MiGAZIN

Migration und Integration in Deutschland

Das Schlimmste ist ein fußballspielender, ministrierender Senegalese. Der ist drei Jahre hier – als Wirtschaftsflüchtling. Den kriegen wir nie wieder los

Andreas Scheuer, CSU-Generalsekretär, PresseClub Regensburg, 15.9.2016

Wolfgang Schäuble

„Wir haben mit Türken ein besonderes Integrationsproblem.“

Mit dem Thema „Diversität gestalten – Globale und lokale Impulse für erfolgreiche Integration“ beschäftigte sich am gestrigen Tag in Berlin eine internationale Tagung des Bundesministeriums des Innern und der Bertelsmann Stiftung.

DATUM19. Juni 2009

KOMMENTARE99

RESSORTPolitik

SCHLAGWÖRTER , , , ,

DRUCKENAnsicht

MEHR ZUM ARTIKEL

DANKE,
ich möchte MiGAZIN auch in Zukunft lesen!

Integrationsprozess in den Kommunen
Im Mittelpunkt stand die Rolle der Kommunen im Integrationsprozess. „Die persönlichen Netzwerke, die unsere Gesellschaft tragen, bilden sich am stärksten in unseren Städten und Gemeinden. Dabei sind die in Deutschland traditionell starken Kommunen unser großes Plus in der Integrationspolitik – auch im internationalen Vergleich. Hier wird seit Jahren hervorragende Arbeit geleistet“, so der für Integration zuständige Bundesinnenminister Dr. Wolfgang Schäuble.

Unter dem Motto „Erfolgreiche Integration ist kein Zufall. Strategien kommunaler Integrationspolitik“ haben das Bundesministerium des Innern und die Bertelsmann Stiftung bereits im Jahr 2005 in einem gemeinsamen Wettbewerb die Frage gestellt, wie den Kommunen die Integration gelingt. Vier Kommunen wurden für ihre überzeugenden Ansätze und Konzepte ausgezeichnet. Mit der Tagung am 18. Juni 2009 wurde an den Wettbewerb angeknüpft. Die damaligen Preisträger und Jurymitglieder werden der Frage nachgehen, wie sich ihre Strategien zur kommunalen Integrationspolitik weiterentwickelt haben.

Integrationsproblem mit den Türken
Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble hob – einer Meldung in der türkischen Tageszeitung „Sabah“ zufolge – auch hervor, dass die Türken in Deutschland am meisten Integrationsprobleme haben: „Wir haben mit Türken ein besonderes Integrationsproblem.“ Er fügte hinzu: „Wir haben die Türken aus Anatolien hierher gebracht. Erst wollten sie nur Geld verdienen, mit der Zeit haben sie Familien gegründet und sind hier geblieben.“

Insbesondere türkische Frauen hätten ein Integrationsproblem. In Bezug auf den Spracherwerb seien Fortschritte erzielt worden. Der Familiennachzug sei an Kenntnisse der deutschen Sprache geknüpft worden. Damit habe man deutlich gemacht, dass der Spracherwerb Pflicht ist. Das Signal sei angekommen und angenommen, so in der „Sabah“.

Laut Schäuble sei die Integration trotz aller Schwierigkeiten „auf gutem Wege“. Dabei erwähnte er beispielsweise, dass immer mehr Familien ihre Kinder zu katholischen oder protestantischen Kindergärten schicken und Moscheen in Deutschland beim größten Teil der Bevölkerung Akzeptanz erfahren würden.

Faire Bildungschancen
Den Fokus auf die Bedeutung der Bildung im Integrationsprozess legte Dr. Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung: „Erfolgreiche Integrationspolitik ist eine der zentralen Herausforderungen für die Kommunen… Ohne faire Bildungschancen kann Integration nicht gelingen. Gerade gute frühkindliche Bildung und die Kooperation von Schulen mit kommunalen Partnern sind Erfolgsfaktoren für Integration. So eröffnen sich Chancen für jeden einzelnen, aber auch für die Entwicklung der Kommunen“.

Transatlantischer Austausch
Da der Umgang mit Vielfalt zunehmend auch eine internationale Dimension aufweist, stand neben den lokalen Initiativen der transatlantische Austausch im Vordergrund. Experten aus den USA, Kanada, Großbritannien und Italien berichteten über ihre Erfahrungen im Umgang mit Vielfalt.

„Wir können uns in Zeiten der zunehmenden grenzüberschreitenden Mobilität und der weltweiten medialen Vernetzung nicht mehr darauf beschränken, Herausforderungen national lösen zu wollen. Unilaterale Entscheidungen bringen uns häufig nicht mehr weit. Gerade transatlantische Impulse sind eine Bereichung für unsere nationalen und europäischen Ansätze zur Integration von Zuwanderern“, erklärt Bundesminister Schäuble.

Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:

99 Kommentare
Diskutieren Sie mit!»

  1. Synapse sagt:

    „Wir haben die Türken aus Anatolien hierher gebracht“. Eine Steilvorlage für die MIGAZIN’ler. Wahrheit ist, daß die Türken sich anwerben ließen, weil sie hier gutes Geld verdienen konnten. Wahrheit ist auch, daß der türkische Staat Druck machte, damit der eigene Arbeitsmarkt entlastet wurde und später, damit die Familien nachziehen konnten, und dabei auf seinen Status als NATO-Partner pochte:
    „Im Dezember 1960 wurde die türkische Regierung offiziell beim Auswärtigen Amt vorstellig. Es ist nicht untypisch, daß die türkische Regierung ihrem Wunsch durch den Hinweis auf deutsche Wirtschafts- und militärpolitische Interessen Nachdruck verlieh. Der Botschaftsvertreter wies darauf hin, daß „die türkische Regierung es als eine Zurücksetzung betrachten müsse, wenn sie trotz ihres lebhaften Wirtschaftsaustausches mit der Bundesrepublik und trotz ihrer Mitgliedschaft in der NATO hinter anderen, praktisch ebenso weit entfernten Staaten wie Griechenland zurückgesetzt würde.“ Die Türkei war sich sehr wohl ihrer guten Beziehungen zur Bundesrepublik und ihrer entscheidenden strategischen Bedeutung für die NATO bewußt und war gewillt, dies auszuspielen.“
    (Karen Schönwälder, „Einwanderung und ethnische Pluralität“ (2002), S. 251-252)
    Also, liebe MIGAZIN’ler: bitte nicht „die Deutschen haben uns versklavt“. Versklavt wurden die Schwarzen in Amerika. Wenn die Amis jetzt einen Dunkelhäutigen zum Präsidentgen wählen, ist das ihr Bier. Daraus kann man keinen Anspruch ableiten, daß Deutschland einen türkischstämmigen Bundeskanzler benötigt.

  2. Bill sagt:

    Wenn Herr Schäuble transatlantische Impulse bei der Integration begrüßt, soll er seine ablehnende Haltung gegenüber der doppelten Staatsbürgerschaft aufgeben, wie es alle englischsprachige Länder schon längst getan haben.

  3. Susi sagt:

    [QUOTE]Dabei erwähnte er beispielsweise, dass immer mehr Familien ihre Kinder zu katholischen oder protestantischen Kindergärten schicken[/QUOTE]

    Ja genau, und wenn sie dann da sind, verlangen sie, daß die Kreuze abgehängt werden, die katholischen Nonnen auf ihre Tracht (immerhin Berufsbekleidung) verzichten, christliche Feiertage wie z.B. Ostern und Weihnachten nicht mehr mit den Kindern begangen werden und Schweinefleisch vom Speiseplan verschwindet. Irgendwie müßte doch Integration umgekehrt ablaufen, oder?

  4. G.Keldermann sagt:

    “Wir haben mit Türken ein besonderes Integrationsproblem.”

    Der Mann hat recht.

    Aber ich würde es einschränken auf „mit einem nicht kleinen Teil der türkischen Bevölkerung“.

    Das muß KLAR ausgesprochen (werden dürfen) und die Gründe sind zu analysieren und zu BENENNEN.

    Nur SO wird Veränderung möglich.

    Und, wem dieses Lamd und seine „Spielregeln“ nicht gefallen, sollte es verlassen.

    ICH würde das tun, wenn es so wäre.

  5. Ekrem Senol sagt:

    Die MiGAZIN-Redaktion hat lediglich das wiedergegeben, was Herr Schäuble laut der türkischen Tageszeitung Sabah auf der Tagung gesagt haben soll. Weder gibt der Artikel irgendeine Meinung der MiGAZIN-Redaktion wieder, noch wird ein türkischer Bundeskanzler gefordert. Was bewegt Sie zu diesem Kommentar?

  6. Synapse sagt:

    In der Regel folgt aus einem das andere. Hat doch Cem Özdemir nach seiner Wahl zum Vorsitzenden der Grünen davon gesprochen, daß ohne seine Eltern Deutschland nicht das wäre, was es heute ist (was zu beweisen wäre, der Krieg war 1945 zu Ende, 1961 wurde das Anwerbeabkommen mit der Türkei geschlossen). Und zig türkischstämmige Kolumnisten, etwa bei der „Frankfurter Rundschau“, haben Özdemir mit Obama verglichen und (aufdringlich fordernd) davon gesprochen, daß die Zeit reif wäre für einen türkischstämmigen Bundeskanzler (hmm – wieso nicht für einen griechischstämmigen, oder italienischstämmigen, oder ein Aussiedlerkind?). Ich finde es auch sehr bezeichnend, daß das MIGAZIN aus einer türkischen Zeitung zitiert und nicht aus einer deutschen…

  7. Ekrem Senol sagt:

    wieso nicht für einen griechischstämmigen, oder italienischstämmigen, oder ein Aussiedlerkind?

    Özdemir steht meines Erachtens stellvertretend für Menschen mit Migrationshintergrund.

    Ich finde es auch sehr bezeichnend, daß das MIGAZIN aus einer türkischen Zeitung zitiert und nicht aus einer deutschen…

    Die Redaktion hat selbstverständlich geschaut, ob es weitere Informationen diesbezüglich gibt. Auch in den deutschen Zeitungen. Nach bisherigem Kenntnisstand der Redaktion hat aber keine deutsche Zeitung die Worte Schäubles aufgegriffen.

    Ziel von MiGAZIN ist es, auch Themen anzusprechen, die im Mainstream nicht vorkommen oder nicht ausreichend berücksichtigt werden bzw. Themen aus einer anderen Perspektive aufzuzeigen. Wenn Integration ein beidseitiger Prozess ist, müssen auch solche Themen den Zugang zu deutschsprachigen Lesern finden. So bekommt auch die Mehrheitsgesellschaft eine Vorstellung davon, womit sich Migranten beschäftigen, was deren Sorgen sind, was sie antreibt etc. MiGAZIN versucht in diesem Sinne ein Lücke zu füllen und füreinander zu sensibilisieren. Meine Empfehlung: MiGPRESS.

    Ich kann Ihre Skepsis einem Medium wie MiGAZIN gegenüber nachvollziehen. MiGAZIN ist anders. MiGAZIN zitiert auch mal aus türkischen Tageszeitungen weil keine deutssprachige Presse darüber berichtet. Ungewöhnlich.

    Sie haben nun die Möglichkeit, Ihre Skepsis zu hinterfragen. Dafür ist MiGAZIN da.

  8. Hans sagt:

    Die beste Integration ist die Assimilation. Klar, daß die Türken das nicht wollen. Die Deutschen wollen allerdings nicht türkisiert werden. Die Forderung des türkrischen Außenministers nach türkischen Schulen in Deutschland ist selbsterklärend. Da dürfte dem dümmsten Politiker klar werden, daß hier eine rote Linie überschritten wurde.

    Ohnehin wandern jetzt schon weniger Türken ein als aus. Die Zahl der Einbürgerungen machte den Rückgang der türkischen Bevölkerung nicht wett. Auf Deutsch: die Türken werden weniger in Deutschland, trotz hoher Geburtenrate.

    Im Interesse aller Beteiligten sollte die Einwanderung von Türken komplett gestoppt werden. Das würde das Integrationsproblem in 10-20 Jahren lösen. Die ärgsten Integrationsverweigerer würden einsehen, daß sie hier nie eine türkische Kolonie errichten können. Sie würden entweder ausreisen, oder die anderen Türken bei der Assimilierung nicht mehr stören. Zusätzlich könnte man mit Rückmigrationsprogrammen arbeiten. Es wäre zu erwarten, daß zusätzlich zu den 30.000 türkischen Auswanderen von heute weitere 20.000 pro Jahr in die Heimat zögen.

    Es wäre für alle Beteiligten das Beste. Die Türkei ist auch ein schönes Land. Wir könnten in Frieden nebeneinander leben, und uns im Sommer im Urlaub besuchen. Ein Austausch auf Wirtschaftsebene und unter Studenten wäre jederzeit wünschenswert, ganz im Gegensatz zu der Massenmigration in Parallelgesellschaften.

    Nichts für ungut. Ich bin gespannt, ob der Kommentar erscheint.

  9. Boli sagt:

    Das mit dem Kreuz stimmt leider! Ein Kumpel von mir hat es selbst vor 1-2 Monaten erlebt. Bei einer Elternbesprechung hat sich ein türkischer Elternteil bärischst über ein Kreuz an der Wand aufgeregt. Der war in dem Moment kaum zu beruhigen. Die Kindergartenleiterin war schon kurz davor nach zu geben. Mein Kumpel und später sogar andere offensichtlich türkische Freunde von ihm haben ihn aber dann wieder zurechtgestutzt und auf verträgliches Maß gebracht. Es ist mir nicht bekannt, das muslimische Kinder in solch einem Kindergarten christlich beten müssen, Schweinefleisch aufgetischt bekommen und ähnliches. Da hängt nur ein Kreuz an der Wand.
    Also wenn mir der Typ unter die Augen gekommen wäre hätte ich ihm schon beigebracht, das ich manchmal genau die gleichen Gefühlsregungen wie er beim Kreuz habe, wenn mir auf der Straße muslimische Kopftücher über den Weg laufen. Und jetzt?
    In Frankreich sind schon Muslime in Krankenhäusern her gegangen und haben das Kreuz einfach mal von der Wand genommen und in den Mülleimer gehauen. Soll ich jetzt draußen rumlaufen und Muslimaschreck spielen?
    Wie schon gesagt. Nicht einmal die Türken sind sich in dieser Frage einig.

  10. Umut sagt:

    Ich habe auch ein Integrationsproblem mit Herrn Schäuble. Die Migranten fühlen sich immer mehr unter Druck gesetzt durch die Aussagen und Gesetze der Bundesregierung !


Seite 1/1012345»...Letzte Seite

Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...