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Brieftasche © stevepb @ pixabay.com (CC0)

Sucht on- und offline

Auswirkungen des neuen Glücksspielstaatsvertrages auf Spieler

Der neue Glücksspielstaatsvertrag verspricht mehr Steuereinnahmen und Spielerschutz. Ob sich die neuen Regeln aus Sicht der Spieler bewähren, wird sich zeigen. Experten bezweifeln die Wirksamkeit und fordern mehrsprachige und kultursensible Beratungs- und Unterstützungsangebote.

Freitag, 10.09.2021, 0:45 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 14.09.2021, 17:57 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |  

Der neue Glücksspiel-Staatsvertrag bringt einige Turbulenzen und viele Änderungen mit sich. Wieder einmal gibt es Chaos in der Rechtssprechung, weil jedes Bundesland seine eigenen Regeln macht. Worum geht es bei dieser Regelung? Einerseits sollen Spieler besser geschützt vor den Risiken des Glücksspiels – Stichwort: Sucht. Experten zufolge sind Personen mit Migrationshintergrund überdurchschnittlich oft betroffen aufgrund diverser Faktoren. Andererseits soll es nun die Möglichkeit geben, auch in Deutschland Konzessionen für Online-Casinos zu bekommen.

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Millionen Steuereinnahmen

Fest steht jetzt schon: Profiteure des neuen Gesetzes sind Online Casinos. Bisher waren Online-Glücksspiel in Deutschland verboten. Der Staat hatte das Monopol auf die Veranstaltung von Glücksspielen (siehe Lotto) und hat den Online-Bereich bisher ausgeklammert. Deshalb gab es hier auch keine Konzessionen.

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Tatsächlich aber gab es unzählige Online-Casinos, in denen man auch von Deutschland aus spielen konnte. Der Grund war, dass hier das europäische Recht das deutsche geschlagen hat. Die Casinos waren in europäischen Ländern lizenziert. Vor dem Hintergrund, dass beim Online-Glücksspiel Milliarden umgesetzt werden, entging so dem deutschen Fiskus viel Geld. Ob das neue Gesetz Abhilfe schaffen wird, bleibt allerdings abzuwarten.

Fraglich ist zunächst, welche konkreten Auswirkungen der neue Glücksspielstaatsvertrag haben wird. Er bringt für Spieler viele Einschränkungen mit sich, die es in Online-Casinos, die nicht den deutschen Einschränkungen unterliegen, nicht gibt. In Spielbanken mit deutscher Lizenz haben Spieler beispielsweise ein monatliches Limit von maximal 1.000 Euro, mehr darf er nicht einsetzen.

Instrumente gegen Spielsucht

Dieses Instrument soll Spieler vor Überschuldung schützen, doch sie kann auch dazu führen, dass diese sich bevormundet fühlen und Casinos mit deutscher Lizenz meiden. Ebenfalls vorgesehen ist etwa ein Schutzbutton, mit dem Spieler sich selbst aus dem Spiel nehmen können, wenn sie merken, dass sie die Kontrolle verlieren. Ob das suchtgefährdete Spieler aber tatsächlich abhalten wird, wird von Experten bezweifelt.

In der Kritik stehen in manchen Bundesländern auch die Umsetzung des Glücksspielstaatsvertrages. In NRW beispielsweise müssen Inhaber von klassischen Spielhallen mit starken Einschränkungen rechnen, ihre Regeln werden teilweise deutlich verschärft. NRW hat beispielsweise entschieden, dass künftig der Mindestabstand (Luftlinie) zwischen zwei Spielhallen mindestens 500 Meter betragen muss. Zudem wird es schwieriger, Mehrfachkonzessionen bewilligt zu bekommen.

Die Regeln sind nicht in allen Bundesländern gleich und streng. Während manche die Konzession nur auf Zeit vergeben, wollen andere neben Abstandsregelungen auch Qualitätskriterien verankern wie beispielsweise Mitarbeiterschulungen und Prüfzertifikate. Auch hinter diesen Regelungen spielt Spielerschutz eine Rolle, doch nicht wenige Bürgermeister laufen Sturm, weil sie erhebliche Einnahmeverluste befürchten.

Was passiert mit Spielern?

In Deutschland fließt etwa die Hälfte der Glücksspieleinnahmen in Form von Gewinnausschüttungen wieder an die Spieler zurück. Jeder vierte Euro wird für soziale Einrichtungen, Umwelt- und Denkmalschutz u. ä. aufgewendet. Ungefähr 17 Prozent wird als Steuer zugunsten der Länder abgeführt. Den Rest (ca. 12 Prozent) bekommen die Annahmestellen und Vertriebspartner. Gelder, auf die weder die Kommunen, noch die Betreiber verzichten können.

Doch was passiert mit den Spielern? Fakt ist, dass immer mehr Spielhallenbesucher in die virtuellen Räume des Internets abwandern. Wo früher in der Spielhalle zumindest ein Mindestmaß an Geselligkeit vorhanden war und damit auch ein Umfeld, das gegebenenfalls behilflich sein könnte, wenn ein Spieler seine Grenzen überschreitet oder gar süchtig wird, sitzen Betroffene heute zunehmend alleine vor einem Bildschirm und müssen sich im Ernstfall selbst helfen.

Deshalb fordern Experten mehr Informationsmaterialien und vor allem mehrsprachige und kultursensible Beratungs- sowie Unterstützungsangebote. Fakt ist, dass Spielsucht oft Menschen trifft, die arbeitslos sind und sich gerne blenden lassen von Versprechen vom schnellen und großen Gewinn. Und ein Blick in die Arbeitsmarktdaten wiederum zeigt, dass eingewanderte Menschen überdurchschnittlich oft von Arbeitslosigkeit betroffen sind. Die Gründe hierfür wiederum sind vielfältig. Mangelnde Qualifizierung gehört ebenso dazu wie Diskriminierung oder das Verbot, arbeiten zu dürfen. (dd)

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