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Migration und Integration in Deutschland

Wenn Ausländer […] von der einheimischen Bevölkerung als Konkurrenten um Arbeitsplätze […] und als Bedrohung der Sicherheit […] wahrgenommen werden, dann erhöht die vermehrte Sichtbarkeit der Migranten dieses Gefühl […]

Forschungsverbund „Probleme der Ausländerbeschäftigung“ / 1979, 1979

Berlin

Diskussion um türkischsprachige Werbeplakate

Heinz Buschkowsky (SPD), Bürgermeister des Berliner Stadtteils Neukölln, hat mit seiner Forderung, türkische Werbeplakate aus Berliner Straßen ausnahmslos zu verbannen, eine Diskussion um deren Sinn und Zweck entfacht. Es würden nun zunehmend mehr Unternehmen auf türkischer Sprache werben, offenbar mit Erfolg.

DATUM4. April 2009

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RESSORTPolitik

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Bürgermeister Buschkowsky sieht aber in fremdsprachiger Reklame „einen Hegemonie-Anspruch“ trotz des zehnprozentigen Anteils der Türkischstämmigen an der Gesamtbevölkerung in Berlin. Seine Begründung basiert auf einem Vergleich mit den Städten Rotterdam und Glasgow: Obwohl diese Städte einen ähnlich hohen Ausländeranteil wie sein Bezirk hätten, welcher heute bereits für Menschen aus 160 verschiedenen Nationen Wohnraum bietet, seien dort trotzdem nur Werbungen in der jeweiligen Landessprache vorzufinden.

Unterstützung erhält Buschkowsky von der stellvertretenden Berliner Integrations-Beauftragten Andreas Germershausen: „Wir selbst verwenden in der Regel die deutsche Sprache. Auch in unseren Kampagnen, mit denen wir für die Einbürgerung oder qualifizierte Berufsausbildungen werben.“ In Berlin folge „die Werbung wirtschaftlichen Interessen. Das können wir nicht beeinflussen.“ Ausnahme seien lediglich Broschüren speziell für neue Zuwanderer oder Ältere.

Kritik gegen Buschkowsky
Barbara Schmidt vom Wohnungsportal Immo-Welt ist da jedoch anderer Meinung: „Unsere Haupt-Zielgruppe sind gar nicht Türken, die kein Deutsch können. Aber Menschen mit Migrationshintergrund fühlen sich durch ihre Muttersprache einfach direkter angesprochen.“ Außerdem werde bei der Planung der Plakatsorte auch die Bevölkerungsstruktur berücksichtigt, wonach man in Bezirken, in denen besonders viele Türken leben, eher auf Türkisch werbe als in anderen Stadtteilen.

Doch sowohl parteiintern als auch –extern stößt Buschkowskys Vorhaben auf große Kritik. So bezeichnete Innensenator Ehrhart Körting (SPD) die Äußerungen des Neuköllner Bürgermeisters als „Unsinn“, da „Berlin eine multikulturelle Stadt ist und bleibt.“ Nach Martin Lindner (FDP) müsse man die Ausländer „nun mal in ihrer Landessprache ansprechen“, wenn man sie denn integrieren wolle. Selbst seitens der CDU wurden Bedenken über das Verbot türkischer Werbeplakate auf Berliner Straßen geäußert. „Wir haben doch auch englische und kyrillische Plakate in unserer Stadt“, so Peter Trapp, Vorsitzender des Innenausschusses. Schließlich hingen in den Aufzügen im „Kaufhof“ auch Hinweisschilder auf Polnisch.

Wirtschaftlich von großer Bedeutung
Auch aus wirtschaftlicher Sicht sei die Verwendung türkischer Werbeplakate von großer Bedeutung. Bilkay Öney von den Grünen sei überzeugt davon, dass die Firmen „nur mit Werbung in der Herkunftssprache der Käufer wirklich Gewinn machen können.“

Ob die Plakate nun entfernt werden oder hängen bleiben dürfen – zweifellos werden beide Beschlüsse um heiße Diskussionen sorgen. Dies bezeugt folgende, durchaus gerechtfertigte Forderung des Friedenauer Autors Giuseppe Critone: „Türkische Werbeslogans sind doch eigentlich ganz okay in einer Multikulti-Stadt wie Berlin. Ich wünsche mir aber auch italienische Werbung in Berlin. Das wäre dann ja nur fair.“

Türkische Werbeplakate der SPD in Berlin
Schließlich hat die Berliner SPD selbst in der Vergangenheit mehrfach die Straßen Berlins mit türischsprachigen Plakaten geschmückt, ohne dass sich Buschkowsky je dagegen ausgesprochen hat. So hatte beispielsweise Fritz Felgentreu (SPD) Plakate für die Abgeordnetenhauswahlen 2001 und 2006 in türkischer Sprache drucken lassen. Das türkische Sprichwort auf einem der Plakate „Ich habe eine offene Stirn“ bedeutet sinngemäß: „Ich habe nichts zu verbergen.“ (Foto links). Auf einem anderen war ein Zitat des türkischen Staatsgründers Atatürk als Motto vorangestellt: „Es gibt viele Länder, aber nur eine Zivilisation.“ (Foto rechts) Vor den Europawahlen 2004 hatte die SPD ein Plakat, auf dem ein Willkommensgruß zu lesen war: „Willkommen in Europa, Türkei! – Tue das Richtige“ (Foto mitte) (MiGAZIN)

Jungautor Burak Altas

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15 Kommentare
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  1. delice sagt:

    Was ist mit Englisch?

    Es gibt jede Menge von Deutschen, die gar kein Englisch sprechen, dann müssten diese Personen, sich auch ausgegrenzt fühlen!

    Ich kann nur darauf hinweisen, dass die SPD sich im braunen Sumpf wieder einmal befindet, weil sie nämlich sieht, dass sie die türkische Minderheit immer weniger erreicht!

    Schade um die SPD!!!!!

  2. Ekrem Senol sagt:

    @ delice

    Man sollte, egal wie man den Vorstoß Buschkowskys auch bewertet, nicht vergessen, dass er nicht im Namen der gesamten SPD spricht, zumal Körting ihm ja bereits wiedersprochen hat.

  3. Aufgrund dem prognostizierten soziodemografischen Wandel gibt es, meiner Einschätzung nach, keine Alternative, als auch Werbeplakate in türkischer Sprache zu drucken. Nur so kann die deutsche Bevölkerung gesamt erreicht werden. Mal sehen, wo wir in zehn bis zwanzig Jahren stehen werden- und ob wir dann auch griechische, albanische, englische Werbeplakate drucken werden…

  4. umut sagt:

    Also ich denke, dass die Plakate in erster Linie auf Deutsch sein sollten,aber ich wäre nicht dagegen,wenn man unter der deutschen Schrift auch eine andere Sprache verwenden würde.Aber ohne die deutsche Sprache auf dem Plakat ist schon schade,weil dann viele Deutsche nicht verstehen, worum es geht. Also Sprachen sollten nicht verboten werden, aber eine gemeinsame Sprache sollten wir schon haben, und für Deutschland sollte dies deutsch sein, aber unter der deutschen Sprache sollte es erlaubt sein,auch in anderen Sprachen Menschen zu erreichen.
    Ich überlege mir gerade, was in der Türkei passieren würde,wenn kurdische Plakate in in einem Kurdenviertel in Ankara oder in Istanbul hängen würden.Ich glaube da wäre die Hölle los !!

  5. Hülya sagt:

    Berlin ist eine kosmopolitische Stadt, warum soll dann die Sprachvielfalt nicht auf Werbeplakaten deutlich werden? Es würde sogar die Mentalität dieser Stadt unterstreichen.
    Natürlich bin ich als Indonesier beleidigt wenn nur die türkische Sprache und kein Bahasa zu sehen wäre oder als Kenianer kein Suaheli .
    Ein Motiv zur visuellen Darstellung und dann mit je unterschiedlichen Sprachen interpretiert würde sogar zu einem gegenseitigen Spracherwerb von einzelnen Vokabeln führen.
    Die Idee ist sehr gut; und einer Stadt wie Berlin würde es sogar gut stehen. Das bedeutet aber nicht, dass es auf andere Städte zu übertragen wäre.

  6. Mehmet sagt:

    Nix da mit Hölle los. Auf Istanbuler Straßen wird kurdische und armenische Musik geträlliert. Die Leute reden in sämtlichen Sprachen und es sind Werbeplakate in Sprachen von allen Himmelsrichtungen zu sehen. Alles heiße Luft. Selbst mal ein Paar Monate in der Türkei leben und alles mitbekommen…

  7. Mehmet sagt:

    Warum wäre ich denn bitteschön als Türke beleidigt, wenn da kyrillische Plakate nicht lesbar sind? Mal ernsthaft nachgedacht: Eine Werbung möchte die russische Bevölkerung ansprechen. Wenn man die Werbung auf deutsch anbringen würde, würde es jeder sehen und es würde keinen interessieren außer die Russen. Steht sie auf einmal auf kyrillisch dort, regt man sich auf, dass man es nicht verstehen kann?! Hepsi hava (Alles heiße Luft 😉 )

  8. Schneter sagt:

    Was heisst denn eigentlich „avrupa’ya hos geldin Türkiye!“?

  9. emire sagt:

    Auf Deutsch in etwa: „Ihr kommst hier net rein……….“

  10. Schneter sagt:

    tatsächlich? Sie wollen mich veräppeln, Emire…. ?


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