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Critical und Incorrect

Die Grenzen wohlmeinender Diskurse – Rassismuskritische Aufklärung auf verlorenem Posten?

„Das Gegenteil von gut, ist gut gemeint!“. Kann man mit gut gemeintem antirassistischem Diskurs überhaupt Rassismus entegegenwirken? Dr. Sabine Schiffer über die Verneinungsfalle, Thematisierungsfalle, Kategoriesierungsfalle und über die Vorteilsfalle zum Tag der Deutschen Einheit.

Von Freitag, 01.10.2010, 8:28 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 12.01.2011, 23:33 Uhr Lesedauer: 11 Minuten  |   Drucken

Zum Tag der Deutschen Einheit werden wir es vermutlich wieder erleben können – diesmal zum 20sten Mal –, dass in Form von Reden und geschriebenen Texten der gute alte Ost-West-Gegensatz fortgeschrieben wird. Da ist normalerweise von den „Entwicklungen in Ostdeutschland“ die Rede, von „Solidaritätsleistungen des Westens“, von der Notwendigkeit des Zusammenwachsens der „beiden“ Hälften, der „alten“ und der „neuen“ Bundesländer und so weiter und so fort.

Alles richtig! Und sicher gut gemeint, uns am 3. Oktober wieder auf die deutsche Einheit einschwören zu wollen. Nur, haben die verwendeten Worte mehr Trennendes als Verbindendes. Sie schreiben nicht nur den alten Antagonismus zwischen Ost und West fort, sie erinnern auch nach 18 Jahren Einheit an die Zweiheit und schreiben diese dadurch nochmals fest. Und jedes Jahr ein bisschen fester.

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„Während man über rassistische Argumentationsmuster aufzuklären versucht, wiederholt man diese Rassismen und schreibt damit wiederum den Diskurs fort.“

„Das Gegenteil von gut, ist gut gemeint!“ 1 Mit diesem Satz überschreibt das Rassismusforscherpaar Riepe seine Beobachtungen, nämlich dass auch ein gut gemeinter antirassistischer Diskurs die oft versteckten rassistischen Denkmuster verrät und die alten Ideen über die jeweils Anderen stets wiederbelebt und damit erneut verfestigt. Diese Erkenntnis entspricht der Beobachtung der Arbeitsgruppe um Christoph Butterwegge und Gudrun Hentges, die in ihrem Buch Massenmedien, Migration und Integration ausführlich beschrieben wird. Auch meine Arbeit zeugt von dem gleichen Dilemma. Während man über rassistische 2 Argumentationsmuster aufzuklären versucht, wiederholt man diese Rassismen und schreibt damit wiederum den Diskurs fort, in dem das WIR und das IHR als Grundunterscheidung jeder Beschreibung zementiert wird – dies bewirkt nicht Integration, sondern stört sie. Denn jede Verneinung ist zunächst eine Wiederholung und erinnert an das, was man zu negieren trachtet. Hier wird die Ordnungsfunktion von Sprache deutlich. Sie strukturiert mit ihren eigenen Regeln das, was wir für wichtig und richtig erachten.

Diesem Dilemma entkommen wir nicht und es ist gut, wenn wir das wissen. Vielleicht wird es uns dann möglich, in reproduzierten Stereotypen einen Wirkmechanismus von sprachlicher Zeigefunktion und menschlicher Wahrnehmung zu sehen – und weniger eine Bestätigung der wiederholten Stereotypen selbst.

  1. Riepe… Du schwarz, ich weiß.
  2. Menschenrassen gibt es nicht, jedoch gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (Heitmeyer), die wir hier u.a. mit dem Begriff „rassistisch“ bezeichnen.

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