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Trauer in Neuseeland nach dem rechtsterroristischen Angriff in einer Moschee auf Muslime

Rechtsterror

Entsetzen über Anschläge in Neuseeland

"Ein Angriff auf alle Gläubigen, auf die Humanität als Ganzes": Weltweit trauern die Menschen um die Anschlagsopfer von Christchurch. Kanzlerin Merkel und Bundespräsident Steinmeier drücken in Kondolenztelegrammen ihr Mitgefühl aus.

Montag, 18.03.2019, 5:24 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 19.03.2019, 17:14 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Die Moschee-Angriffe im neuseeländischen Christchurch haben in der deutschen Politik und bei Vertretern von Religionsgemeinschaften tiefe Bestürzung ausgelöst. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verurteilte den „perfiden Angriff auf Betende“, der auch ein Angriff auf die neuseeländische Demokratie und die offene Gesellschaft sei. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach der Generalgouverneurin von Neuseeland, Dame Patricia Lee Reddy, seine Anteilnahme aus: „Deutschland trauert mit Ihnen.“

Bei den Anschlägen auf zwei Moscheen in Christchurch wurden offiziellen Angaben zufolge 49 Menschen durch Schüsse getötet und mindestens 20 weitere verletzt. Die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern sprach von einem „terroristischen Angriff“. Unter Verdacht steht unter anderem ein rechtsextremistischer Australier.

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Merkel schrieb in einem Kondolenztelegramm an die neuseeländische Premierministerin Ardern, sie habe mit Entsetzen von der schrecklichen Tat gehört. „Mein aufrichtiges Mitgefühl gilt in dieser Stunde den Angehörigen der Opfer“, erklärte die Kanzlerin.

Muslime fassungslos

Nach Steinmeiers Worten ist es besonders verachtenswert, dass Menschen Opfer dieser feigen Anschläge wurden, die friedlich ihrem Glauben nachgingen. „Wir wünschen Ihrem Land die Kraft, sich in dieser schweren Stunde seine Offenheit und Zuversicht zu bewahren“, heißt es in der Kondolenz des Bundespräsidenten. Er habe Neuseeland und seine Menschen bei einem Besuch im Jahr 2017 als außergewöhnlich weltoffen und gastfreundlich erlebt. „Umso schwerer ist mein Herz in dieser dunklen Stunde Ihrer Nation.“

Trauer herrscht auch bei den Islamverbänden in Deutschland. Die Angriffe machten fassungslos und zeigten, „wie weit Islamfeindlichkeit und antimuslimischer Rassismus verbreitet ist und welche radikalen Ausmaße er angenommen hat“, erklärte der Sprecher des Koordinationsrates der Muslime, Erol Pürlü, in Köln. Besonders schockierend sei die Brutalität der Täter.

Guterres und Grandi verurteilen Angriff

UN-Generalsekretär António Guterres hat dazu aufgerufen, gemeinsam gegen Muslimfeindlichkeit, Fanatismus und Terror zusammenzustehen. Dies gelte heute und an jedem anderen Tag, erklärte Guterres am Freitag über den Kurznachrichtendienst Twitter in Reaktion auf den Terroranschlag auf zwei Moscheen in Neuseeland. Er sei erschüttert und verurteile die Schüsse auf unschuldige und friedlich betende Menschen. Den Angehörigen sprach Guterres sein Beileid aus.

Ähnlich äußerte sich der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, Filippo Grandi. Es sei schockierend, dass die Tat allem Anschein nach von Hass und Angst vor Fremden motiviert worden sei, hieß es in einer in Genf veröffentlichten Erklärung. In Zeiten wachsender Feindlichkeit gegen Vielfalt sei die Menschlichkeit, die die Bevölkerung und die Regierung Neuseelands nach dem Attentat zeigten, besonders lobenswert. Er stehe an der Seite Neuseelands, das großzügig denen Unterschlupf gewährt habe, die vor Verfolgung und Gewalt geflohen seien.

Weltkirchenrat: Angriff auf alle Gläubigen

Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin schrieb in einem Beileidstelegramm, Papst Franziskus sei solidarisch mit den Neuseeländern, insbesondere mit den dortigen Muslimen. Das Kirchenoberhaupt bete nach den „sinnlosen Gewaltakten“ um Heilung der Verletzten, Trost für diejenigen, die ihre Angehörigen verloren hätten, und alle übrigen Betroffenen.

Der Weltkirchenrat sprach von einem „Angriff auf alle Gläubigen, auf die Humanität als Ganzes und das friedliche Zusammenleben“. Der Ökumenische Rat der Kirchen stehe an der Seite aller Muslime, vor allem derjenigen in Neuseeland, betonte Generalsekretär Olav Fykse Tveit.

KEK: „Unsere muslimischen Schwestern und Brüder“

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, sagte: „Hass und Gewalt gegen Menschen gleich welcher Religion, Herkunft oder Weltanschauung sind durch nichts zu rechtfertigen.“ Dutzende Menschen seien heimtückisch ermordet worden, als sie in Moscheen friedlich zum Gebet versammelt waren. „Die digitale Multiplikation des Horrors beschreibt die zynischen Abgründe des Terrorismus unserer Tage“, sagte Bedford-Strohm angesichts der Verbreitung eines Videos im Internet, das von einem der mutmaßlichen Täter stammen und einen der Angriffe zeigen soll.

Die Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) verurteilte den „Angriff auf unsere muslimischen Schwestern und Brüder“. „Unsere Gebete sind mit den Opfern, ihren Familien und Gemeinden, und allen Menschen aus Christchurch in Neuseeland“, erklärte der Generalsekretär des ökumenischen Bündnisses in Brüssel, Heikki Huttunen.

Das Berliner Büro des American Jewish Committee erklärte auf Twitter: „Wir sind fassungslos angesichts der Nachrichten, die uns aus Neuseeland erreichen.“ (epd/mig)

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