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MiGAZIN Kolumnist Sven Bensmann © privat, Zeichnung MiG

Nebenan

Ungelernte Arbeitsmigration

Die Simpsons liefern das passende Bild: Friedrich Merz als Burns, Carsten Linnemann als treuer Smithers. Der viel beschworene Fachkräftemangel hat offenbar auch die Union erreicht.

Von Montag, 27.07.2026, 14:12 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 27.07.2026, 9:35 Uhr Lesedauer: 4 Minuten  |  

Diese mittlerweile als Mem etablierte Anspielung auf den menschenverachtenden Kernkraftwerksbesitzer C. Montgomery Burns aus der Animationsserie „Die Simpsons“, der ja durchaus auch äußerlich einer gewissen Ähnlichkeit mit Friedrich Merz nicht entbehrt, und seinen stets ein bisschen zu unterwürfigen Diener Waylon Smithers scheint dieser Tage wahrer denn je.

Denn als Jens ‚Maskengott‘ Spahn tief in sich gegangen war, sein konservativ-christliches Seelenleben erforscht hatte, um dann zu dem Ergebnis zu kommen, „Also für mich ist das schon OK, aber für alle anderen gefällt mir das so gar nicht“, und entsprechend entschied, sich in den USA einen Uterus zu mieten, um in Deutschland darauf zu beharren, das genau das in Deutschland verboten bleibt, war er zwar dem konservativen Lebensmotto „Freedom for me, but not for thee“ („Freiheit für mich, aber nicht für dich“) treu geblieben, aber das vielleicht dann doch ein bisschen zu offensichtlich. Und damit musste er halt weg.

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Kurz stand ja im Raum, Alexander Dobrindt, der bairisch-bundesdeutsche Innenminister, der so sehr davon besessen ist, gut integrierte Menschen aus Berufen und Ausbildungen zu reißen, um sie ins Ausland zu remigrieren, dass er keine Zeit mehr für bekannte Straftäter hat, die einen Anschlag auf den CSD ausführen wollen, den Job übernimmt. Oder war es angesichts des Ziels vielleicht doch eher „benign neglect“ – wohlwollendes Wegschauen der Sicherheitsbehörden, für die der CSD, wie für Dobrindt und Merz auch, bloß „Zirkus“ ist?

„Eine Distanzierung vom Islamismus lassen Merz und Dobrindt jedenfalls gern vermissen, wenn es darum geht, mit der Taliban oder denen des IS in Syrien zu reden.“

Eine Distanzierung vom Islamismus, wie wir sie von Muslimen gern einfordern, lassen die beiden jedenfalls gern vermissen, wenn es darum geht, mit den Terroristen der Taliban in Afghanistan oder denen des IS in Syrien – und hierhin soll es den Attentäter des Wochenendes ja auch verschlagen haben – zu reden, damit man Bundeswehrmitarbeiter nach Afghanistan oder von ethnischer Ausrottung bedrohte YesidInnen nach Syrien abzuschieben.

Und dann begann in der Bundesregierung eine groß angelegte Arbeitsmigration, in der nicht zuletzt der Fachkräftemangel der CDU/CSU offenbar wurde. Nicht nur, dass der Kanzler nicht in der Lage war, diese eigentlich völlig unnötige Umbildung des Kabinetts – immerhin musste eigentlich nur der Fraktionsvorsitzende ersetzt werden – ordentlich zu orchestrieren, auch die Personalie Linnemann hat es in sich.

Während nun der neue Fraktions-Chef Frei erklärte, es sei halt „Pech“, dass der Austausch des Verkehrsministers kurzfristig wieder abgesagt werden musste, weil ja niemand ahnen konnte, dass es für einen abgesetzten Minister auch – möglichst zeitnah – einen Nachfolger geben sollte, hat Linnemann (der selbst zu Beginn der Legislatur noch verlautbaren hatte lassen, dass er im Gesundheitsministerium nichts zu suchen hat, weil er dafür vollkommen inkompetent sei) ebendieses Gesundheitsministerium übernommen. Dabei hat er nicht nur keine Erfahrung mit Gesundheit, sondern auch nicht mit der Leitung von Ministerien. Einzige Qualifikationen: Dieselbe Verachtung für alle Geringverdiener wie der Kanzler – und dessen Hoffnung auf die Nibelungentreue seines Smithers.

„Dass der Kanzler damit seinem Ziel näherkommt, den Wohlstand aller, die weniger reich sind, als er selbst, zu halbieren – ist möglich.“

Dass der Kanzler damit seinem Ziel näherkommt, den Wohlstand aller, die weniger reich sind, als er selbst, zu halbieren – ist möglich. Sicher nicht näher kommen wird er aber dem ausgegebenen Ziel, das Wählerpotenzial, die Umfrageergebnisse oder die Wahlergebnisse der AfD zu reduzieren. Ganz im Gegenteil: Kaum etwas ist den Menschen näher, als die eigene Gesundheit. Ein von Linnemann auf Privatisierung von Gewinnen und Sozialisierung von Lasten getrimmtes Gesundheitswesen wird den Frust in der Wählerschaft nur weiter erhöhen – und damit die AfD stärken.

So zeigt sich auch wieder einmal, dass der Fisch vom Kopfe her stinkt. Weil es aber in der Union niemanden mehr gibt, der über einen Funken Kompetenz oder auch nur Anstand verfügt, wird uns Friedrich Merz als Kanzler wohl noch eine ganze Weile erhalten bleiben: Die willfährige Mittäterschaft der SPD macht’s möglich.

Und der Wähler scheint es ja durchaus so gewollt zu haben: entweder das, oder die Erzählung des „mündigen Bürgers“ ist nur eine Lebenslüge, die uns jene erzählen, die von ihr profitieren. (mig) Meinung

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