
Rassismus-Eklat in Zwickau
„Afrikaner raus“-Ruf überschattet Regionalligaspiel
Ein rassistischer Ruf aus dem Fanblock, eine Spielunterbrechung, ein zunächst unauffindbarer Täter: Nach dem Regionalligaspiel zwischen Zwickau und Erfurt steht nicht nur ein einzelner Zuschauer im Fokus, sondern auch die Frage, wie konsequent der Fußball auf Rassismus reagiert.
Dienstag, 05.05.2026, 14:37 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 05.05.2026, 14:37 Uhr Lesedauer: 4 Minuten |
Ein Foul, ein Ruf von der Tribüne, dann war das Spiel für mehrere Minuten nur noch Nebensache. Beim Regionalligaspiel zwischen dem FSV Zwickau und dem FC Rot-Weiß Erfurt soll es zu einer rassistischen Beleidigung gegen Erfurter Spieler gekommen sein. Nach Darstellung des Erfurter Außenstürmers Raphael Assibey-Mensah rief ein Mann aus dem Fanblock nach einem Foul seines Teamkollegen Benny Boboy: „Afrikaner raus!“
Assibey-Mensah reagierte sofort. „Benny hat einen Spieler gefoult und ein Mann aus dem Fanblock rief ‚Afrikaner raus!‘ Ich habe ihn direkt zur Rede gestellt, aber er hat weiter herumgebrüllt“, sagte der 26-Jährige nach dem Spiel. Schiedsrichter Johannes Schipke unterbrach die Partie daraufhin für etwas mehr als fünf Minuten. Der mutmaßliche Täter wurde im Stadion zunächst nicht gefunden.
Spieler fordert: Zeichen setzen
Gerade dieser Umstand sorgte bei Assibey-Mensah für Unverständnis. „Ich habe auf ihn gezeigt. Komisch, dass man ihn nicht findet. Das ist für mich kein Zufall. Der muss raus. So wird kein Zeichen gesetzt, aber es ist allen egal“, sagte der Erfurter Spieler. Der gebürtige Leipziger, der selbst einst ein Jahr in Zwickau spielte, forderte klare Konsequenzen. „Der Verein kann nichts dafür, aber ich hoffe, dass der FSV ein Zeichen setzt und ein Stadionverbot ausspricht. Ich kann den Mann klar identifizieren.“
Der FSV Zwickau verurteilte den Vorfall inzwischen deutlich. Geschäftsführer André Beuchold erklärte in einer Vereinsmitteilung: „Es kotzt uns an, dass so etwas passiert – und auch die damit verbundene Machtlosigkeit. Fußball darf emotional sein und auch mal rau werden, aber es gibt Grenzen. Rassismus ist keine Beleidigung, sondern ein inakzeptabler Angriff auf die Würde von Menschen.“
Verein entschuldigt sich
Nach Angaben des Vereins wurden unmittelbar nach Spielende erste Maßnahmen eingeleitet. Gemeinsam mit Assibey-Mensah seien Videoaufnahmen gesichtet worden. Dem FSV zufolge liegen inzwischen Bildaufnahmen eines mutmaßlichen Täters vor. Der Vorfall wurde angezeigt und den zuständigen Behörden übergeben. Zudem entschuldigte sich der Verein bei den betroffenen Spielern und beim FC Rot-Weiß Erfurt. „Unsere Solidarität gilt den betroffenen Spielern. Wir entschuldigen uns aufrichtig für die Vorfälle“, teilte der Club mit.
Doch damit ist der Fall nicht erledigt. Entscheidend wird nun sein, ob der mutmaßliche Täter tatsächlich identifiziert wird – und welche Konsequenzen daraus folgen. Ein Stadionverbot wäre ein deutliches Signal. Ebenso wichtig ist die Frage, ob und wie der Nordostdeutsche Fußball-Verband den Vorfall bewertet. Auf Grundlage des Schiedsrichterberichts könnte der Verband ein Verfahren gegen den FSV Zwickau einleiten.
Immer wieder nur Empörung
Für den Verein kann dabei nicht nur der rassistische Ruf selbst relevant werden, sondern auch der Umgang damit. Im Fußball haften Clubs in vielen Fällen für das Verhalten ihrer Zuschauer. Bei der Bewertung solcher Vorfälle spielt regelmäßig eine Rolle, ob ein Verein den Vorfall aufklärt, sich glaubhaft distanziert, Betroffene unterstützt und konkrete Maßnahmen ergreift. Die Reaktion Zwickaus wird deshalb nicht nur an der Schärfe der Worte gemessen werden, sondern vor allem an den Folgen.
Der FSV spricht nun von einem gemeinsamen Verhaltenskodex im Stadion. Man wolle „verbinden und nicht ausgrenzen“, heißt es aus dem Verein. Zivilcourage und ein gemeinsames Verständnis für die Grenzen des Sagbaren seien entscheidend. Das ist richtig. Aber gerade solche Erklärungen stehen nach rassistischen Vorfällen immer unter einem besonderen Vorbehalt: Sie müssen sich daran messen lassen, ob sie über den Moment der Empörung hinausreichen.
Zwickau kein Einzelfall
Denn der Vorfall von Zwickau ist kein isoliertes Problem eines einzelnen Spiels. Rassismus begleitet den Fußball seit Jahren – in Profiligen, im Amateurbereich, auf den Rängen, auf dem Platz und in sozialen Medien. Der Deutsche Fußball-Bund erfasst seit der Saison 2014/15 Gewalt- und Diskriminierungsvorfälle im Amateurfußball. Für die Saison 2024/25 meldete der DFB zwar einen Rückgang der Vorfälle. Zugleich wurden weiterhin Tausende Spiele mit Gewalt- oder Diskriminierungsvorkommnissen registriert. Jeder einzelne Fall zeigt, dass Kampagnen, Leitbilder und Appelle allein nicht ausreichen.
Der DFB und seine Sportgerichtsbarkeit stehen immer wieder in der Kritik, weil Sanktionen nach rassistischen Vorfällen von Betroffenen und Beobachtern als zu milde oder zu uneinheitlich wahrgenommen werden. Verfahren werden eingestellt, wenn Beweise fehlen. Strafen werden reduziert, wenn Vereine kooperieren oder Präventionsmaßnahmen zusagen. Das kann juristisch nachvollziehbar sein. Für betroffene Spieler bleibt aber oft der Eindruck: Der rassistische Ruf ist sofort da. Die Konsequenz kommt spät – oder gar nicht. (dpa/mig) Aktuell Panorama
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