
EU will Gespräch
Immer mehr Menschen gelangen von Libyen per Boot nach Kreta
Zu Hunderten kommen Menschen von Libyen aus auf Kreta an. Für die Überfahrt zahlen sie Tausende Euros an Schlepper – weil es keine legalen Fluchtwege mehr gibt. Nun schaltet sich die EU-Kommission ein. Die zahlt Libyen Millionen für Grenzschließung.
Montag, 07.07.2025, 11:22 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 07.07.2025, 10:09 Uhr Lesedauer: 2 Minuten |
Nach Angaben der griechischen Küstenwache sind seit Freitag rund 750 Migranten auf Kreta eingetroffen, die ihre Überfahrt von der libyschen Küste aus angetreten hatten. Das berichtete der öffentlich-rechtliche Rundfunk (ERTnews) unter Berufung auf die Behörden. 430 dieser Menschen wurden den Angaben zufolge südlich der Touristeninsel von Frachtschiffen aufgenommen und an die Küstenwache übergeben. Die Route von der Region der libyschen Hafenstadt Tobruk nach Kreta entwickelt sich demnach zunehmend zu einer der wichtigsten Fluchtrouten über das Mittelmeer.
Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR sind dieses Jahr bis Ende Juni insgesamt 16.848 Migranten per Boot in Griechenland angekommen. Allein auf Kreta wurden bis Ende Juni 7.135 Ankünfte registriert. Die Zahl der auf Kreta eingetroffenen Migranten stiegt nach Angaben des für die Küstenwache zuständigen Ministers Vassilis Kikilias im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres um rund 350 Prozent. Dies sagte er dem griechischen Rundfunk.
EU-Politiker wollen nach Tripolis
Besorgt über die Entwicklungen auf der Route zwischen Libyen und Kreta will in der kommenden Woche der EU-Kommissar für Inneres und Migration, Magnus Brunner, gemeinsam mit den Migrationsministern Griechenlands, Maltas und Italiens die libysche Regierung in Tripolis besuchen. Brunner hatte bei einem Besuch in Athen kürzlich erklärt, der Termin in Libyen sei von großer Bedeutung. Die EU wolle damit zeigen, dass sie in Zusammenhang mit dieser Route, die Schleuser benutzen, um Menschen nach Europa zu bringen, geschlossen handelt.
Offiziere der griechischen Küstenwache gehen davon aus, dass im Raum Tobruk Tausende Menschen auf eine Gelegenheit warten, nach Europa überzusetzen, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Behördenkreisen erfuhr. Pro Kopf zahlen die Menschen Schleuserbanden nach eigenen Angaben für die gut 300 Kilometer lange Fahrt Tobruk-Kreta zwischen 4.000 und 6.000 Euro, wie kretische Medien berichten.
EU zahlt Millionen für Grenzschutz
Hohe Preise können Schleuser verlangen, weil es für Menschen nahezu keine legalen Fluchtwege mehr gibt. Die EU-Politik hat nach und nach alle Wege in die EU geschlossen. Hinzu kommen umstrittene Pakte mit afrikanischen Regimes. Sie sollen ihre Grenzen dichtmachen für Menschen, die Richtung Europa flüchten wollen. Im Gegenzug zahlt die EU viele Millionen Euro und rüstet die Länder mit Grenzschutztechnologie aus. Beobachtern zufolge wird es beim Besuch in Tripolis darum gehen, Druck auszuüben und dem Zweck der Geldzahlungen Nachdruck zu verleihen.
Menschenrechtler kritisieren die EU-Politik scharf. Europa gebe vor, Schleuser zu bekämpfen, tatsächlich fördere sie ihr Geschäft sogar durch Grenzschließungen. Den Menschen bleibe keine andere Möglichkeit, als ihr Leben in die Hände von Schleusern zu geben. Gleichzeitig finanziere die EU mit den Geldzahlungen dubiose Regimes in afrikanischen Ländern. Viele dieser Länder stehen im Verdacht, massive Menschenrechtsverletzungen zu begehen. Aufgegriffene Geflüchtete würden inhaftiert, gefoltert, in Wüsten ausgesetzt oder sogar hingerichtet. (dpa/mig) Aktuell Panorama
Wir informieren täglich über das Wichtigste zu Migration, Integration und Rassismus. Dafür wurde MiGAZIN mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. Unterstüzte diese Arbeit und verpasse nichts mehr: Werde jetzt Mitglied.
MiGGLIED WERDEN- Doppelmoral und -herz Die Türkei fährt zur WM. Oje!
- Demokratische Kälte AfD liefert den Takt, die Union tanzt
- „Demokratie leben!“ Priens Kurswechsel verunsichert Zivilgesellschaft
- „Offen für alle Wege“ CDU-Minister offen für Massenabschiebung nach Syrien…
- Realpolitik verbiegt Rechtsstaat Abschiebung um jeden Preis
- Sprache des Misstrauens Merz stellt Muslime unter Vorbehalt

