Schwarze Frauen in Deutschland

„Wir mögen unbewässert wachsen, doch wir wachsen schnell“

Eine junge schwarze Frau in Deutschland zu sein, ist nicht einfach. Tatsächlich bringt es weltweit viele Hürden mit sich. Sie wird nicht nur mit Sexismus, sondern auch mit Rassismus konfrontiert. Ein Plädoyer für eine vielfältige Gesellschaft von Jamie Schearer und Madina Mohamed.

Von Mittwoch, 30.07.2014, 8:22 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 31.07.2014, 17:29 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Die uns betreffenden Debatten rund um Probleme mit Rassismus werden genauso wenig wie die Probleme mit Sexismus gegenüber schwarzen Frauen in Deutschland geführt. Haben Sie in letzter Zeit eine Schwarze Frau in einer Führungsposition gesehen, zum Beispiel eine schwarze Firmenchefin eines DAX-Unternehmens? Eine schwarze Politikerin in der Führungsriege? Eine schwarze Frau als Vorstandsmitglied einer internationalen NGO? Das ist kein Zufall, denn wir werden hinter geschlossenen Türen versteckt.

Als eine junge gebildete schwarze Frau scheint Frau drei Möglichkeiten zu haben: Frau bleibt und arbeitet entweder in einer Position, für die sie überqualifiziert ist oder Frau geht und arbeitet in einem Land, in dem die Bedingungen für schwarze Menschen im Allgemeinen besser sind. Als dritte und letzte Option bleibt der Widerstand, das Einstehen für eine politische Repräsentation und die Veränderung der Situation.

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Frau könnte diesen Kampf auf den deutschen Kontext begrenzen, aber wir: Lioba Hirsch, Miriam Ajayi, Madina Mohamed und Jamie Schearer, fragten uns, warum wir uns auf den deutschen Kontext beschränken sollten, wenn wir in einer mehr und mehr globalisierten Welt leben, die unsere Lebensrealitäten formt. So entschieden wir uns, uns mit anderen schwarzen Aktivist_innen zusammenzuschließen und organisierten aus diesem Grund das Netzwerktreffen für People of African Descent & Black Europeans vom 13. – 16. Februar 2014 in Berlin. Wir glauben, dass ein Netzwerk hilfreich ist, um uns marginalisierte Communities zu ermächtigen und eine Veränderung europaweit einzufordern. Deshalb hatten wir im Vorfeld alle Teilnehmer_innen von Schwarzen Interessengruppen gefragt, fünf Forderungen zu formulieren, die Schwarze Communities in ihrem Land ermächtigen würden und aus diesen hervorgingen.

Die Forderungen galten während des Netzwerktreffens in den Arbeitsgruppen als Arbeitsgrundlagen. Die Gruppen wurden eingeteilt, um in fünf unterschiedlichen Kategorien zu arbeiten: Asyl, Arbeit, Justiz und politische und institutionelle Bildung. Die Ergebnisse wurden in einem Forderungskatalog zusammengefasst und vor den Europawahlen im Mai 2014 an die Fraktionsspitzen des europäischen Parlament geschickt. Auf der Grundlage dieses Katalogs wurden ebenfalls Fragen formuliert, die zur Beantwortung an die europäischen Parteien geschickt wurden. Die Antworten werden uns die Schritte zeigen, die von den Parteien im europäischen Parlament geplant sind, um die Probleme Schwarzer Menschen in Europa in Angriff zu nehmen.

Warum wir Ihnen das erzählen? Wir sind der Meinung, dass es wichtig ist, an dem Erbe schwarzer Menschen in Europa zu arbeiten, um die afrikanische Diaspora sichtbar zu machen und für Anerkennung aufzustehen. Die Geschichte schwarzer Menschen in Europa lässt sich mehrere hundert Jahre zurückverfolgen und unser Ziel ist es, die inakzeptablen Bedingungen, mit denen wir noch heute konfrontiert werden und in denen wir leben, zu verändern und zu bekämpfen.

Wir, schwarze Frauen, sind Teil dieser Veränderung. Wir können Anführerinnen, Sprecherinnen, Lobbyistinnen unserer selbst-definierten und selbst-erkämpften Veränderung sein. Kürzlich habe ich dieses inspirierende Zitat gelesen:

„Die Schwarze Frau ist die unbeschützteste, ungeliebteste Frau auf der Welt… Sie ist die einzige Blume dieser Welt, die unbewässert wächst.“

Wir mögen unbewässert wachsen, doch wir wachsen schnell.

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