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MiGAZIN Kolumnist Sven Bensmann © privat, Zeichnung MiG

Nebenan

Not in my backyard

Zwischen Ukraine-Gerüchten, AfD-Rauschen und ESC-Frust sucht diese Kolumne Zuflucht im Wald. Dort riecht es aber nicht nach Frühling, sondern nach Bubatz – ein Plädoyer für öffentliche Rücksicht.

Von Montag, 18.05.2026, 10:12 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 18.05.2026, 8:15 Uhr Lesedauer: 5 Minuten  |  

Tag 30 meiner Nachrichten-Diät. Oder Tag 20. Oder ist es schon Tag 40? Ich zähle nicht mit – warum auch? Spielt ja keine Rolle. Denn es spielt scheinbar eh alles keine Rolle mehr.

So ist es mittlerweile wohl sicher, hörte ich die Spatzen von den Bäumen pfeifen, dass die Ukraine bis hoch zum Präsidenten in gegen die Bundesrepublik gerichteten Staatsterrorismus verwickelt ist, dass politisch höchste Kreise dieser Bundesrepublik davon wissen und dennoch stets behaupteten, die Täter säßen in Wirklichkeit in Russland. Wenn wir in einer so wesentlichen Sache wie dem Kriegseintritt im Ukrainekonflikt belogen werden, wo werden wir wohl noch belogen?

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Zahlt nicht eigentlich auch das am Ende nur wieder auf das Konto der AfD ein, die uns – wegen handfester, eigener finanzieller Interessen, Korruption Knick Knack – aus diesem Krieg heraushalten wollte und schon damals laut Zweifel an der nun als Lüge entlarvten Propagandabehauptung äußerte, Russland habe seine eigene Pipeline gesprengt?

Was ist mit den Wa(h)len? Ist es eigentlich gut oder schlecht für die rechten Populisten, dass ihre bejubelten Tierretter den Ostsee-Wal still und heimlich im Meer verklappt haben, so dass dieser mittlerweile tot am nächsten Strand angespült wurde?

„Und warum muss überhaupt immer alles durch die Brille der AfD betrachtet werden?“

Und warum muss überhaupt immer alles durch die Brille der AfD betrachtet werden?

Wie dem auch sei: da ich außer dem – und jenem wieder einmal triumphalen deutschen Auftritt bei diesem ESC, zu dem all jene Staaten mit einem Rest Anstand lieber zuhause geblieben sind – halt nicht viel mitbekommen habe, sollte ich mich mit einer Einordnung wohl besser zurückhalten.

Soviel ist aber klar: Die da oben belügen uns! Alle um uns herum hassen uns! Und die anderen wollen nur hierherkommen, um uns zu vernichten! – Was man halt so faselt, wenn man keine Ahnung hat.

„Spargel. Dieser Fetisch deutschtümelnder Landküche, gestochen auf den Gräbern ausgebeuteter Ausländer.“

Reden wir trotzdem mal Klartext. Über etwas, von dem ich mir zuletzt ein ausreichend diffiziles Bild machen konnte. Reden wir über etwas, das uns alle angeht. Reden wir über Spargel. Spargel? Dieser Fetisch deutschtümelnder Landküche, gestochen auf den Gräbern jener ausgebeuteten Ausländer, die Alexander Dobrindt nicht mehr im Land haben will und von deren anständiger Arbeitsmoral – 30 Stunden am Tag, 10 Tage die Woche für einen Lohn, gegen den selbst mittelalterliche Sklaverei wie Luxus wirkt – Friedrich Merz mal mindestens halbsteif wird?

Ich reg mich schon wieder auf. Genau deshalb lass ich das doch mit den Nachrichten und Zeitungen und Podcasts und so weiter. Mentale Gesundheit und bla. Da geh ich doch lieber raus, ins Grüne.

So stand ich letzte Woche dort, am Waldrand, direkt neben einem blühend-gelben Rapsfeld und genoss die Sonnenstrahlen, die durch den tiefblauen Himmel auf die Blüten prallten; und alles, was ich riechen konnte, war derselbe muffige Gestank, der auch beinahe täglich durch die Wohnungstür des Nachbarn ins Treppenhaus diffundiert. Selbstverständlich habe ich es nicht nötig, dadurch cool zu wirken, hier entsprechende Slang-Termini herunterrattern zu können; da sich Gras in der Folge dieses Textes womöglich aber als unnötig ambivalent erweisen könnte, spreche ich im Folgenden einfach vom in der Legalisierungsdebatte präsenten „Bubatz“.

Ich weiß nicht, wie es im Rest Deutschlands ist, aber wenn ich zuletzt an der sogenannten „frischen Luft“ war, lag stets ein penetranter Gestank von Bubatz in der Luft. Kein Wald, keine blühende Wiese, kein Rapsfeld, nicht einmal frisch gemähtes Gras – eine wabdernde Wolke dieser zuletzt legalisierten Droge überwucherte einfach alles. Dabei ist der Frühling doch eigentlich die für seine besonders kräftigen Düfte bekannte Zeit des Jahres. Ich fühle mich um meinen Frühling betrogen!

Und ich muss zugeben – auch wenn ich schon allein Aufgrund der Scheinheiligkeit des Bubatz-Verbots im Angesicht der Legalität von Nikotin und Alkohol eigentlich eine Legalisierung befürwortet habe – dass Menschen nun ebendiesen legalen Bubatz auch tatsächlich und unverschämt konsumieren, überall und jederzeit, das lässt mich meine Position durchaus überdenken: Die Welt war ein bisschen bunter, schöner, als die Menschen diese Droge ihrer Wahl noch verschämt und heimlich in der eigenen Wohnung konsumiert haben. Klar, auch das stank vor sich hin und zuhause konnte man dem nicht immer entfliehen – aber immerhin war man in der Öffentlichkeit weitgehend sicher.

Und es war früher natürlich nicht alles besser – aber das. war. gut.

„Wenn ich durch die Natur wandere, dann will ich gottverdammt nochmal auch genau diese Natur riechen.“

Vielleicht wäre es daher doch angebracht, zum Verbot zurückzukehren. Oder könnten wir uns vielleicht zumindest auf ein Verbot von Bubatz in der Öffentlichkeit einigen? Selbstverständlich geböte die Fairness, dass auch der Konsum von Alkohol, Zigaretten und, nicht zu vergessen, dieser neumodischen batteriebetriebenen Freudenspender mit aromatisiertem Einhornsperma, aus der Öffentlichkeit verschwänden. Von mir aus sollen Kiffer, Trinker und Raucher ja in den eigenen vier Wänden tun, was sie wollen, das will ich ihnen durchaus zugestehen – aber wenn ich durch die Natur wandere, dann will ich gottverdammt nochmal auch genau diese Natur riechen. Das hat auch nichts mit nimby-ismus – es ist einfach eine penetrante, permanente Geruchsbelästigung, vor der eine Flucht möglich sein muss. Es ist nämlich das Mindeste, Fluchträume zu schaffen, bevor man Fluchtursachen bekämpfen kann.

Ich schätze, was ich damit sagen will ist: Ganz genau, Kevin. Du stinkst. Und es ist nicht nur dein Recht, eine Faust zu schwingen, dass genau da endet, wo meine Nase beginnt. (mig) Meinung

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