Deutsche Schützenbruderschaft

Muslim darf nicht an Schützenfesten teilnehmen

Nur weil Mithat Gedik Muslim ist, darf er an Schützenfesten nicht teilnehmen. Laut Vereinssatzung hätte er gar nicht in den Schützenverein, wo er inzwischen Schützenkönig und Beisitzer im Vorstand ist, aufgenommen werden dürfen. Sein Fall erregt nun Aufsehen.

Dienstag, 05.08.2014, 8:23 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 06.08.2014, 16:38 Uhr Lesedauer: 1 Minuten  |  

Er ist Kaufmann, leitet die Niederlassung eines Mannheimer Unternehmens. In seinem Schützenverein ist er Beisitzer im Vorstand. Zudem hat er Medienberichten zufolge katholische Religionslehre als Abiturfach belegt, ist mit einer katholischen Frau verheiratet und hat vier Kinder, die alle katholisch getauft sind. Dennoch darf der Schützenkönig vom 18. Juli nicht an übergeordneten Schützenfesten teilnehmen. Grund: Er heißt Mithat Gedik, ist türkeistämmig und Muslim.

Sein Fall – der muslimische Schützenkönigs aus dem westfälischen Werl – hatte für Aufsehen gesorgt, nachdem ihm der Dachverband die Teilnahme am Bezirksschützenfest untersagt hatte. Der Schützenverein sei ein Zusammenschluss christlicher Menschen, erklärt der Dachverband zur Begründung. Dazu sei auch der Mitgliedsverein der Georg-Schützen laut Satzung verpflichtet. Daher hätte ein Muslim gar nicht in den Verein aufgenommen werden dürfen. Über einen Ausschluss des Vereins aus dem Dachverband werde derzeit nicht nachgedacht, erklärte Heinrichs.

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Nach öffentlicher Kritik an diesem Vorgehen hat der katholische Dachverband Bund Historischer Deutscher Schützenbruderschaften nun Kompromissbereitschaft signalisiert. Er gehe davon aus, dass der muslimische Schützenkönig Mithat Gedik „Bestandsschutz“ in seinem Verein genieße und man in diesem Fall eine „großzügige Lösung“ finden werde, sagte Bundesgeschäftsführer Ralf Heinrichs am Montag in Leverkusen dem Evangelischen Pressedienst (epd). Eine Teilnahme an übergeordneten Schützenfesten werde allerdings auch in Zukunft nicht möglich sein. (epd/mig)

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  1. Geobrezel sagt:

    @Lynx

    Das GG garantiert Religionsfreiheit und diese schützt das Individuum und nicht den Islam oder das Christentum als eine Art geschützte Marke, d.h. dass Herr Merik genau dann ein Muslim ist, wenn er ein Muslim sein will. Er ist keinem Rechenschaft schuldig und er muss nur die religiösen Gebote einhalten die er selbst für richtig hält bzw. nach seiner Interpretation für nötig hält. Keiner kann ihm das Muslimsein aberkennen oder ihn einer Sünde bezichtigen. Es gibt kein Maßstab dafür wie ein Muslim sich zu verhalten hat, was er essen muss, was er trinken darf und welche Religion seine Kinder annehmen müssen! Mal ganz davon abgesehn, dass Ihre Interpretation vom Islam die wahrscheinlich intoleranteste und unliberalste von allen ist und somit wahrscheinlich nur die aller wenigsten ansprechen wird. Aber nicht nur das!

    Aber ich will nicht behaupten, dass es keine Länder gibt in denen Ihre Ansichten nicht geteilt werden, nur halt im freiheitlichen Deutschland sieht es nun mal ganz anders aus. Übrigens ist es nur bei den Salafisten so, dass man sich auf die eine Wahrheit und zwar der buchstäblichen Wahrheit des Korans geeinigt hat. Alle anderen Muslime leben alle Ihren eigenen Islam, der ganz unterschiedlich gewichtet wird.

  2. Cilly sagt:

    Die „Sündhaften“ aus allen Religionen sind mir die Liebsten.

  3. Pingback: Antidiskriminierungsstelle: Muslim soll Schützenkönig bleiben - MiGAZIN

  4. aloo masala sagt:

    Das hat mit Integration nichts zu tun. Der „Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften“ ist ein streng christlicher Verbund. Noch vor den Integrationsdebatte in Deutschland berichtete der Spiegel 1996:

    ——
    Juden, Moslems und Atheisten dürfen im „Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften“ nicht Mitglied werden. Ihr Hochmeister, Prinz Hubertus zu Sayn-Wittgenstein, nannte die Mitgliedschaft von Nichtchristen „in hohem Maße sinnwidrig“, weil die Bruderschaften ein „spezifisch christliches Profil“ habe. Mitgliedern, die aus der Kirche ausgetreten sind, lege er nahe, den Bund zu verlassen.
    ——-

    Vor zwei oder drei Jahren erregte der BHDS mit dem Umgang eines homosexuellen Schützenkönigs Aufsehen. Hier geht es nicht um Muslime, sondern wir haben es hier mit einem stockkonservativen Verein in der christlichen Parallelgesellschaft zu tun, der sich nicht in die heutige Gesellschaft integrieren will.

  5. Saadiya sagt:

    @Geobrezel: “ ….dass Herr Merik genau dann ein Muslim ist, wenn er ein Muslim sein will. Er ist keinem Rechenschaft schuldig und er muss nur die religiösen Gebote einhalten die er selbst für richtig hält bzw. nach seiner Interpretation für nötig hält. Keiner kann ihm das Muslimsein aberkennen oder ihn einer Sünde bezichtigen. “

    Da kann ich Ihnen zu 100% zustimmen! Gut erkannt! Trotz Geboten, Empfehlungen und Verboten, die sich aus dem Koran und dem Leben des Propheten Mohammed ableiten, sind Muslime Gott rechenschaftspflichtig für ihr Handeln, nicht aber jedoch anderen Personen gegenüber. Wie Gott letztlich befindet (ob jemand tatsächlich religiösen Geboten gefolgt ist oder ob er Sünden begangen hat), hat der Mensch nicht zu entscheiden.

  6. Mathis sagt:

    Ach, hätte die Welt es doch mit mehr „christlichen Parallelgesellschaften“ zu tun und bestünden unsere Sorgen doch ausschließlich darin, wie man einen muslimischen Schützenkönig dort sein lassen kann, wo er gerne sein möchte.
    Dann brauchten wir nicht von einem Inferno zum nächsten zu jagen, sondern uns einfach das kühle Bier schmecken lassen.

  7. Mathis sagt:

    Ach ja: Schön, dass ein paar Foristen dem Religionspolizisten hier im Forum mal auf die Finger hauen.Wirklich penetrant übergriffig der Typ.

  8. surviver sagt:

    Solche Nachrichten sind ein Armutszeugnis für eine Demokratie.
    Was will man dem Bürger dadurch vermitteln?
    Ist er durch seine Religion Bürger 2. Klasse in Deutschland oder was will man dadurch bezwecken?

  9. Katharina sagt:

    @Saadiya
    Natürlich ist das so. Nur muss das Ganze eben auch in irgendeiner Form praktisch umsetzbar sein. Man kann nicht in jedem Vorstellungsgespräch oder Mitgliedsantrag das Wertgerüst des Bewerbers überprüfen. Ein paar Anhaltspunkte (wie z.B. formale Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft oder Engagement in einer religiösen Gemeinschaft) sind da schon hilfreich. Wenn man zusätzlich auch nach Engagement fragt, lässt sich leicht ableiten, ob jemand nur formal Mitglied ist oder auch aktiv.

    Ein ähnliches Verfahren könnte man auch bei andersreligiösen Bewerbern anwenden: Zugehörigkeit zu einer religiösen Gemeinschaft + Engagement abfragen.

    @alle
    Den Religionspolizisten-Troll könnt ihr doch einfach mal ignorieren. Der trägt nichts Sinnvolles zur Debatte bei, also lasst seinen Post einfach „untergehen“ und gut ist. Solche Trolls vermüllen nur alle Foren.

  10. Marianne sagt:

    Also, unabhängig von meiner Meinung in der Sache selbst, finde ich es uebergriffig und unverschämt, andere Leute wegen ihrer vom Mainstream abweichenden Meinung als „Religionspolizistentroll“, „uebergriffig“ und die „Foren vermuellend“ zu beleidigen und zum Ignorieren ihrer Beitraege aufzurufen. Da sind die Grenzen des Mobbings überschritten, finde ich.

    Zum Thema selbst stimme ich Holger Schmale zu (FR von heute):
    „Hinter der Posse steckt ein ernstes Thema: Das Verbrämen von Rassismus mit religiösen Argumenten. (…)
    Man wuesste ja auch gern, was eigentlich das typisch Christliche an diesem Sport ist. Wer je auf einem Schützenfest war, wird dort kaum Zeichen einer besonderen christlich-sittlichen Kultur entdeckt haben. Die kehrt dann erst wieder beim gemeinsamen Gottesdienst am nächsten Sonntagvormittag ein. Aber wir wollen hier lieber gar nicht erst von Heuchelei zu sprechen beginnen.
    Die Religion wird stets dann zu einem Problem, wenn sie ihr eigentliches Feld, den Glauben und die Kirche, verlässt und versucht, ihre Normen auf andere gesellschaftliche Bereiche auszudehnen, und sei es auf einen Schützenverein. Seit der Aufklärung ist dieser Anspruch in Europa im Prinzip überwunden, aber Restbestaende existieren, wie sich zeigt.
    Es geht immer gut, solange die Religion Privatsache bleibt – wie beim Freizeitschuetzen Mithält Gedik. Dessen Glauben hat niemanden in seinem Verein interessiert, bis die Religionswaechter auf den Plan getreten sind.
    (…) Ganz problematisch wird es, wenn eine eigentlich rassistische Haltung mit religiösen Argumenten verbrämt wird, wie es ein stellvertretender Chefredakteur der Bild getan hat. Im Kern kam er zu dem Schluss, dass ein Deutschland ohne Muslime ein besseres Deutschland wäre. Besonders infam klang die These, der Islam sei ein Integrationshemmnis und mit seinen Anhängern werde der Rassismus nach Deutschland importiert -was für ein Vorwurf in einem Land, in dem eine rassistische Moerderbande gezielt Muslime getötet hat.
    Als Beleg seiner Thesen führt der Kommentator Auswuechse eines religiösen Fanatismus an, wie sie eben nicht nur der Islam kennt. In ihren extremen Formen haben alle Religionen etwas Ab- und Ausgrenzenden, gilt das Gebot der Nächstenliebe immer nur den eigenen Leuten. Über die Achtung von Frauen oder Homosexuellen in der katholischen Kirche ließe sich auch trefflich debattieren, ebenso wie über die Verleugnung der Evolutionstheorie durch christliche Fundamentalisten.“
    Diesem trefflichen Kommentar ist eigentlich nichts hinzuzufügen, ausser: Der stellvertretende Chefredakteur der Bild ist ein Rassist. Bei den Religionswaechtern im Schützenverein handelt es sich um religiöse Fundamentalisten und Oberheuchker, die ein Integrationshemmnis darstellen. Wie wär’s eigentlich mit einem christlichen Swingerclub, in dem nur Christen Zutritt haben? Anschliessend können die oberchristlichen Heuchler ja wieder beten.