medien heute häufiger genutzt als noch vor einigen Jahren. Woran liegt das? Was bietet das türkische Fernsehen, was ARD, RTL & Co. nicht bieten? Grund dafür sei unter anderem, dass sich Türken vom deutschen Fernsehen nicht genügend unterhalten fühlten, sich darin zu wenig wiederfinden und wenn, dann nur klischeehaft und negativ.

Das deutsche Fernsehen werde aber auch mit Sachlichkeit und Distanz assoziiert. So würde Nachrichtensendungen im deutschen Fernsehen grundsätzlich als glaubwürdiger eingeschätzt als türkische. Die Befragten würden der deutschen Presse aber auch „Parteilichkeit, Oberflächlichkeit und Schlampigkeit“ vorwerfen, wenn es etwa um die Berichterstattung zum Hausbrand in Ludwigshafen geht, bei dem neun Menschen ums Leben kamen.

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Ein türkischer TV-Sender stellt seine TV-Stars vor.
[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=gC_mmMc5lu0[/youtube]

Der nordrhein-westfälische Integrationsminister, Armin Laschet, sieht die deutsche Medienlandschaft in der Pflicht. Der Zuwachs der Nutzung von türkischen Medien hänge damit zusammen, dass sie mehr Unterhaltungssendungen anbieten und viel intensiver Emotionen ansprechen. Dennoch gehören Nachrichtensendungen zu den Lieblingsgenres türkischer Zuschauer, gefolgt von Unterhaltungsserien.

Die deutschen Medien müssten die Migranten dort abholen, wo ihre Interessen liegen: „Gebt den Zugewanderten eine Heimat in euren Medien“, forderte Laschet. Auch sei eine höhere Sensibilität von deutschen Berichterstattern geboten, wenn es um Katastrophenmeldungen, wie zum Beispiel in Ludwigshafen geht. Die Kritik an der Berichterstattung bezeichnete der Minister als „Alarmsignal“. Eine Lösung könnte sein, „dass Menschen mit Zuwanderungsgeschichte noch stärker als bislang in deutsche Redaktionen einziehen.“

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Auch der renommierte Migrationsforscher und Vorsitzender des Sachverständigenrates deutscher Stiftungen für Integration und Migration, Prof. Dr. Klaus J. Bade, forderte die Medien auf, mehr auf die Vorlieben der Migranten einzugehen. „Integration sollte auch im Fernsehen mit einer Vielfalt der Geschmäcker leben“, so Bade. Türkische Migranten würden aber als Nicht-EU-Ausländer nicht mal bei der Quotenmessung der Fernsehforschung berücksichtigt; ihre Vorlieben zählten also nicht.

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  1. Boli sagt:

    Wieso fragt eigentlich keiner mal nach dem Befinden von Polen, Rumänen, Italienern, Franzosen, Schweden und und und bezüglich des Verlangens in den Medien „stärker“ in Erscheinung treten zu wollen. Die Türken stellen wohl als Nationalität die größte Gruppen bei den Migranten aber insgesamt sind sie auch nur eine Nation von vielen. Und deswegen sollte dieses Extrawurstgehabe nicht weiter verfolgt werden. Man sollte Nachrichten nicht wegen der Nationalität anschauen sondern danach entscheiden ob man ein Programm interessant findet oder nicht, Punkt.
    Und egal ob deutsche oder türkische Medien, die Meinungen sind wie man lesen kann von positiv bis negativ.

    • Mehmet sagt:

      Das Verlangen, stärker in den Medien auftreten zu wollen, geht vielleicht auch mit der Integrationsforderung einher ;-) Und es kann ja nicht schaden, wenn einer Gesellschaft, in denen es mehrere Kulturen gibt, diese auch in den Medien berücksichtigt werden. Dies sollte nicht unbedingt auschließlich für die Türken gelten. Da sie aber die Größte Gruppe sind, bietet es sich natürlich an.

      • Markus Hill sagt:

        Hm. Die meisten fremdsprachigen Programme sind, glaube ich, bei öffentlichen Sendern zurückgefahren worden. Es vereint eine Gesellschaft mehr, eine gemeinsame Sprache zu haben und die auch im Fernsehen gemeinsam zu geniessen, als jetzt wieder diese Sprach-Sonderaktionen einzuführen. Kein Extrabehandlung, eher einmal eine Normalisierung durch normalen, gemeinsamen Fernsehkonsum in gleicher Sprache. Generell ist nichts dagegen zu sagen, viele Migrantenthemen oder auch Programme in Fremdsprache zu haben, aber irgendwie wird man es auch leid, immer nur diese trennenden Elemente wieder in den Medien in den Vordergrund gestellt zu sehen.(Ich muss gestehen, dass ich selber keinen Fernsehe habe – es geht auch ohne das, man liest halt viel mehr:-).

        • Mehmet sagt:

          Nun wissen Sie, welche mit welcher Problematik sich die Türkei gerade schwer macht bez. des Themas Kurden. Übrigens wollte / oder hat schon die Regierung den öffentlichen Ferseher TRT in 8 verschiedenen Sprachen organisiert. Ich finde, dass mehr Vielfalt nur gut tun kann. Auch in Deutschland. Niemand wird daran gehindert, zusätzliches Wissen in Form von Sprachen aufzunehmen und den eigenen Horizont zu erweitern ;-)

          • Markus Hill sagt:

            Da stimme ich Ihnen zu. Das setzt aber eine gewisse geistige Offenheit und eine Grundform von Bildung beim Gegenüber voraus. So wie die Situation gegenwärtig ist (grosser Prozentsatz „Anatolien-Fraktion“) hätte ich die Befürchtung, dass man damit nur noch weniger zum Erwerb der deutschen Sprach anregt. Aus Vorsicht würde ich das zumindest gegenwärtig nicht offensiv promoten. (Erfahrung in Deutschland: „Gebranntes Kind scheut Feuer!“). Generell würde ich es aber auch nicht als ein Modell für alle anderen Migrantengruppen betrachten. Als Muster präferiere ich da eher das Modell der Polen die früher hier eingewandert sind.
            Ungleiches bitte ungleich behandeln: Die Türken die hier hingekommen sind würde ich von der Situation nicht den Kurden gleichstellen. Die Türken sind als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen und die türkische Sprache ist hier nicht verboten worden. Im Gegenteil: Man hat es sogar unterlassen, den Leuten massiven Druck zu machen, überhaupt Deutsch zu lernen.
            Viele Kurden würden vielleicht sogar aus der Türkei „austreten“ wollen, fühlen sich als eigenständiges Volk (so zumindest laut einem kurdischen Bekannten). Früher wurden sie als Bergtürken bezeichnet und haben sich stark diskriminiert gefühlt. Kein Wunder, dass ich da als Staat Türkei etwas Bauchschmerzen hätte, einige Dinge sind halt im Vorfeld „unschön“ gelaufen. Natürlich hat nicht nur die Türkei diese Konflikte mit den Kurden.

      • Markus Hill sagt:

        ..naja, hat aber nichts mit der Intergrationforderung von deutscher Seite her zu tun. Ich finde man sollte Ruhe in die Angelegenheit kommen lassen. Statt verstärkt in der Presse präsent sein zu wollen, würde ich es lieber sehen, wenn die türkische Community erst einmal Ihre „Intergrations-Hausaufgaben“ (auch mit deutscher finanzieller Unterstützung) machen würde. Jetzt wieder Forderungen ohne Verbesserung der Reputation – das fördert auch nicht das Verständnis für die deutsche Seite. Und wir sprechen hier oft von Gefühlen und Verständnis. Eine Bevölkerungsmehrheit hat durchaus auch Recht, in Ihrem Empfindungen von der türkischen Community ernst genommen zu werden. Ist ja keinesfalls eine Einbahnstrasse. (Wenn Inder, Chinesen, Vietnamesen etc. da aktiver würden, würde ich das entspannter sehen).

    • Kosmopolit sagt:

      Währen der letzten 20 Jahre hat sich im islamischen Kulturkreis in Deutschland viel geändert. Was früher eh kein Problem war, wird heute Dank fortschreitender Islamisierung keine einfache Sache mehr werden. Der Grund für eine unzureichende Integration liegen an den kulturellen und religiösen Inhalten, innerhalb großer Teile der Muslime, die verstärkt durch die DITB und Lobbyverbände gesteuert wird. Hierbei schaut der deutsche Michel zu, anstatt zu handeln.
      TV ist nur ein Nebenschauplatz. Wenn sie mit „Anderen“ Feiern, gibt es kaum Einschränkungen in Punkto Rieten oder Essen. Beispiele im religiösen türkisch/islamischen Umfeld gefällig?
      Begrüßungszeremonien, Frauen geben den Männer nicht die Hand.
      Gegebenenfalls findet die Feier oder das Treffen zwischen den Geschlechtern getrennt statt.
      Während sie mit „Anderen“ Essen und Trinken was sie wollen, geht das im islamischen Kulturkreis nicht so ohne weiteres. Essen und Trinken nur nach religiösen Vorschriften, was sonst so extrem keine andere Religion macht.
      Hallo Boli ! Warum sollen die „Anderen“ so verstärkt in den Medien stehen wollen?
      Die „Anderen“ gucken Sat-TV, ggf. auch Deutsch TV, bauen keine Moschee, zwingen die Jungendliche nicht in eine Koranschule. Setzen ihren Töchtern keine Kopftücher auf, oder fordern Sonderbehandlung in der Schule oder sonst wo. Auch die „Ehre“ ist dort nicht so ausgeprägt. Da passieren echte Morde wie überall, und keine so vielen Frauenopfer der Ehre wegen.
      Nochmals lieber Mehmet, die kulturellen Verwerfungen zwischen dem islamischen Kultukreis und dem Rest der Welt ist zur Zeit unüberbrückbar, da muss man nicht schwarz sehen, das ist so, da die islamische Gemeinde keinen Deut von ihren Regeln ablässt. Warum auch, da der Islam ja im Besitz der Wahrheit ist. Und noch eins, der Koran selbst, ist für „ALLE“ Muslime gleich, die Unterschiede sind u.a. in der Auslegung der Scharia. Ein Blick in die trostlose islamische Welt sollte reichen. Aber Mehmet sieht das ganz locker.

      • Mehmet sagt:

        „Aber Mehmet sieht das ganz locker“
        Wenn Sie eine ernsthafte Diskussion führen wollen, dann melden Sie sich. Ich bin gerne bereit, auf Ihren Kommentar einzugehen. Ansonsten ist unsere Unterhaltung hiermit beendet.

        • Markus Hill sagt:

          Der Kommentar von Kosmopolit erscheint zwar sehr persönlich gefärbt. Ich hatte aber nicht das Gefühl, dass er nicht ernsthaft sein wollte. Ich bin gespannt auf Ihre Sichtweise. Da kann man hoffentlich beide Meinungen so stehen lassen. (Ich hoffe, dass Sie nicht zu stark verärgert wurden durch den Beitrag).

  2. Boli sagt:

    @ Mehmet

    Die Gefahr ist jedoch groß das man bei einem Hegemonieanspruch einer Migrantengruppe schnell den größten Streit beisammen hat, weil sich dann wieder andere auf den Schlips getreten fühlen könnten. Eine Integrationsforderung ist nicht zu verwechseln mit einem „man muß sich jetzt in den Vordergrund drängen“. Das was wirklich zählt ist die Fähigkeit zu entwickeln, neben der eigenen Nation auch noch Andere zu akzeptieren und wenn man ganz dabei ist auch durchaus auch neben eigenen kulturellen Eigenschaften auch andere anzunehmen, was dann ohne Zwang und Aufforderung geschehen würde was eigentlich jedem Gastland am liebsten ist. Ich sage jetzt als Beispiel einfach nur mal Chinesen und Weihnachtsfest. Kein Mensch hat die Chinesen jemals aufgefordert doch bitte ab sofort Weihnachten in China zu feiern. Ob sie dies im selben Geist wie Christen feiern ist wohl fraglich aber letztlich kommt es mir vor allem auf die Symbolik der Offenheit einer Gesellschaft auch etwas aufzunehmen was nicht zur eigenen Kultur gehört an. Die Frage ist eben wann würden sich die Türken zufriedengeben bezogen auf die mediale Präsenz? Ich finde hier eine Quotenregelung abwegig. Das verbessert nichts sondern geschieht immer unfreiwillig.

    @Kosmopolit
    Hallo Boli ! Warum sollen die “Anderen” so verstärkt in den Medien stehen wollen?

    Das ist es ja gerade worauf ich hinaus wollte mit dem Bezug auf andere Nationalitäten. Es ist mir nichts dergleichen Bekannt das bei diesen ein Bedarf besteht.

    • Mehmet sagt:

      „aber letztlich kommt es mir vor allem auf die Symbolik der Offenheit einer Gesellschaft auch etwas aufzunehmen was nicht zur eigenen Kultur gehört an“
      Dann fragen Sie sich mal, wie offen die Deutsche Gesellschaft diesbezüglich ist. Ich habe bisher weniger christliche Menschen kennengelernt, die beim Ramadan oder beim Opferfest mitmachen.

      Wenn die Türken der Meinung sind, dass sie ihre Präsenz in der realen Gesellschaft nicht in den Medien wiederfinden, dann dürfen sie dies zurecht bemängeln. Sie sind da. Dass sie jedoch in den Medien nicht abgebildet werden, wirft die Frage auf, warum das Bedürfnis nach deren Präsenz als Bedrohung gesehen wird.

  3. Ali As Men sagt:

    Ich habe irgendwie oft schon den Eindruck gehabt,dass es in solchen und ähnlich gelagerten Diskussionen es darum geht „den“ Türken zum Deutschsein zu bekehren. Als mein Gesprächspartner sollten Sie als Deutsche nicht vergessen,dass Sie es mit einem Wahldeutschen zu tun haben. Ich habe mich schon für Deutschland entschieden und akzeptiere auch die Pflichten wie jeder Deutsche auch.
    Wo ich defiziete sehe ist wohl ein grundlegendes Problem. Es geht bei Ihnen oft darum die für Sie als fremd empfundenen Eigenarten die das gegenüber hat infrage zu stellen. Vielleicht ist es das deutsche Verständnis von Integration. Das ist eine Vorstellung die so sicherlich nirgendwo in der Welt funktionert.Zumindest kenne ich keine Beispiele. Wahrscheinlich gibt es die sogar, welches aber nur ein Ergebnis von mehreren Generationen gewesen sein kann. Es gibt aber auch Beispiele von deutschen die selbst in einem für sie vertrauten Kulturkreis über Generationen ihre Kultur erhalten haben (USA).
    Als den richtigeren Weg würde ich sehen wenn man die Migranten dazu bringt sich selbst als ein Teil dieser Gesellschaft zu sehen mit seinen speziellen eigenarten. Nur über diesen Weg kann es zu weiteren Erfolgen kommen.
    Diese Aufgabe zu der Sie sich leider erst seit kurzer Zeit besonnen haben können Sie nicht knallhart auf dem Rücken anderer Minderheiten durchziehen und schon garnicht mit DRUCK. Wir (Türken und Deutsche) haben beide vieles verpasst. Der Druck von dem hier auch die Rede ist „Integrationsdruck“ ist der falsche Weg.

    “Weg vom Grundtenor der negativen Berichterstattung über Türken.”

    Nur die Gemeinsamkeiten bringen uns weiter.

    Ich und meinesgleichen hier im Forum haben uns nicht von der jahrelangen Ignorierung durch die Politik leiten lassen und haben uns mit unserer Wahlheimat arranggiert und uns soweit Integriert, dass wir ein friedliches Zusammenleben und gemeinsamkeiten in der deutschen Gesellschaft teilen.
    Ich habe Meinugsverschiedenheiten mit anderen Deutschen aber stehe zur deutschen Aussenpolitik weil ich für meinen Teil die deutsche Aussenpolitik in Krisenzeiten als besonnen und bedacht einstufe auch wenn sie im Tagesgeschäft nicht so sehr von anderen unterscheidet.

    Uns integrierte Türken können Sie auch als Katalysator sehen. Wir unterstützen das zusammenwachsen. Wir brauchen aber die Unterstützung der Bevölkerung und vor allem akzeptanz. Mehr als Sie „noch“ darunter vertehen.

    • Markus Hill sagt:

      “ Es gibt aber auch Beispiele von deutschen die selbst in einem für sie vertrauten Kulturkreis über Generationen ihre Kultur erhalten haben (USA).“
      Sie merken es vielleicht selber, es ist bewusst oder unbewusst in Ihrer Formulierung: DIE DEUTSCHEN sind keine Deutschen mehr sondern Amerikaner, die sich mit etwas Sentimentalität an deutsche Vorfahren erinnern. (Ich habe viele Verwandte in den USA, weil der Grossvater als Deutscher 1936 eine Amerikanerin geheiratet hat, kenne das recht gut). Das aber nach der x-Generation diese zum Teil deutschen Wurzeln eher als ein „Zusätzliches“ gerne nehmen und feiern. Mehr im Sinne von kultureller Folklore. Mit dem Ursprungsland Deutschland sind diesbezüglich da aber keine politischen Bande im Sinne von „Ärger“ machen verbunden. Herr Erdogan mit seinem Auftritt in Köln hat vielleicht gut demonstriert, welche Form von „Einwanderung“ man auf keinen Fall will. Keine Sonderthemen, kein politisches Auftreten als türkische Lobbygruppe für die Türkei bei deren aussenpoltischen Belangen. Er hat da bewusst oder unbewusst noch einmal Öl ins Feuer gegossen.
      Man möchte ein friedliches Zusammenleben wie mit den Chinesen, Aussiedlern, Polen etc. Unkompliziert, keinen Ärger, keine Probleme, keine lärmend erscheinenden Sonderforderungen . Natürlich scheint das nicht zu passen auf die Vorstellung mancher türkischer Interessenvertreter. Natürgemäss bekommen diese bestimmten Gruppen aus der türkischen Community entsprechend Gegenwind in der öffentlichen Diskussion.
      Mit Ihrem Verweis auf die Deutschen in den USA haben Sie es eigentlich auf den Punkt gebracht. Mit dieser Form von Integration hat man, so glaube ich, landläufig keine Probleme. Auch nicht mit Kulturvereinen oder mit Pflege von Bindungen in die Ex-Heimat und dem Pflegen und Sprechen von Türkisch. Die Scheidelinie besteht da, wo das Gefühl besteht, dass die türkische Regierung in die deutsche Innenpolitik über diese Vereinigungen, als sogenannte „5. Kolonne“, einwirken möchte. Deshalb auch die Empfindlichkeit auch bezüglich der Aktivitäten der Religionsbehörde. Diese Ängste der Leute sind durchaus ernst zu nehmen.
      Vielleicht ist das, von dem Sie da Schreiben noch irgendwie auch ein Schwebezustand, in dem man Sie und Ihre Generation gehalten hat: Keine richtige Akzeptanz von türkischer und von deutscher Seite. Sozusagen ein Drängen in die Rolle eines Wanderers zwischen den Welten. Sie mit Ihren positiven Bemühungen finden Akzeptanz bei vielen Leuten in Deutschland, man registriert diese Aktivitäten und es fällt angenehm auf. Wahrscheinlich ist es einfach so, dass wohl erst eine Generation mehr mit türkischen Erfolgsgeschichten den alten, negativen Eindruck in der Gesamtbevölkerung ausgleicht. Dann wird es vielleicht auch normal, vom inneren Gefühl, dass man sich zu seiner Herkunft als Einwanderer selber als Türk-Deutscher anstelle des landläufigen Deutsch-Türken versteht. Niemand muss da seine kulturellen Wurzeln verleugnen oder unter den Teppich kehren und kann natürlich Traditionen der Vorväter pflegen. Vielelicht ist es einfach nur der Faktor Zeit.

  4. municipal sagt:

    @ Ali As Men

    Was bitte ist DEUTSCHSEIN?

    Feierabendbierchen trinken ? Tun Amerikaner,Italiener,Russen auch.

    Sich (z.B. im Sommer) recht „frei“ kleiden? dito

    So könnte man die Dinge weiter aufzählen.

    Es geht nicht ums DEUTSCHSEIN, es geht darum, OFFEN und FREI, und nicht „verschlossen“ zu leben, nicht „geduckt“ unter einer Religion, die sämtliche Dinge des täglichen Lebens bestimmt,nicht unter archaischen Familienvorstellungen, in denen der Mann der Patriarch ist und Ehefrau und Kinder als Eigentum oder Besitz betrachtet und behandelt werden,sondern in einer modernen Gesellschaft des 21.Jahrhunderts.

    • Ali As Men sagt:

      @municipal
      Bezeichnen Sie sich als FREI und OFFEN?

      Nein, ich meine Atribute die Deutschen zugeschrieben wird, tugenden wie z.B. Zielstrebigkeit, Bedächtigkeit, Rationalität, Pessimismus, Kleingeistigkeit… Die Sie aus türkischer Sicht als einzig akzeptable Sichtweisen für andere dulden wollen.

      Eingeständnis: Die ich auch zum Teil für mich als Erstrebenswert ansehe.

      Ich würde aber gerne Atribute wie Dynamik, Emotionalität, Demut, Risikobereitschaft, Gemeinschaftsdenken, Spiritualität mit deutschen Eigenarten vermischt sehen.

      • Teleprompter sagt:

        „Ich würde aber gerne Atribute wie Dynamik, Emotionalität, Demut, Risikobereitschaft, Gemeinschaftsdenken, Spiritualität mit deutschen Eigenarten vermischt sehen.“

        Das hatten wir schon: 1933 -1945.

        • Ali As Men sagt:

          Da hatten Sie den Nationalsozialismus. Wo sehen Sie die parallelen zu meinem Beitrag?

        • Ali As Men sagt:

          … oder haben Sie versehentlich den falschen Beitrag kommentiert?
          Zum NS Regiem fallen mir da ganz andere Atribute ein als die Sie dafür verwenden würden.

          • Teleprompter sagt:

            „Zum NS Regiem fallen mir da ganz andere Atribute ein als die Sie dafür verwenden würden.“

            Die aufgezählten Attribute spielten im Nationalsozialismus eine große Rolle, denn mit ihrer Hilfe hat man die Menschen manipuliert. Schauen Sie sich mal alte Aufnahmen von Hitlerreden daraufhin an.

            • Markus Hill sagt:

              Durchaus ein Paradebeispiel für Emotion statt Verstand, stimmt. Ich glaube aber nicht das oben im Zusammenhang von türkischen oder vermeintlich türkischen Eigenschaften auf Sportpalastreden etc. abgezielt wurde. Wegen der Sachlichkeit in der Diskussion.:-)

              • Teleprompter sagt:

                Das glaube ich auch nicht. Ali ist dieser Zusammenhang ja offensichtlich nicht bekannt. Deshalb habe ich es erwähnt;-).

      • Markus Hill sagt:

        Das eine schliesst dass andere nicht aus. Ich würde diese von Ihnen genannten Eigenschaften nicht der Türkei zuordnen. Jede Nation kann sich wohl solche Eigenschaften „herbeiphantasieren“, weil diese so schon nicht-messbar sind. Zumal haut das als Pauschalisierung für alle ohnehin nicht hin.
        Beispiel: Dynamik der Deutschen (Innovatoren, Ratz-Fatz-Hartz-4 durchziehen und Co.:-) – davor haben einige Nachbarn immer noch etwas Angst. Ein Belgier sagte mir einmal so schön, dass man da diese „Masse“ inmitten Europas hat, bei der man Befürchtungen hat, wenn diese dann radikal in eine Richtung gehen. Emotion – Kunst, Musik, Dichtung etc. – immer dagewesen. Fussball-WM – auch nett und emotional. Vielleicht kann man auch die im letzten Jahrhundert geführten Kriege und die weit überdurchschnittlichen Wirtschaftserfolge auf eine Form von Aggressivität und Emotion zurückführen. Reine Verstandesroboter sind da nicht so flexibel und begeisterungsfähig. Negativbeispiel: Harte, negative, unsachliche Leserbriefe in Zeitungen zu Migrantenthemen – auch emotional, nicht rational. Demut: Kann man auch negativ sehen, der Deutsche und die Untertanenmentalität. Hat also oft zwei Seiten. Kurzum: Da sind wohl noch einige Klischees im Umlauf. Ich finde das bei den Deutschen im Allgemeinen angenehm, dass man oft vorher den Verstand einschaltet. Auch sind die Deutschen oft nett-dumm-doof-idealistisch-naiv. Auch ein Klischee-Charakterzug, ich weiss!:-) (Es stimmt allerdings, dass sich die Türken bei diesen Kategorien in Deutschland noch nicht voll einbringen konnten. Da ist noch positives Potential!).

  5. Kosmopolit sagt:

    @Mehmet
    Speziell der Textteil von Zafer Senocak spricht für sich.
    http://www.migazin.de/2009/06/11/der-erste-integrations-indikatorenbericht/#comment-1555
    @ Für alle, die glauben beleidigt zu sein. Was mache ich eigentlich, wen ich mich ständig von
    Bio Deutschen diskriminiert fühle? Soll ich Türke werden, damit ich lauter schreien kann? Das ganze Leben besteht, je nach der persönlichen Einstellung, aus Diskriminierung. Was machen Millionen Deutsche mit guter Ausbildung, die keine Arbeit finden ?? Das das Leben teilweise kein Wunschkonzert ist, wird so schamlos unterschlagen. Übrigens kenne ich auch viele ausländische Mitmenschen, aufgrund meines Arbeitsleben in einem Weltkonzern. Deshalb glaube ich hier schon eine Meinung haben zu dürfen. Das ich dem Islam kritisch gegenüber stehe, liegt an der Tatsache, dass ich mich hier über Jahre eingelesen habe. Auch die Erfahrungen an meinem Wohnort, wo in der Innenstadt der Ausländeranteil > 40% beträgt, spielt eine Rolle. Das hier der Islam keine rühmliche Rolle spielt, wird leider schön geredet, eben Tagyia !

    • Mehmet sagt:

      Tipp:
      Unterscheidung: Tradition – Islam

      • municipal sagt:

        @ Mehmet

        Hängt in islamisch geprägten Länder URSÄCHLICH miteinander zusammen. Die Eigenarten der Traditionen werden mit den Glaubensinhalten der Religion gerechtfertigt/begründet.

        • Mehmet sagt:

          Absolut falsch. Wenn man in den Regionen, in denen die Traditionen einen hohen Stellenwert haben, die Leute mit islamischen Regeln und den Widersprüchen konfrontiert, dann können Sie nur sagen „Das ist nunmal so.“

          Municipal: Generell finde Ich es sehr nett mit Ihnen zu diskutieren. Jedoch finde Ich, dass Sie dazu neigen, alles, was mit der Türkei oder dem Islam zu tun hat, negativ darzustellen. Auch an diesem Beispiel sieht man, dass Sie voreilig Schlüsse ziehen, jedoch durchweg negativ gegenüber diesen Themen. Dies stimmt mich sehr bedenklich.

      • Markus Hill sagt:

        Würde ich eigentlich auch so sehen. Zumindest aufgrund von persönlichen Bekanntschaften. Werde mir aber zunehmends unsicher, wenn ich mir zum Beispiel die vielen negativen Erfahrungen der Briten mit Zuwanderung aus islamischen Ländern ansehe. Dagegen sind die Türken noch absolut „harmlos“, da gibt es ganz andere Kaliber.:-)

      • Teleprompter sagt:

        Islam – Tradition = 0

  6. Kosmopolit sagt:

    @municipal, Markus Hill, Mehmet und alle die das interessiert!
    Mit Multikulti probierten es die Briten. Anfangs erfolgreich. Jetzt spüren sie schmerzhaft die Grenzen dieses Konzepts.
    http://www.stern.de/politik/ausland/522200.html

    • Markus Hill sagt:

      Interessant/Zitat:
      „“Die Inder haben Ende der sechziger Jahre begriffen, dass sie hier leben. Beide Ehepartner arbeiteten, sie investierten in ihre Kinder. Sie haben Töchtern und Söhnen erlaubt, sich zu bilden. Die Muslime liegen im Vergleich zu den Indern immer noch 20 bis 30 Jahre zurück.“
      Das hatte mir indische Freunde schon vor Jahren über England gesagt. Ich frage mich manchmal, woher dieser Bildungsabstand sich ableitet. Ist es die Religion oder hat man einfach vielfache die falschen Leute aus einer Religionsgemeinschaft einwandern lassen?
      Man ist da langsam mehr und mehr verwirrt.

      • Johanna sagt:

        „Man ist da langsam mehr und mehr verwirrt.“

        Die Engländer sind inzwischen böser und böser auf ihre Labour-Regierung. Sie würden sie abwählen, wenn heute Wahlen wären.

        Die Einführung der Sharia (wovon es inzwischen bereits 85 Gerichte gibt) und die Duldung der islamistischen Extremisten hat den Rechtsextremen – wie überall in Europa – Auftrieb gegeben.

        • Markus Hill sagt:

          Die Engländer fahren ja auch links und gehen mit Badehose in die Sauna.:-)
          Im Ernst: Man muss ja nicht alles machen, was die machen. Zumal die mit Ihren Einwanderern WIRKLICH DICKE, DICKE Probleme haben. Ähnliches gilt für Holland. Dagegen ist die Situation hier in Deutschland noch überschaubar. Wobei ich nicht sagen möchte, dass man die Sitution interessiert beobachten sollte.

    • Markus Hill sagt:

      PS: Danke noch für den interessanten Hinweis.:-)

  7. municipal sagt:

    @ Mehtmat

    Zu Ihrem Beitrag von 15.16 Uhr:

    Sie vergleichen wieder einmal Äpfel mit Birnen. Es ist doch wohl ein Unterschied, ob sich da erwachsene Frauen „freiwillig“ einmal im Monat treffen, oder ob bei der DITIB die Geschlechtertrennung schon bei Kindern zementiert werden soll.

    GESCHLECHTSSPEZIFISCHE ARBEIT

    Zu Ihre Frage, ob ich etwas Positives am Islam sehe: Ich sehe kaum Positives an irgendeiner Religion. Religion ist Opium für das Volk (Marx), und wurde und wird immer dazu benutzt, Menschen zu beherrschen.

    • Mehmet sagt:

      Dann ist Ihre Sicht auf den Islam verständlich.

    • Mehmet sagt:

      Indem man einmal in der Woche die Menschen getrennt zu einem Frühstück einlädt, kann man schwerlich von einer Zementierung reden. Dies müssten Sie mir bitteschön echt einmal nachweisen.

      • municipal sagt:

        @Mehmet

        „Zur Identitätsbildung brauchen sowohl Mädchen als auch Jungen eigene Räumlichkeiten und eigene Zeit, in der sie ungestört unter sich bleiben können.
        Das Arbeiten mit gleichgeschlechtlichen Gruppen ermöglicht, sich mit ihrem eigenen Geschlecht auszutauschen, um Ansätze im Rahmen der Persönlichkeitsstärkung zu ermöglichen.“

        Da liegt der Unterschied. Warum glauben sie hat man in Deutschland schon vor Jahrzehnten den Ko-Edukativen Schuluntericht eingeführt. Weil Jung und Mädchen die gleichen Berufe erlernen und ausüben können sollen. Bei uns in Deutschland gibt es keine Geschlechtertrennung. Schon gar nicht bei Kindern, um ihnen eben nicht „einzugeben“, das sie „verschieden sind“ und „geschlechtsspezifische“ Aufgaben in ihrem Leben zu erfüllen haben.

        Wie ist IHRE Einstellung zur Gleichstellung von Mann und Frau ? Im Prinzip ja, aber ?

        • Mehmet sagt:

          Nix da mit Prinzip. Bedingungslose Gleichstellung.

          Sonst denke Ich, dass Sie einfach zuviel hineininterpretieren in diese Worte. Dennoch ist es wahr, dass Sie es nicht gern sehen, wenn Mädchen und Jungen im pubertären Alter nebeneinander sitzen. Bei Kindern wird kein Unterschied im Unterricht gemacht. Die „zementierte“ Geschlechtertrennung ist jedoch schwerlich aus den von Ihnen zitierten Stellen herauszulesen.

          • municipal sagt:

            @ Mehmet

            Danke für „Bedingungslose Gleichstellung“.

            „Die “zementierte” Geschlechtertrennung ist jedoch schwerlich aus den von Ihnen zitierten Stellen herauszulesen.“

            Wenn man Kindern dieses „Denken“ von kleinauf vermittelt, ist das Ergebnis ?

            Bei uns in Deutschland gibt es keine Geschlechtertrennung. Schon gar nicht bei Kindern, um ihnen eben nicht “einzugeben”, das sie “verschieden sind” und “geschlechtsspezifische” Aufgaben in ihrem Leben zu erfüllen haben.

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  10. Hans sagt:

    „Die Befragten würden der deutschen Presse aber auch „Parteilichkeit, Oberflächlichkeit und Schlampigkeit“ vorwerfen, wenn es etwa um die Berichterstattung zum Hausbrand in Ludwigshafen geht, bei dem neun Menschen ums Leben kamen.“

    Der Fall in Ludwigshafen war doch jener, dass die Feuerwehr rechtzeitig kam und der Brand aufgrund von STROMDIEBSTAHL eines Türken ausgelöst wurde und als Belohnung die Feuerwehrmänner denen auch 1 Türke angehörte fast verprügelt wurden weil man gleich die Nazis verdächtigte. Selbst der türkischstämmige Feuerwehrmann hatte sich damals das Verhalten der Hausbewohner verurteilt. Diese „Befragten“ waren wohl nicht ganz so vorurteilsfrei wie man es sich von den Deutschen erhofft….