
Warnung vor Generalverdacht
Muslime verurteilen Angriff auf Berliner CSD
Nach dem tödlichen Angriff in Berlin rufen muslimische Organisationen zu Besonnenheit auf. Sie verurteilen die Tat und mahnen, Muslime nicht pauschal verantwortlich zu machen.
Montag, 27.07.2026, 15:12 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 27.07.2026, 12:03 Uhr Lesedauer: 2 Minuten |
Islamische Religionsgemeinschaften haben den mutmaßlich von einem Islamisten verübten Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin verurteilt und zu Besonnenheit aufgerufen. „Wo Menschen aufgrund ihrer Identität oder ihrer Lebensweise zur Zielscheibe von Gewalt werden, werden die Grundwerte unseres Zusammenlebens angegriffen“, erklärte der Zentralrat der Muslime in Deutschland am Montag in Köln.
Sollte sich der Verdacht einer islamistischen Motivation des Täters bestätigen, „wäre dies ein weiterer Fall, in dem eine extremistische Ideologie religiöse Bezüge missbraucht, um Hass und Gewalt zu rechtfertigen sowie Menschen gegeneinander aufzubringen“.
Wer Religion instrumentalisiere, um Hass zu schüren oder Gewalt auszuüben, handle gegen die ethischen Grundsätze des Islams und missbrauche den Glauben für menschenverachtende Ziele, erklärte der Zentralrat. Niemand dürfe aufgrund seiner sexuellen Orientierung, Religion oder Herkunft das Ziel von Gewalt werden: „Unsere Antwort auf Hass und Gewalt muss der gemeinsame Einsatz für Menschenwürde, Freiheit, Sicherheit und ein friedliches Zusammenleben sein.“
Warnung vor pauschalen Schuldzuweisungen
Auch die Islamische Gemeinschaft Milli Görüs verurteilte den „abscheulichen“ Angriff. „Wer Menschen angreift, ermordet oder in Angst versetzt, handelt nicht im Namen des Islams, sondern folgt einer menschenverachtenden Wahnideologie“, erklärte Generalsekretär Ali Mete am Sonntagabend in Köln. „Er missbraucht Religion, um Hass und Gewalt zu rechtfertigen.“ Dafür dürfe es weder religiöse noch politische Entschuldigungen geben. Mete warnte zugleich vor Spekulationen oder pauschalen Schuldzuweisungen.
Die Sorge vor einem Generalverdacht gegen Muslime geht auch im Netz um. Während Muslime sich pauschalen Schuldzuweisungen ausgesetzt fühlen, instrumentalisieren rechtsextreme und rechtspopulistische Medien und Einzelpersonen den Anschlag. Sie führen den Anschlag auf eine verfehlte Einwanderungspolitik zurück und fordern neben Ausbürgerungen auch Abschiebungen von Menschen aus mehrheitlich muslimischen Ländern.
Ein 21-Jähriger, der als islamistischer Gefährder galt, war Ermittlungen zufolge am Wochenende während des Berliner CSD mit einem Transporter in eine Menschenmenge im Tiergarten gefahren. Anschließend soll er Menschen mit einer Stichwaffe angegriffen haben. Ein Mensch wurde bei dem Anschlag getötet, fast 30 wurden verletzt. (epd/mig) Aktuell Panorama
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