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Meeting im Büro (Symbolfoto) © Free-Photos @ pixabay.com (Lizenz), bearb. MiG

Westbalkan-Studie

Mehr als die Hälfte Fachkraft – von wegen Sozialtourismus

Einwanderung aus dem Westbalkan wurde lange Zeit in einem Atemzug genannt mit dem politischen Schlagwort „Sozialtourismus“. Eine IAB-Studie zeigt jetzt, dass die mehr als die Hälfte aller Arbeitsverhältnisse auf Fachkraftniveau sind.

Freitag, 16.10.2020, 5:25 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 15.10.2020, 19:08 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

54 Prozent der Beschäftigungsverhältnisse, die über die Westbalkanregelung in Deutschland zustande kommen, sind auf Fachkraftniveau. Auf den noch höheren Qualifikationsniveaus „Spezialist“ und „Experte“ sind zusammengerechnet vier Prozent, 42 Prozent sind auf dem Helferniveau. Das geht aus einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor.

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Die Studie straft das politische Schlagwort „Sozialtourismus“ Lügen. Zum Jahresende 2013 begann die bayerische CSU eine Debatte, die sich um Einwanderer aus Rumänien und Bulgarien drehte. In der Folge entstand eine breite öffentliche Diskussion zu diesem Thema. Das Wort beschreibt abwertend die Einwanderung vornehmlich aus dem Westbalkan, die angeblich nur dazu dient, im Zielland Sozialleistungen zu erhalten. Es wurde zum Unwort des Jahres 2013 gewählt.

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Mehr wäre möglich gewesen

Seit 2016 können Arbeitnehmer aus den Nicht-EU-Ländern Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien im Rahmen der Westbalkanregelung eine Beschäftigung in Deutschland aufnehmen. Voraussetzung ist die verbindliche Arbeitsplatzzusage eines Betriebs in Deutschland. Ein Qualifikationsnachweis ist nicht notwendig.

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Die derzeit noch bis Ende 2020 befristete Regelung traf Angaben des Forschungsinstituts zufolge auf hohe Nachfrage bei Beschäftigungssuchenden in den Westbalkanstaaten – und zumindest bis zum Ausbruch der Covid-19 Pandemie auch bei Betrieben in Deutschland. Die große Zahl der Anträge habe allerdings zu erheblichen Kapazitätsengpässen bei den deutschen Auslandsvertretungen und damit zu langen Wartezeiten bei der Visavergabe geführt, sodass weniger Beschäftigungsverhältnisse zustande gekommen seien, als möglich gewesen wäre.

Jeder Vierte jünger als 40 Jahre

In den Jahren 2016 und 2017, dem Beobachtungszeitraum der Studie, waren der Erhebung zufolge 73 Prozent der Eingewanderten jünger als 40 Jahre und 86 Prozent männlich. Dahinter stehe die hohe Arbeitsnachfrage im männlich dominierten Baugewerbe. Dort fanden 44 Prozent der über die Westbalkanregelung nach Deutschland Eingereisten eine Stelle. Im Gastgewerbe waren es 13 Prozent, im Gesundheits- und Sozialwesen elf Prozent und im Bereich der Erbringung sonstiger wirtschaftlicher Dienstleistungen – darunter fällt beispielsweise das Reinigungsgewerbe – zehn Prozent.

Den Institutsangaben zufolge kamen die Arbeitsverhältnisse vorrangig über private und professionelle Netzwerke zustande. Diese Netzwerke erfüllten auch Funktionen, die für das Fortbestehen von Arbeitsverhältnissen zentral sind: Sie begünstigten eine gute Passung zwischen Bewerberprofil und Anforderungsniveau der Tätigkeit und schafften Vorhersehbarkeit für Arbeitgeber und Arbeitnehmer, so die IAB-Studie.

Arbeitsmarktintegration erfolgreich

„Die Arbeitsmarktintegration von Personen, die über diese Regelung in Deutschland beschäftigt sind, ist – gemessen an der Beschäftigungsstabilität und den Verdiensten im Vergleich zu anderen Migrantengruppen und deutschen Berufsanfängern – erfolgreich verlaufen“, betonen die IAB-Forscher.

Arbeitslosigkeit und Leistungsbezug von Arbeitslosengeld oder Arbeitslosengeld II lagen bei jeweils 0,1 Prozent. Zwar sei die Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis grundsätzlich daran gebunden, dass der Lebensunterhalt durch Erwerbstätigkeit gesichert werden kann, erklären die Forscher. Dies schließe aber nicht aus, dass zum Beispiel bei Entlassungen oder Betriebsschließungen Arbeitslosengeld oder Arbeitslosengeld II zumindest temporär in Anspruch genommen werden. (mig)

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