MiGAZIN

Migration und Integration in Deutschland

Er [ein Paß] kommt auch nicht auf so einfache Weise zustand wie ein Mensch. Ein Mensch kann überall zustandkommen, auf die leichtsinnigste Art und ohne gescheiten Grund, aber ein Paß niemals. Dafür wird er auch anerkannt, wenn er gut ist, während ein Mensch noch so gut sein kann und doch nicht anerkannt wird.

Bertolt Brecht, Flüchtlingsgespräche, 1940

Hessen

Einbürgerungstest leicht aber hinderlich

98 Prozent aller Teilnehmer bestehen den Einbürgerungstest. Dies teilte der hessische Innenminister Boris Rhein (CDU) mit. Für Nancy Faeser (SPD) hingegen sind Einbürgerungstests nicht geeignet, die Integrationsfähigkeit oder Integrationswilligkeit der Menschen zu beurteilen.

„Die Einbürgerungstests sind ein Erfolgsmodell. Das bestätigt sich eindrucksvoll. Nach knapp zweieinhalb Jahren Praxis stelle ich fest, dass hier der richtige Weg beschritten wurde “, bilanzierte Innenminister Boris Rhein (CDU) am Donnerstag im Innenausschuss des Hessischen Landtags bezüglich des Einbürgerungstest.

Über 14.000 Menschen haben diesen Test bisher in Hessen abgelegt. Diese haben ihn mit einer Quote von über 98 Prozent bestanden. Minister Rhein: „Ohne ausreichende Kenntnisse der deutschen Sprache und unserer Rechts- und Gesellschaftsordnung wird es kaum möglich sein, die volle politische Partizipation und gesellschaftliche Teilhabe zu erreichen. Dies ist von allen demokratischen Kräften aber gewollt.“ Die Landesregierung würde deshalb auch nicht müde, für die Einbürgerung zu werben.

Einbürgerungszahlen sinken seit Einführung der Einbürgerungstests
Das ist auch notwendig. Denn in Hessen sind die Einbürgerungszahlen weiter rückläufig. Nach einem leichten Anstieg der Einbürgerungszahlen im Jahre 2007 auf knapp 14.000 sanken sie nach der Einführung der Einbürgerungstests kontinuierlich auf ein neues Tief im Jahr 2009 (12.611 Einbürgerungen) und befinden sich mittlerweile auf dem Niveau von 1998.

Für die innenpolitische Sprecherin Nancy Faeser (SPD) sind Einbürgerungstests nicht geeignet, die Integrationsfähigkeit oder Integrationswilligkeit der Menschen zu beurteilen. Eine bloße Abfrage von staatsrechtlichen Fragen würden Einbürgerungen lediglich bürokratisieren. Bei der Einbürgerung käme es vielmehr auf ein persönliches Gespräch mit dem oder der Einzubürgernden und deren Sprachkompetenz an.

Positiver Umgang mit Einbürgerung notwendig
Faeser forderte einen wesentlich positiveren Umgang mit dem Thema Einbürgerung. „Wir sollten uns freuen, wenn Menschen sich entschließen, unsere Staatsbürgerschaft anzunehmen“, so Faeser. Wenn die Integrationsbemühungen erhöht würden, werde auch die Einbürgerungsquote wieder ansteigen. Denn Deutschland habe im Vergleich mit Nachbarländern der EU sehr niedrige Einbürgerungsquoten. Dafür tue die Hessische Landesregierung aber leider nichts.

Die im Jahr 2007 vom damaligen Innenminister Volker Bouffier eingeführten besonders ausführlichen Einbürgerungstests seien jedenfalls gänzlich ungeeignet, um das Maß der gelungenen Integration festzustellen. Natürlich müssten Migranten die Grundüberzeugung der deutschen Verfassung teilen, aber ein Quizfragebogen sei dafür schlicht ungeeignet. (eb)

Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:
Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...