Cansel Kızıltepe, Berlin, Senatorin, Politikerin, SPD, Integration, Antidiskriminierung
Cansel Kızıltepe (SPD), Berliner Senatorin für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung © Zeichnung: MiG

Empowerment

Berlin gibt Schwarzen Communities eigenes Haus

Berlin bekommt ein Community Zentrum für Schwarze, afrikanische und afrodiasporische Communities – ein Novum. Was wie ein Gebäude klingt, ist politisch mehr: ein später Schritt zu Teilhabe, Schutz und Anerkennung – ein Gastbeitrag.

Von Dienstag, 05.05.2026, 10:12 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 05.05.2026, 8:47 Uhr Lesedauer: 5 Minuten  |  

Es gibt politische Momente, die mehr sind als eine Entscheidung oder ein Beschluss. Momente, in denen spürbar wird, dass sich etwas verschiebt. Der Start des ersten Community Zentrums für Schwarze, afrikanische und afrodiasporische Communities in Berlin ist für mich genau so ein Moment. Denn dieser Ort ist nicht einfach „neu“. Er ist lange und zu Recht eingefordert worden.

Schwarze, afrikanische und afrodiasporische Menschen sind seit Jahrzehnten Teil dieser Stadt. Ihre Perspektiven, ihre Erfahrungen und ihr Engagement prägen Berlin. Und doch hat es viel zu oft an Räumen in unserer Stadt gefehlt, die genau dafür da sind: für Austausch, für Sichtbarkeit und für Empowerment, aber auch für Schutz.

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Mit dem neuen Community Zentrum entsteht jetzt ein solcher Ort. Ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen können, um sich zu vernetzen, voneinander zu lernen und sich gegenseitig zu stärken. Ein Ort für Bildung, für Beratung, für Kultur und für das, was im Alltag oft zu kurz kommt: für Gemeinschaft, für Selbstfürsorge und für das Gefühl, einfach sein zu können.

Was diesen Ort besonders macht, ist seine Entstehung. Das Zentrum ist nicht am Reißbrett entstanden. Es ist das Ergebnis eines langen, intensiven und partizipativen Prozesses. Initiativen, Vereine und Engagierte aus den Communities selbst haben ihre Perspektiven eingebracht, Bedarfe formuliert und Ideen entwickelt. Politik und Verwaltung haben diesen Prozess zwar ermöglicht und unterstützt, aber die inhaltliche Ausgestaltung wuchs vor allem aus den Communities selbst. Genau darin liegt meiner Ansicht auch die Stärke dieses Prozesses und nun dieses Ortes.

„Es geht um weit mehr als ein Gebäude: es geht um einen lebendigen Ort für Schwarze, afrikanische und afrodiasporische Menschen.“

Hier entstehen Räume für Workshops, Beratung und Empowerment. Räume für Kunst, Kultur und Begegnung. Räume für mentale Gesundheit, für Austausch zwischen Generationen und für neue Formen des Zusammenlebens. Es geht um weit mehr als ein Gebäude: es geht um einen lebendigen Ort für Schwarze, afrikanische und afrodiasporische Menschen, der sich weiterentwickelt und von den Menschen getragen wird, die ihn nutzen.

Gleichzeitig ist dieses Zentrum auch politisch von großer Bedeutung. Zum ersten Mal hat das Land Berlin eine Immobilie für einen zivilgesellschaftlichen Träger angekauft und zur Verfügung gestellt. Gemeinsam mit dem Bund und weiteren Partnern wurden rund 10,5 Millionen Euro investiert.

Info: Zum Start des Community Zentrums und zur offiziellen Begrüßung der zweiten UN-Dekade für Menschen afrikanischer Herkunft findet am Mittwoch, 6. Mai 2026, um 13 Uhr ein Pressegespräch im CUZ Community Zentrum, Togostraße 76, 13351 Berlin-Wedding, statt.
Mit dabei sind unter anderem Berlins Senatorin Cansel Kızıltepe, Lina Mitschke von Each One Teach One (EOTO) e.V., Katja Kinder von der RAA Berlin sowie Peggy Piesche und Prof. Dr. Maisha M. Auma aus dem Expert:innenkreis zu anti-Schwarzem Rassismus.

Das ist ein ganz bewusstes Signal: Teilhabe braucht Räume. Und Räume entstehen nicht von allein.

Dass dieser Schritt gerade jetzt gelingt, ist eng mit der UN-Dekade für Menschen afrikanischer Herkunft verbunden. Die erste Dekade (2015–2024) stand unter dem Leitmotiv „Anerkennung, Gerechtigkeit und Entwicklung“. Sie hat dazu beigetragen, strukturellen Rassismus stärker sichtbar zu machen und politische Handlungsbedarfe klar zu benennen.

Auch in Berlin wurden in dieser Zeit wichtige Grundlagen geschaffen: Förderprogramme, Beratungsangebote, Gremien und ein intensiver Austausch zwischen Verwaltung und Zivilgesellschaft. Vor allem aber ist ein gemeinsames Verständnis gewachsen, dass nachhaltige Veränderungen nur im Dialog entstehen können.

„Es wird nicht alle Herausforderungen lösen. Aber mit diesem Zentrum schaffen wir gemeinsam Voraussetzungen.“

Mit der zweiten UN-Dekade (2025–2034) geht es nun darum, diese Erkenntnisse in langfristige Strukturen zu übersetzen. Es geht um Verbindlichkeit, um Umsetzung und um die Frage, wie Räume geschaffen werden können, in denen Teilhabe tatsächlich gelebt werden kann.

Das Community Zentrum ist ein konkretes Ergebnis dieses Prozesses. Es wird nicht alle aktuellen und auch kommende Herausforderungen lösen. Aber mit diesem Zentrum schaffen wir gemeinsam Voraussetzungen für mehr Sichtbarkeit, für stärkere Vernetzung und für eine Auseinandersetzung mit Geschichte und Gegenwart, die bisher oft zu wenig Raum hatte.

Für mich als Senatorin für Vielfalt und Antidiskriminierung im Land Berlin ist dieses Projekt deshalb ein wichtiger Schritt und gleichzeitig ein Auftrag. Ein Auftrag, weiter mit Herzblut daran zu arbeiten, strukturelle Ungleichheiten in unserer Gesellschaft abzubauen und weiter mit der Zivilgesellschaft auf Augenhöhe zusammenzuarbeiten. Denn nur zusammen setzen wir den vielen politischen und sozialen Herausforderungen und oftmals auch politischen Anfeindungen etwas entgegen. Gemeinsam und solidarisch.

„Jetzt beginnt die nächste Phase: diesen Ort mit Leben zu füllen.“

Beeindruckt hat mich in dem Entstehungsprozess des Community Zentrums in den letzten Jahren besonders das Engagement der vielen Menschen aus den Schwarzen, afrikanischen und afrodiasporischen Communities hier in Berlin. Ihre Expertise, ihre Ausdauer und ihr Einsatz haben dieses Zentrum überhaupt erst möglich gemacht. Ein großes Dankeschön an alle Engagierten, vor allem an Each One Teach One e.V. (EOTO) als Träger des Zentrums.

Jetzt beginnt die nächste Phase: diesen Ort mit Leben zu füllen. Ich bin zutiefst überzeugt, dass das gelingen wird. Weil Berlin dieses Community Zentrum nicht nur braucht, sondern weil es auch getragen wird von ganzen vielen aus der Zivilgesellschaft, der Verwaltung und der Politik.

Und genau das macht das Zentrum zu etwas Besonderem – und in Deutschland Einzigartigem. Und darauf bin ich für das Land Berlin stolz. (mig) Meinung

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