Migrantinnen in Medien

Frauen mit Zuwanderungsgeschichte sind keine Opfer!

"Frauen mit Zuwanderungsgeschichte sind keine Opfer! Sie wollen auch nicht als solche dargestellt oder in Schablonen gepresst werden", sagte Frauenminister Armin Laschet zu den Ergebnissen der Literaturanalyse "Migrantinnen in den Medien" in Düsseldorf.

Freitag, 04.09.2009, 7:24 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 05.09.2010, 0:22 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

Die systematische Literaturanalyse, ein Forschungsbericht der Universität Siegen, untermauert die Ergebnisse der kürzlich von Minister Laschet vorgestellten 9. Mehrthemenbefragung der Stiftung Zentrum für Türkeistudien: Türkeistämmige finden sich und ihre Lebenswelt nicht in den deutschen Medien wieder.

Besonders betroffen scheinen hierbei Frauen mit Zuwanderungsgeschichte zu sein: Entweder sie sind überhaupt nicht in den Medien vertreten, oder aber sie erscheinen als Opfer häuslicher patriarchaler und religiös motivierter Gewalt, von Menschenhandel oder in Zusammenhang mit Prostitution. Bei muslimischen Frauen geht es zudem um Islam und Integrationsprobleme.

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Erst kürzlich hat sich die Konferenz der Gleichstellungs- und Frauenministerinnen und -minister, -senatorinnen und -senatoren der Länder – kurz: GFMK – unter Vorsitz von Minister Laschet – mit der Rolle der Frauen mit Zuwanderungsgeschichte befasst. Die GFMK bedauerte, dass Zuwanderinnen häufig unbeachtet blieben oder nur als Opfer wahrgenommen würden. Ein Grund sei, dass Frauen noch stärker als Männer von Klischees betroffen seien.

Die Literaturanalyse ‚Migrantinnen in den Medien‘ geht den Fragen, welche Rolle Frauen mit Zuwanderungsgeschichte in den Printmedien und dem Fernsehen spielen sowie ob überwiegend Klischees transportiert werden, nach. Wesentliche Ergebnisse sind: Die Darstellung von Zuwanderinnen in den Medien ist bislang erst punktuell erforscht. Dennoch ist erkennbar, dass insbesondere die Printmedien immer noch nicht ohne Stereotype auskommen: „die schwarze Frau“, „die Türkin“, „die Osteuropäerin“. Aber auch die Fernsehberichterstattung, in der das Bild durchaus schon vielfältiger geworden ist, benutzt das Motiv der kopftuchtragenden Muslima als Gegenpol der emanzipierten, modernen Frau.

Minister Laschet: „Die ‚Türkin mit Kopftuch‘, die kein Wort Deutsch spricht, ist zu einem Synonym der Frau mit Zuwanderungsgeschichte geworden. Dieses Bild blendet einen großen Teil der Wirklichkeit – auch der türkeistämmigen Frauen aus – und weckt zudem Assoziationen wie ‚rückständig‘ und ‚unterdrückt‘. Solche überaus einseitigen Vorstellungen müssen wir endgültig aus unseren Köpfen verbannen und die ganze Lebenswirklichkeit der Zuwanderinnen wahrnehmen!“ Hier komme den Medien besondere Verantwortung zu.

Die Studie, der eine breitere Analyse folgen wird, sei ein erster Schritt, um die Berichterstattung zu verbessern.

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  1. berlino sagt:

    Da schmeißt sich aber einer ran …

    Ein Gegenbeispiel zum Thema Darstellung von Frauen mit Migrationshintergrund in Deutschen Medien:

    http://www.derwesten.de/nachrichten/2009/9/3/news-131832011/detail.html

    Ein Auszug:

    Junge Türkin kämpft gegen Verwandten-Ehen

    Die 28-jährige Yasemin Yadigaroglu engagiert sich seit mehr als drei Jahren gegen Ehen unter Verwandten. Für ihre Postkartenkampagne „Heiraten ja. Aber nicht meine Cousine!“ erntet sie nicht selten Drohungen von ihren Landsmännern. Die Türkin lässt sich aber nicht entmutigen.

    […]

    Zitat Ende.

    • Markus Hill sagt:

      Interessantes Zitat aus dem Artikel:
      „Für viele Migranten ist Inzest immer noch ein Tabuthema. Eheschließungen unter Verwandten ist für sie selbstverständlich. Selbst wenn durch diese Ehe Kinder mit schweren Behinderungen geboren werden, zeigen sie keine Einsicht. Dann heißt es nicht selten, die Frau habe schlechtes Blut.“
      Finde, dass da ein sehr ungewöhnliches Thema ist. Ich hatte i“rgendwo“ gelesen, dass man da in Holland jetzt auch Datenbanken einrichten möchte, um das Phänomen genauer zu untersuchen. Warum die Frau, die da lediglich recherchiert, auch noch bedroht wird, ist mir nicht nachvollziehbar. Dient der Gesundheit von Menschen und zur potentiellen Gefahrenabwehr. (Es ist kein Mainstream-Thema, bestimmt nicht eines der Hauptprobleme bei der Migrationsdiskussion:-).

  2. Sanne sagt:

    “Die ‘Türkin mit Kopftuch’, die kein Wort Deutsch spricht, ist zu einem Synonym der Frau mit Zuwanderungsgeschichte geworden. Dieses Bild blendet einen großen Teil der Wirklichkeit – auch der türkeistämmigen Frauen aus – und weckt zudem Assoziationen wie ‘rückständig’ und ‘unterdrückt’. Solche überaus einseitigen Vorstellungen müssen wir endgültig aus unseren Köpfen verbannen und die ganze Lebenswirklichkeit der Zuwanderinnen wahrnehmen!”

    Ja und, wie ist die Lebenswirklichkeit denn dann? Sich als Opfer von Klischees und Vorurteilen darstellen, aber gleichzeitig keinen Gegenbeweis anstellen? Dieses Bild wird einem nicht von den Medien vermittelt, sondern von Muslimen selbst.

    • Mehmet sagt:

      Dann bewirb dich mal als Selbstbewusste Muslima mit einem Kopftuch. Ich bin gespannt, wieviel Prozent der Bewerbungen abgelehnt werden. Ich selbst habe öfter gehört, dass Abteilungsleiter gesagt haben, eine Kopftuchträgerin käme Ihnen nicht ins Haus.
      Stellen Sie sich mal ein Beraterin mit einem Kopftuch vor. Warum gibt es in Deutschland eigentlich keine? Wenn Sie denken, dass diese sich nicht bewerben würden, dann irren Sie sich gewaltig. Es wird keine akzeptiert.

      • berlino sagt:

        Es gibt ja auch keine Berater mit „Gott ist tot“-Stickern.

        • Mehmet sagt:

          Aber mit einem Kreuz um den Hals.

          • municipal sagt:

            @ Mehmet

            Und WIEDER werden Äpfel mit Birnen verglichen.

            Kopftuch , Hijab und weitere „Formen der Bedeckung“ sind zugleich Ausdruck des politischen Islams. Und was uns da gegenübersteht, beschreibt der Beiruter Theologe Khalil Samir in dem er analysiert die Hintergründe des wachsenden Fundamentalismus in den muslimischen Ländern analysiert und die Enttäuschung vieler Muslime angesichts des Verhaltens Europas beschreibt:

            Zitat

            Khalil Samir: Nehmen wir das berühmte Kopftuch. Immer mehr deutsche Musliminnen tragen es, was Deutsche ärgert oder ängstigt, doch sie thematisieren es nicht direkt und sachlich. Dabei hat das nichts mit einem Angriff auf Religionsfreiheit oder mit Assimilation zu tun, sondern mit Kenntnis und Erkenntnis: Im Koran ist nirgends eine eindeutige Kopftuch-Pflicht vorgeschrieben. Noch vor 30 Jahren ging die Mehrheit der Musliminnen weltweit ohne Kopftuch. Echter Glaube braucht keine sichtbaren Zeichen. Aber hier geht es auch nicht um echten Glauben, sondern um fundamentalistische Repression. Viele Muslime suchen gegenwärtig, auch in Deutschland, nach einem Halt und meinen, ihn in solchen Lösungsangeboten zu finden. Dagegen müssen die Deutschen stärker ankämpfen und eine funktionierende Demokratie vorleben, mit der sie den Muslimen einen Halt in der neuen Heimat geben. Das wäre eine gute Grundlage für einen respektvollen, aber offenen Dialog mit dem Anderen. Die Deutschen aber wagen nicht einmal, ihm Fragen zu stellen. Mir scheint, die deutsche Demokratie steht nicht wirklich auf gesunden Beinen.

            ……………………
            und weiter
            ……………………..

            Gilt das auch für Europa – und speziell für Deutschland?

            Khalil Samir: Auf die meisten Araber wirkt Europa nicht dämonisch, sondern lasch. Insbesondere Deutschland scheint keinen Mut, kein Rückgrat zu haben und so letztlich islamistischen Gruppen vor der eigenen Tür Vorschub zu leisten. Statt Muslimen, die in Deutschland leben, klare Integrationsregeln vorzugeben, bleiben sie einer Ghetto-Situation überlassen, die einen Nährboden für alle bietet, die für sich zwar Toleranz fordern, selbst aber intolerante Ideen verfolgen. Tatsächlich neigen die Deutschen zu einer „Multikulti“-Vorstellung, die weniger romantisch als werte-indifferent ist – aus ihrer Hemmung heraus, sich kritisch gegenüber fremden Kulturen zu äußern. Statt sachlich, aber selbstbewusst aufzutreten, schweigen sie.

            […]

            Zitat Ende
            Hier der ges. Artikel auf Qantara […]

            http://de.qantara.de/webcom/show_article.php/_c-468/_nr-150/i.html

            • berlino sagt:

              „Tatsächlich neigen die Deutschen zu einer “Multikulti”-Vorstellung, die weniger romantisch als werte-indifferent ist – aus ihrer Hemmung heraus, sich kritisch gegenüber fremden Kulturen zu äußern.“

              Ich bin der Meinung, der deutsche Kulturrelativismus ist nicht nur werte-indifferent, sondern hochgradig zynisch.

            • Johanna sagt:

              Ein ausgezeichneter Artikel auf Qantara!

              Ich wünschte, unsere Politiker würden einmal den Mut aufbringen, sich entsprechend zu äußern. Dass dann das große Geschrei anbricht von linker und islamistischer Seite, ist klar. Da müssen sie durch!

            • Mehmet sagt:

              „Kopftuch , Hijab und weitere “Formen der Bedeckung” sind zugleich Ausdruck des politischen Islams.“

              Achso also wird seit 1400 Jahren mit dem Kopftuch Politik betrieben? Es ist einfach ein Kleiderordnung nach bestimmten Wertevorstellungen. Diese Wertevorstellung kann in jeder Gesellschaft unterschiedlich sein. Behalten Ich bin zwar nicht Befürworter von Kopftüchern, politisiere sie wie Sie aber auch nicht. Behalten Sie mal Ihre Äpfel und Birnen.

              • municipal sagt:

                @ Mehmet

                Zitat des Artikels nochmals lesen:

                Noch vor 30 Jahren ging die Mehrheit der Musliminnen weltweit ohne Kopftuch. Echter Glaube braucht keine sichtbaren Zeichen. Aber hier geht es auch nicht um echten Glauben, sondern um fundamentalistische Repression.

                Zitat Ende

                „Es ist einfach ein Kleiderordnung nach bestimmten Wertevorstellungen.“ ?

                Richtig. Nach „Wertvorstellungen“ die VORNEHMLICH von MÄNNERN geprägt wurden und werden.

                Man muß Kopftücher (oder andere „Bedenkungen“) nicht erst politisieren, sie SIND Politik.

              • Markus Hill sagt:

                Es ist halt nicht unumstritten. Natürlich gibt es auch Frauen, die dieses mit Überzeugung tragen. Vielleicht eine Anmerkung / Einzelbeobachtung: In Köln ist es manchmal so, dass kurz vor Heimfahrt viele türkische Mädchen vor der S-Bahn Station Köln-Chorweiler plötzlich die Kopftücher auspacken und wieder anziehen, weil es nach Hause geht. Vielleicht ist die Praxis da oft moderater als die heissen Diskussionen vermuten lassen.:-)
                Woher kommt eigentlich dieses „Kopftuchgebot“? Ist es mehr im Koran verankert oder ist es eine Tradition, die einfach so weitegegeben wird? Ich lese da immer wieder Unterschiedliches in der Presse.

                • Mehmet sagt:

                  „Ist es mehr im Koran verankert oder ist es eine Tradition, die einfach so weitegegeben wird?“

                  eben genau dieses verständnis ändert sich von gesellschaft zu gesellschaft und alle Subkulturen legen dies teils anders aus. M.E. muss man dies abstrakter angehen und sagen, dass ein Kopftuch als ein Stück Kleidung anzusehen ist. Wieviel Kleidung man trägt, geben die Wertevorstellungen der Gesellschaft vor. Wenn jemand ohne Kopftuch in Saudi-Arabien rumläuft, mag diese Frau dort „nackter“ gesehen sein als man dies hier tut. Genauso ist dies der Fall mit mit Afrikanern, die hier nackt rumlaufen würden. Für die wäre es normal. Hier wäre es „Erregung öffentlichen Ärgernisses“.

                  • Markus Hill sagt:

                    Vielen Dank. Sie sagen es indirekt selber. „“Erregung öffentlichen Ärgernisses“ – könnte von vielen Leuten in diesem Lande dies nicht auch auf das Kopftuch zutreffen? (Deshalb wahrscheinlich die ganzen Diskussionen, das alles auch noch vermengt mit den vielen schlechten Erfahrungen/Presse bei bestimmten Gruppen der türkischen Community).

                  • municipal sagt:

                    @ Mehmet

                    Nein. Für sie wäre es (jedenfalls die meiste Zeit des Jahres) einfach ZU KALT dafür.

                    Satire aus.

                    Aber Sie (Mehmet) geben immer noch eine Erklärung dafür, warum die „Entwicklung“ in den letzten Jahrzehnten so „rückwärtsgewandt“ ist. Muß doch Gründe haben ? WER forciert das ?

                    Ist es nicht eben die „männlich geprägte Dominanz“, die das dem weiblichen Geschlecht vorschreibt? WO bleiben die Vorschriften für die Männer ?

                    • Markus Hill sagt:

                      Ich weiss nicht, ob das repräsentativ ist für alle türkischen jungen Männer – die Aussage eines türkischen Freundes von meinem Bruder: „Überhaupt als Mann geboren zu sein, ist ja schon eine Leistung und zeichnet den Mann aus“ (so oder so ähnlich hat er sich ausgedrückt). Unterstellt, diese Aussage trifft in einem gewissen Prozentsatz zu – es würde manches erklären an dem Verhalten gegenüber Frauen bei Polizei oder bei Lehrerinnen. Wenig Achtung vor dem anderen Geschlecht oder wenig Achtung vor der deutschen Frau? Das ist doch auch ein interessanter Aspekt. Ich habe oft von türkischen Freunden gehört, dass die Frau durchaus laut Koran eine hohe Achtung verdient. Ich höre dass dann sehr gläubig und wohlwollend. Dann sehe ich aber oft ganz andere Erscheinungen im Alltag. Das geht dann eher in die Richtung der Rolle der deutschen Frauen in den 60er Jahren. Nicht gut, dass braucht man dann wirklich nicht. Irgendeiner muss da den Koran zu seinen eigenen Zwecken missbrauchen, so mein Eindruck.

          • berlino sagt:

            Das Kreuz steht für eine Religion, deren Verhältnis zu Demokratie, Menschenrechten und Meinungsfreiheit mittlerweile weitgehend im positiven Sinn geklärt ist.

            • Mehmet sagt:

              Ansichtssache. Jede Religion kann gut oder schlecht sein.

              • Markus Hill sagt:

                Berlino sagt, so mein Verständnis, nichts Abweichendes dazu – in der Schlussfolgerung. Vielleicht möchte er den Fokus darauf richten, dass das gerade nicht der Fall ist für andere Religionen in bestimmten Ländern, wo der Islam herrscht (Saudi-Arabien etc.).
                Ich stimme Ihnen zu, Religionen können so sein. Sie sind wieder sehr liberal in Ihrer PERSÖNLICHEN Auslegung von Religion – ich könnte mir vorstellen, dass Sie da nicht unbedingt nur Freunde in der islamisch-orientierten Community haben. (Claro, auch bestimmte Christen werden sich da nicht mit Ihrer allgemeinen Aussage anfreunden können:-).

              • municipal sagt:

                @ Mehmet

                Ansichtsache ?

                Nein.

                Wie BERLINO es treffend beschrieben hat ,steht „das Kreuz für eine Religion, deren Verhältnis zu Demokratie, Menschenrechten und Meinungsfreiheit mittlerweile weitgehend im positiven Sinn geklärt ist.“

                Das Christenthum ist (zumindest im größten Teil Europs) durch die Zeit der Aufklärung und die franz. Revolution so weit „domestiziert“ worden, das es keinen „größeren Schaden“ für die vernunftbegabten Menschen hier mehr anrichten kann.

                Immer wenn Religionen zu viel Macht und Einfluss auf die Menschen und die Politik bekommen haben, hat das meist zur Mord und Totschlag geführt. Den eine Religion kann man so schön zur Indoktrination von Menschen benutzen.