
Christchurch 2.0
Angreifer streamten Moschee-Angriff in San Diego live ins Netz
Drei Männer wurden bei dem Angriff auf ein islamisches Zentrum in San Diego ermordet. Sie verhinderten, dass die Angreifer in die Moschee mit rund 140 Kindern gelangen konnten. Der Angriff hat Ähnlichkeiten zum rechtsextremen Anschlag in Christchurch.
Mittwoch, 20.05.2026, 12:45 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 20.05.2026, 12:45 Uhr Lesedauer: 3 Minuten |
Die Angreifer eines islamischen Zentrums im kalifornischen San Diego haben ihre Tat Recherchen von US-Medien zufolge live ins Internet übertragen. Kurz nach dem tödlichen Angriff am Montag tauchte im Netz ein Video auf, das die Täter augenscheinlich selbst aufgenommen hatten, wie der Sender CNN und die „New York Times“ berichteten.
In dem Video, das den Medien vorliegt, sei unter anderem zu sehen, wie sich die Täter mit Gewehren und mindestens einer Pistole Zutritt zum Eingangsbereich der Moschee verschaffen. Es zeige auch ein mutmaßliches Opfer in einer Blutlache. Später sei zu sehen, wie einer der beiden Männer in einem Auto zunächst auf den Beifahrer und dann auf seinen eigenen Kopf schieße.
Nazi-Symbole auf den Waffen zu sehen
Die in dem Video zu sehenden Waffen sind Berichten zufolge mit handgeschriebenen weißen Beschriftungen und Symbolen versehen. Diese umfassten Zahlencodes und Abkürzungen, die auf den Nationalsozialismus und frühere Gewalttaten verwiesen, berichtete CNN. Die Ermittlungsbehörden haben die Echtheit des Videos bislang nicht offiziell bestätigt. CNN berichtete aber unter Berufung auf eine anonyme Quelle aus Ermittlungskreisen, dass das Video als echt eingestuft werde.
Auch die Echtheit eines 75-seitigen Dokuments, das den Berichten zufolge ebenfalls im Internet kursiere, bestätigten die Ermittler zunächst nicht. Neben Nazi- und Neonazi-Symbolen enthalte die Schrift auch Bezugnahmen auf ein Attentat im Jahr 2019 auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch. Damals kamen 51 Menschen ums Leben.
Extremismusforschern weisen auf die Ähnlichkeit der Anschläge hin. Laut dem Institute for Strategic Dialogue gab es seit Christchurch immer wieder rechtsextreme Nachahmungstaten mit ähnlicher Inszenierungs- und Nachahmungslogik rechtsextremer Attentäter. Fachleute des Combating Terrorism Center beschrieben den Anschlag von Christchurch bereits damals als „Livestream-Terror“ im digitalen Zeitalter.
Islamfeindlichkeit im Fokus
Der Angriff fällt in eine Zeit, in der muslimische Organisationen in den USA seit Jahren vor zunehmenden Anfeindungen warnen. Der Council on American-Islamic Relations registrierte 2025 landesweit 8.683 Beschwerden – den höchsten Wert seit Beginn der eigenen Erfassung im Jahr 1996. Die Zahlen der Organisation umfassen unter anderem Diskriminierung, Drohungen, Übergriffe und andere Vorfälle; sie sind keine amtliche Kriminalstatistik.
Auch die offiziellen Hasskriminalitätszahlen zeigen eine hohe Belastung. Nach Angaben des US-Justizministeriums meldeten Polizeibehörden für das Jahr 2024 insgesamt 11.679 Hasskriminalitätsvorfälle mit 14.243 Betroffenen. Die Auswertung umfasst verschiedene Tatmotive, darunter rassistische, antisemitische, antiislamische, homophobe und andere gruppenbezogene Motive.
Polizei: Todesopfer retteten viele Leben
Bei dem Angriff auf das islamische Zentrum, zu dem neben einer Moschee auch eine Schule mit kleinen Kindern gehört, waren am Montag drei Menschen getötet worden, darunter ein Wachmann. Nach Ansicht der Polizei verhinderten alle drei Todesopfer, dass die Angreifer in die Einrichtung mit etwa 140 Kindern gelangen konnten. Die beiden 17- und 18-jährigen Tatverdächtigen wurden wenig später tot in einem Auto aufgefunden – mutmaßlich durch selbst zugefügte Schusswunden. Nach Angaben der Ermittler fand die Polizei in dem Fahrzeug antiislamische Schriftstücke.
Die drei Getöteten wurden nach Angaben der Nachrichtenagentur AP als Amin Abdullah (51), Nadir Awad (57), und Mansour Kaziha (78), identifiziert. Abdullah arbeitete seit Jahren als Wachmann des Zentrums und habe nach Beginn des Angriffs einen Lockdown ausgelöst. Kaziha, ein langjähriger Helfer der Moscheegemeinde, und Awad, ein Nachbar des Zentrums, hätten sich den Angreifern später im Außenbereich entgegengestellt.
Internationale Reaktionen
Der Angriff löste auch international Reaktionen aus. UN-Generalsekretär António Guterres verurteilte die Tat scharf und sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus. Der Hohe Repräsentant der UN Alliance of Civilizations und UN-Sonderbeauftragte zur Bekämpfung von Islamfeindlichkeit, Miguel Ángel Moratinos, erklärte, Angriffe auf Gotteshäuser und Betende hätten keinen Platz in der Gesellschaft. Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate und die Muslim World League verurteilten den Angriff ebenfalls und sprachen den Angehörigen der Opfer ihr Beileid aus.
Großbritanniens Premierminister Keir Starmer erklärte, Gewalt geschehe nicht im Vakuum. „Es wächst in einem Umfeld, in dem sich Spaltung und antimuslimische Feindseligkeit normalisieren. Das ist unerträglich“. Aus Deutschland gab es bislang keine Reaktion. (dpa/mig) Ausland Leitartikel
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