Einbürgerung, Einbürgerungsfeier, Staatsbürgerschaft, Einbürgerungsurkunde, Feier, Verwaltung, Behörde
Einbürgerungsfeier (Symbolfoto)

Thüringen

Einbürgerung: AfD-Kreis Sonneberg hängt CDU-Regionen ab

Je nach Wohnort dauert der Weg zum deutschen Pass in Thüringen sehr unterschiedlich. Vergleichsweise schnell geht es im AfD-geführten Sonneberg, während Verfahren in mehreren von der CDU geführten Kommunen bis zu zwei Jahre dauern.

Dienstag, 15.09.2026, 13:24 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 15.09.2026, 13:24 Uhr Lesedauer: 4 Minuten  |  

Ausgerechnet der vom AfD-Politiker Robert Sesselmann geführte Landkreis Sonneberg gehört bei Einbürgerungen in Thüringen eher zu den schnellsten Verwaltungen. Von der Antragstellung bis zur Einbürgerung dauert es dort nach Angaben des Landkreises durchschnittlich zehn bis 15 Monate. In mehreren anderen Regionen Thüringens müssen Antragsteller deutlich länger warten.

In Suhl, das von CDU-Oberbürgermeister André Knapp geführt wird, beträgt die durchschnittliche Bearbeitungsdauer etwa ein Jahr. In Weimar und im CDU-geführten Landkreis Eichsfeld liegt der Schnitt bei 18 Monaten. In Gera, Greiz und im Altenburger Land vergehen rund anderthalb bis zwei Jahre. Die Verwaltungsspitzen dieser drei Kommunen und Landkreise gehören ebenfalls der CDU an.

___STEADY_PAYWALL___

Ein Grund für die Unterschiede könnte das jeweilige Fallaufkommen sein. Sonneberg gehört mit 101 neuen Einbürgerungsanträgen im Jahr 2025 zu den kleineren Behörden. Das allein erklärt die kürzere Bearbeitungszeit allerdings nicht: Im CDU-geführten Landkreis Greiz gingen im selben Jahr mit 105 nahezu ebenso viele Anträge ein. Dort dauert eine Einbürgerung dennoch anderthalb bis zwei Jahre, während Sonneberg zehn bis 15 Monate angibt. Auch bei den erledigten Verfahren zeigt sich ein deutlicher Unterschied: Sonneberg schloss 2025 insgesamt 101 Verfahren ab, Greiz lediglich 56.

Deutliche örtliche Unterschiede

Wie lange Menschen in Thüringen auf eine Einbürgerung warten, unterscheidet sich damit je nach Wohnort teils erheblich. Das ist das Ergebnis einer Umfrage unter Landkreisen und kreisfreien Städten. Einen Zusammenhang zwischen der politischen Zugehörigkeit der jeweiligen Verwaltungsspitze und der Bearbeitungsdauer lassen die Angaben nicht erkennen. Faktoren wie Personalstärke, Zahl der Anträge oder die Komplexität einzelner Verfahren können die Dauer beeinflussen.

Das Landratsamt des Weimarer Lands teilte mit, dass das Verfahren innerhalb von drei Monaten abgeschlossen oder sich etwa aufgrund fehlender Unterlagen auch über mehrere Jahre ziehen könne. Zu Verzögerungen kommt es laut Landratsamt Saalfeld-Rudolstadt unter anderem durch Sicherheitsanfragen bei Behörden oder das Prüfen von Dokumenten wie Sprachzertifikaten.

Von der Stadt Erfurt heißt es, dass die Wartezeiten je nach Einzelfall variieren – aufgrund der hohen Antragszahlen dauere es aber mindestens mehrere Monate. „Bundesweit, so auch in Erfurt, haben die Einbürgerungsbehörden mit großen Antragsrückständen, hohen Antragszahlen und somit sehr langen Warte- und Bearbeitungszeiten zu kämpfen“, hieß es aus der Landeshauptstadt. Sowohl für die Antragsteller als auch für die Behörde sei die derzeitige Situation unbefriedigend.

Rekordzahl bei Einbürgerungen

In Thüringen wurden nach Angaben des Landesamts für Statistik im vergangenen Jahr 3.683 Menschen eingebürgert – das war ein Höchstwert seit Beginn der Erhebung im Jahr 2000. Die Steigerung im Vergleich zu 2024 betrug 39 Prozent.

Anträge auf Einbürgerung wurden im vergangenen Jahr nach Angaben des Innenministeriums insgesamt 5.107 Mal gestellt. Da die Verfahren auch jahresübergreifend sowie über mehrere Jahre stattfinden können, lassen sich die Zahlen mit den tatsächlichen Einbürgerungen in den jeweiligen Jahren jedoch nicht vergleichen.

Für eine Einbürgerung müssen unter anderem ausreichende Deutschkenntnisse nachgewiesen werden. In der Regel müssen Antragsteller zudem Kenntnisse über die Rechts- und Gesellschaftsordnung sowie die Lebensverhältnisse in Deutschland nachweisen, häufig durch den Einbürgerungstest.

Doppelpass seit 2024 möglich

2024 wurde das Staatsangehörigkeitsrecht reformiert. Seitdem kann der Antrag auf Einbürgerung bereits nach fünf statt wie zuvor in der Regel acht Jahren Aufenthalt in Deutschland gestellt werden. Zudem ist es seitdem grundsätzlich möglich, die bisherige Staatsangehörigkeit zu behalten.

„Dies hat zu einem weiteren Anstieg der Einbürgerungsanträge geführt“, teilte der Wartburgkreis mit. Auch wenn dort die Antragszahlen zuletzt leicht gesunken seien, so seien sie doch nach wie vor auf einem deutlich höheren Niveau als noch vor einigen Jahren.

Tausende unbearbeitete Anträge

In Erfurt gibt es derzeit den Angaben zufolge 1.960 unbearbeitete Anträge – rund 600 Anträge sind parallel in Bearbeitung. In Jena sind es laut Stadtverwaltung aktuell rund 1.300 unbearbeitete Anträge, in Gera knapp 500.

Aber nicht nur in kreisfreien Städten gibt es offene Vorgänge: Im Altenburger Land etwa müssen noch rund 400 Anträge bearbeitet werden, im Weimarer Land rund 250 und im Saale-Holzland-Kreis rund 200.

Feierliche Einbürgerung nicht überall

Wenn der Einbürgerungsantrag positiv entschieden wurde, dauert es in der Regel nur noch wenige Wochen, bis die Einbürgerungsurkunde ausgehändigt wird. In Jena, Erfurt, Suhl oder dem Saale-Holzland-Kreis etwa dauert das weniger als einen Monat.

In manchen Regionen werden die Einbürgerungsurkunden auch etwa alle zwei oder drei Monate bei einer Veranstaltung feierlich überreicht, etwa im Eichsfeld oder im Kreis Saalfeld-Rudolstadt. (dpa/mig) Aktuell Panorama

Zurück zur Startseite
MiGLETTER (mehr Informationen)

Verpasse nichts mehr. Bestelle jetzt den kostenlosen MiGAZIN-Newsletter:

UNTERSTÜTZE MiGAZIN! (mehr Informationen)

Wir informieren täglich über das Wichtigste zu Migration, Integration und Rassismus. Dafür wurde MiGAZIN mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. Unterstüzte diese Arbeit und verpasse nichts mehr: Werde jetzt Mitglied.

MiGGLIED WERDEN
Auch interessant
MiGDISKUTIEREN (Bitte die Netiquette beachten.)