
Hassverbrechen
Drei Tote bei Angriff auf islamisches Zentrum in Kalifornien
In San Diego haben zwei Jugendliche ein islamisches Zentrum mit Moschee und Schule angegriffen, drei Männer starben. Die Polizei behandelt die Tat vorerst als Hassverbrechen und prüft, welches Motiv hinter der Gewalt stand. Die Tat erinnert an den islamfeindlichen Anschlag in Christchurch.
Von Jan Christoph Freybott und Andrej Sokolow Dienstag, 19.05.2026, 11:48 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 19.05.2026, 11:48 Uhr Lesedauer: 4 Minuten |
Erneut ist in den Vereinigten Staaten eine religiöse Einrichtung Ziel eines Gewaltverbrechens geworden – diesmal in San Diego. Ein 17-Jähriger und ein 19-Jähriger griffen ein islamisches Zentrum an, zu dem neben einer Moschee auch eine Schule gehört. Drei Menschen starben, die beiden Angreifer wurden später tot in ihrem Auto gefunden.
Viele Details zum Tathergang bleiben unklar, ebenso wie das Motiv. Ein warnender Anruf bei der Polizei wirft zudem die Frage auf, ob die Tat womöglich hätte verhindert werden können.
Schwer bewaffnete Polizisten bringen Kleinkinder aus dem Gebäude
Die Polizei hatte mit einem Großeinsatz auf Berichte über einen Schützen an dem Zentrum reagiert. Auf Hubschrauberaufnahmen war zu sehen, wie schwer bewaffnete Beamte Kinder aus dem Gebäude begleiteten. Ein Zeuge sagte dem Sender CBS News, er habe etwa 30 Schüsse gehört und daraufhin die Polizei verständigt.
Die Polizei fand vor Ort nach eigenen Angaben drei getötete Männer erwachsenen Alters vor, einer davon ein Wachmann der Einrichtung. Bei den beiden anderen handelt es sich laut Medienberichten um Mitarbeiter. Nähere Angaben zu ihrer Identität machte die Polizei aus Rücksicht gegenüber den Angehörigen nicht.
Noch sei nicht genau geklärt, was vor der Moschee passiert sei, sagte der örtliche Polizeichef Scott Wahl mit Blick auf den getöteten Wachmann. „Aber an dieser Stelle kann man wohl mit Sicherheit sagen, dass sein Handeln heldenhaft war und er heute zweifellos Leben gerettet hat.“
Wahl zufolge machten sich die Beamten umgehend daran, das Gebäude zu durchsuchen. Ungefähr zur gleichen Zeit sei ein weiterer Notruf eingegangen, demzufolge wenige Straßen entfernt auf einen Garten- und Landschaftsbauer geschossen worden sei. Die genauen Umstände seien noch unklar, doch möglich ist, dass sein Helm ihm das Leben gerettet habe.
Wiederum wenige Minuten später ging erneut ein Notruf ein: Das Auto mit den beiden toten Tatverdächtigen stand wenige Blocks entfernt mitten auf der Straße. „Derzeit scheint es, als seien die Verdächtigen an selbst zugefügten Schussverletzungen gestorben“, sagte Wahl.
Mutter verständigte die Polizei zwei Stunden vor der Tat
US-Präsident Donald Trump reagierte bestürzt auf den Vorfall. Es sei eine „entsetzliche Situation“, sagte er in Washington. Der Gouverneur von Kalifornien, Gavin Newsom, teilte mit: „Hass hat in Kalifornien keinen Platz, und wir werden keine Terrorakte oder Einschüchterungsversuche gegen Glaubensgemeinschaften dulden.“
Polizeichef Wahl teilte darüber hinaus mit, die Mutter eines der beiden Tatverdächtigen habe rund zwei Stunden vor dem Angriff bei der Polizei angerufen: Ihr Sohn sei verschwunden, genauso wie mehrere ihrer Waffen und ihr Auto. Zudem sei er mit einem Freund unterwegs und trage Tarnkleidung. Die Mutter nahm an, ihr Sohn wolle sich das Leben nehmen.
Mitteilung eines Tatverdächtigen gefunden
Die Beamten schlussfolgerten Wahl zufolge allerdings, dass die Details nicht zu einem Suizid passten. In der Folge habe die Polizei Beamte an mutmaßliche Ziele eines Gewaltverbrechens geschickt, darunter ein Einkaufszentrum und eine Schule. Beamte seien nur wenige Straßen entfernt gewesen, als schließlich der Notruf vom islamischen Zentrum einging.
Keine Angaben machten die Ermittler zu einem möglichen Motiv. Es sei eine Mitteilung bei einem der Tatverdächtigen gefunden worden, zur jetzigen Zeit könne er aber keine Auskunft darüber geben, sagte Wahl. Da es sich um eine religiöse Einrichtung handele, betrachte die Polizei die Attacke bis auf Weiteres als Hassverbrechen.
Deswegen sei auch die Bundespolizei FBI eingeschaltet worden. Der zuständige FBI-Beamte Mark Remily bezeichnete den Gewaltakt als „sinnlos“ und bat die Öffentlichkeit um sachdienliche Hinweise. Jedes Detail könne dabei helfen, nachzuvollziehen, „warum sich dieser schreckliche Vorfall ereignet hat.“
Erst vor zwei Monaten Angriff auf Synagoge in Michigan
Der Angriff ruft Erinnerungen an das Attentat im neuseeländischen Christchurch wach. Dort hatte ein rechtsextremistischer Islamhasser am 15. März 2019 während des Freitagsgebets zunächst die Al-Noor-Moschee und kurz darauf das Linwood Islamic Centre angegriffen. 51 Menschen wurden getötet, 40 weitere überlebten Mordversuche.
Der australische Täter hatte den ersten Angriff live ins Internet übertragen und vor der Tat ein rassistisches und islamfeindliches Pamphlet verbreitet. Er bekannte sich später zu 51 Morden, 40 Mordversuchen und einem terroristischen Akt. Ein Gericht verurteilte ihn zu lebenslanger Haft ohne Möglichkeit auf Bewährung – die härteste Strafe in Neuseeland. Eine Untersuchungskommission stellte später fest, die Tat sei von einer rechtsextremen, islamfeindlichen Ideologie getrieben gewesen. (dpa/mig) Aktuell Ausland
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