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Arbeiter (Symbolfoto) © 123rf.com

Fachkräftemangel

Anwerbung im Ausland: Worauf Betriebe achten müssen

Unternehmen prüfen vor dem Kauf einer neuen Maschine zahllose Details. Vermutlich noch wichtiger sind jedoch Fachkräfte im Betrieb. Die werden in Deutschland aber knapp. Die Anwerbung im Ausland gewinnt zunehmend an Bedeutung.

Mittwoch, 30.09.2026, 0:14 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 01.10.2026, 12:23 Uhr Lesedauer: 6 Minuten  |  

Wer für einen Betrieb eine neue Fräsmaschine anschafft, überlässt wenig dem Zufall. Wie groß darf das Werkstück sein? Welche Leistung bringt der Motor? Wie präzise arbeitet die Maschine? Welche Materialien lassen sich bearbeiten? Wie zuverlässig ist sie, welche Software verwendet sie und wie sieht es mit Wartung und Ersatzteilen aus?

Die Liste ließe sich lange fortsetzen. Schließlich kann eine solche Investition einen Betrieb über viele Jahre begleiten und darüber entscheiden, wie schnell, präzise und wirtschaftlich produziert werden kann. Doch selbst die modernste Maschine hat einen entscheidenden Schwachpunkt: Sie braucht Menschen, die mit ihr umgehen können. Und genau daran mangelt es zunehmend.

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Fachkräfte bleiben gesucht

Die schwache Konjunktur hat den Druck auf dem deutschen Arbeitsmarkt zuletzt etwas verringert. Von einem Fachkräftemangel in allen Bereichen kann keine Rede sein. Dennoch weist die Bundesagentur für Arbeit für 2025 noch immer 157 Berufsgattungen mit einem Fachkräfteengpass aus. Jede zweite der bei der Behörde gemeldeten Stellen für qualifizierte Beschäftigte entfiel auf einen solchen Engpassberuf.

Auch die Unternehmen selbst berichten weiterhin von Schwierigkeiten. In einer Befragung der Deutschen Industrie- und Handelskammer unter knapp 22.000 Betrieben gaben 36 Prozent an, offene Stellen zumindest teilweise nicht besetzen zu können, weil ihnen passende Arbeits- oder Fachkräfte fehlen. Besonders häufig gesucht werden Menschen mit einer beruflichen Ausbildung.

Das Problem dürfte sich mit dem demografischen Wandel verschärfen. Nach Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung wird knapp ein Viertel der annähernd 35 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten innerhalb der kommenden zehn bis zwölf Jahre das Rentenalter erreichen. Vielerorts rücken nicht genügend jüngere Menschen nach.

Für Betriebe stellt sich deshalb immer häufiger eine Frage, die mindestens so wichtig ist wie die Entscheidung für eine neue Maschine: Woher kommen die Menschen, die künftig damit arbeiten?

Ohne Zuwanderung würde die Zahl der Fachkräfte bereits sinken

Eine Antwort darauf kommt zunehmend aus dem Ausland. Wie groß die Bedeutung ausländischer Beschäftigter bereits ist, zeigen die Zahlen. Auf dem sogenannten Fachkraftniveau waren 2015 noch rund 16,9 Millionen deutsche und 1,4 Millionen ausländische Beschäftigte tätig. Bis 2024 sank die Zahl der deutschen Beschäftigten auf etwa 16,3 Millionen. Die Zahl ausländischer Fachkräfte stieg dagegen auf rund 2,5 Millionen.

Der gesamte Beschäftigungszuwachs von gut 600.000 Menschen auf diesem Qualifikationsniveau ging damit innerhalb dieses Zeitraums auf Beschäftigte mit ausländischer Staatsangehörigkeit zurück. Ohne sie wären die Beschäftigtenzahlen bei Fachkräften bereits gesunken.

Die Entwicklung setzt sich fort. Nach offiziellen Angaben wird das Beschäftigungswachstum seit 2024 ausschließlich von ausländischen Beschäftigten getragen. Zwischen 2014 und 2024 schrumpfte zugleich die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter mit deutscher Staatsangehörigkeit um rund 3,9 Millionen Menschen.

Ausländische Beschäftigte sind damit längst keine Randerscheinung des deutschen Arbeitsmarktes mehr. Auch in der Industrie gehören sie zum Alltag. Im produzierenden Gewerbe hatten 2025 rund 3,4 Millionen von insgesamt etwa elf Millionen Erwerbstätigen einen Migrationshintergrund.

Unternehmen suchen zunehmend im Ausland

Für Arbeitgeber wird deshalb die internationale Rekrutierung interessanter. Im Juni 2025 arbeiteten nach Angaben der Bundesagentur rund 420.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte mit einer Aufenthalts- oder Niederlassungserlaubnis aufgrund ihrer Erwerbstätigkeit in Deutschland. Fünf Jahre zuvor waren es etwas mehr als 200.000.

2025 erteilte die Bundesagentur zudem rund 521.000 Arbeitsmarktzulassungen für ausländische Staatsangehörige. Mehr als drei Viertel davon entfielen auf angestrebte Beschäftigungen im Rahmen der Erwerbs- und Fachkräfteeinwanderung.

Damit verändert sich auch die Personalsuche. Neben Ausbildung, Berufserfahrung und persönlichen Fähigkeiten müssen Betriebe bei Bewerberinnen und Bewerbern aus dem Ausland beispielsweise klären:

  • Welche berufliche Ausbildung wurde absolviert?
  • Welche praktische Erfahrung ist bereits vorhanden?
  • Mit welchen Maschinen, Verfahren oder Programmen wurde gearbeitet?
  • Ist eine formale Anerkennung des Berufsabschlusses erforderlich oder sinnvoll?
  • Welche Kenntnisse können unmittelbar eingesetzt werden?
  • Wo sind Einarbeitung oder zusätzliche Qualifizierungen nötig?

Eine ausländische Ausbildung muss dabei keineswegs bedeuten, dass jemand bei null anfängt. Im Gegenteil: Internationale Fachkräfte können jahrelange Berufserfahrung und Kenntnisse mitbringen, die ein Betrieb dringend benötigt. Für Unternehmen besteht die Herausforderung darin, diese Fähigkeiten richtig einzuschätzen.

Die CNC-Fräsmaschine zeigt, worauf es ankommt

Wie wichtig das sein kann, zeigt das Beispiel einer CNC-Fräsmaschine. Beim Kauf achten Unternehmen unter anderem auf Verfahrwege, Motorleistung, Präzision, Software und Werkzeugaufnahmen. Doch anschließend muss jemand die Maschine bedienen, einrichten und gegebenenfalls programmieren können.

Einer der häufigsten Tipps für den Kauf einer Fräsmaschine ist zudem die Bestimmung ihrer Tragfähigkeit und Tischgröße. Beispielsweise bietet eine Maschine mit einer größeren Tischgröße oft mehr Flexibilität bei der Bearbeitung größerer Bauteile oder mehrerer Teile.

Schon an dieser oberflächlichen Beschreibung wird deutlich, welche Rolle Qualifikation und Erfahrung der Menschen, die die Maschinen bedienen, spielen. Eine Fachkraft, die bereits jahrelang an Fräsmaschinen gearbeitet hat, bringt dafür wichtige Voraussetzungen mit. Dennoch können sich die Maschinen und Arbeitsabläufe unterscheiden. Vielleicht wurde im Herkunftsland mit einer anderen Steuerung gearbeitet. Vielleicht ist die Software neu. Sicherheitsvorschriften, technische Bezeichnungen oder betriebliche Abläufe können ebenfalls anders sein.

Dann ist nicht eine komplett neue Berufsausbildung notwendig, sondern möglicherweise eine gezielte Einarbeitung. Betriebe sollten deshalb nicht nur fragen, ob jemand eine bestimmte Qualifikation besitzt, sondern genauer hinsehen:

  • Welche Maschinen kennt die Fachkraft bereits?
  • Welche Steuerungen und Programme hat sie verwendet?
  • Welche Werkstoffe hat sie bearbeitet?
  • Welche Arbeitsschritte beherrscht sie selbstständig?
  • Welche zusätzlichen Schulungen braucht sie für die konkrete Maschine im Betrieb?

Treffen einzelne Punkte nicht zu, stellt sich die nächste Frage: Kann ich die Fachkraft fortbilden? Gerade bei moderner Technik gehört Weiterbildung ohnehin zum Berufsleben. Auch eine in Deutschland ausgebildete Fachkraft muss sich einarbeiten, wenn ein Unternehmen auf eine neue Maschinensteuerung oder ein anderes System umstellt.

Anerkennung ist nicht gleich Können

Ausländische Berufsabschlüsse können von zuständigen Stellen mit einer entsprechenden deutschen Ausbildung verglichen werden. Eine solche Anerkennung hilft Unternehmen dabei, die formale Qualifikation einer Fachkraft einzuschätzen. Ob sie zwingend erforderlich ist, hängt allerdings unter anderem vom Beruf und vom gewählten Weg der Einwanderung ab.

Wird festgestellt, dass wesentliche Unterschiede zur deutschen Ausbildung bestehen, können diese zudem durch gezielte Weiterbildungen ausgeglichen werden. Unter bestimmten Voraussetzungen können Fachkräfte auch nach Deutschland kommen, um eine solche Anpassungsqualifizierung hier zu absolvieren.

Die formale Anerkennung beantwortet jedoch nicht jede Frage. Ein Zeugnis sagt ebenso wenig alles über einen Menschen aus, wie das Datenblatt einer Maschine alles darüber verrät, wie sie sich im betrieblichen Alltag bewährt.

Berufserfahrung, praktische Fähigkeiten und Lernbereitschaft spielen ebenso eine Rolle.

Wer im Ausland sucht, muss auch in Integration investieren

Internationale Rekrutierung endet deshalb nicht mit einem unterschriebenen Arbeitsvertrag. Wer eine Fachkraft aus dem Ausland gewinnt, muss Bedingungen schaffen, unter denen sie ihre Fähigkeiten tatsächlich einsetzen kann.

Dazu können gehören:

  • eine strukturierte fachliche Einarbeitung,
  • notwendige Weiterbildungen und Maschinenschulungen,
  • Unterstützung beim Erlernen der Fachsprache,
  • feste Ansprechpersonen im Betrieb,
  • Hilfe bei organisatorischen Fragen nach der Ankunft und
  • eine Unternehmenskultur, in der neue Beschäftigte tatsächlich Teil des Teams werden.

Das kostet Zeit und Geld. Doch auch Maschinen werden nicht einfach bestellt, in die Werkhalle gestellt und sich selbst überlassen. Sie werden installiert, eingerichtet, getestet und gewartet. Beschäftigte verdienen mindestens ebenso viel Aufmerksamkeit.

Für deutsche Unternehmen dürfte diese Erkenntnis noch wichtiger werden. Der demografische Wandel lässt sich nicht durch eine einzelne Maßnahme auffangen. Ausbildung, Weiterbildung, eine höhere Erwerbsbeteiligung und Automatisierung gehören ebenso dazu wie Zuwanderung.

Die Rechnung ist am Ende vergleichsweise einfach: Ein Unternehmen kann die beste Fräsmaschine auf dem Markt kaufen. Produktiv wird sie erst, wenn jemand davorsteht, der weiß, was er damit tun kann. (bg) Wirtschaft

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