Cem Gülay

„Deutschland braucht die Jugend – und die Jugend braucht Deutschland“

Kein Hollywood-Streifen. Aber ein Leben wie im Film: Als 20-Jähriger startete Cem Gülay seine Gangsterkarriere. Er war in einer Bande organisiert. Sie betrogen und erpressten gewerbsmäßig. Nach sieben Jahren stieg er aus. Heute ist Cem Gülay 39 Jahre alt und Buchautor: „Türken-Sam: Eine deutsche Gangsterkarriere“, hat er gemeinsam mit Helmut Kuhn geschrieben. Er erzählt in seiner Autobiografie über das Leben als Gangster und warnt die Politik vor einer verfehlten Migrationspolitik. Journalist und Autor Murat Ham im Gespräch mit Cem Gülay.

Von Freitag, 19.03.2010, 8:05 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 05.09.2010, 17:34 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |   Drucken

MiGAZIN: Sie sprechen gutes Deutsch und haben Abitur gemacht an einem bürgerlichen Gymnasium in Hamburg. Dann folgte kein Studium, sondern eine Gangsterkarriere. Was sind die Hintergründe?

Cem Gülay: Mich hat der Alltagsrassismus im Handel, bei der Ausländerbehörde, aber auch in der Schule belastet. Beispielsweise habe ich während eines High-School-Jahres in Florida mitbekommen, dass schwarze und weiße Schüler die Anti-Diskriminierungs-Gesetze respektieren. Rassistische Bemerkungen werden mit Schulverweis geahndet. Doch Deutschland tut sich schwer. Hier herrscht eine andere Realität.

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MiGAZIN: Was meinen Sie genau?

Gülay: Als ich zum Beispiel noch Gymnasiast war, wurde ich zum Schülersprecher gewählt. Aber ich habe dieses Amt aus einem Grund wieder abgegeben: Der Schuldirektor sagte, er könne keinen türkischen Schulsprecher dulden. Das war wie ein Schlag ins Gesicht.

MiGAZIN: Sie haben als Gangster etliche Opfer krankenhausreif geschlagen und wollen heute die Jugend schützen …

Gülay: Am Ende geht es um Respekt. Ich wollte als Gangster respektiert werden. Ich suchte meine Chance und fand die Akzeptanz nicht in der deutschen Gesellschaft, sondern im kriminellen Milieu. Der Weg war nicht richtig. Das weiß ich heute auch. Viele Deutsch-Türken fühlen sich ausgegrenzt. Ich kenne das Gefühl.

Murat Ham ist in Braunschweig geboren, Diplom-Politikwissenschaftler und ausgebildeter Journalist. Er besitzt mehrjährige Berufserfahrung als Redakteur bei namhaften Print- und Funkmedien und als Redaktionsleiter in der Unternehmenskommunikation. Murat Ham lebt und arbeitet in Berlin. Mehr über ihn unter www.murat-ham.de.

MiGAZIN: Welches Ziel hat das Buch?

Gülay: Ich weiß genau, wie die Jugend heute im Ghetto tickt. Ob Berlin-Neukölln oder andere soziale Brennpunkte in Deutschland, viele Jugendliche haben keine Perspektive. Sie sind wütend und fühlen sich benachteiligt. Die Politik darf die Generation nicht für verloren erklären. Migrantenkinder sollten nach Quoten vermehrt in deutschen Schulen verteilt werden. Ich will eine echte Chancengleichheit für alle. Deutschland kann sich auch keine brutale Jugend leisten. Deutschland braucht die Jugend – und die Jugend braucht Deutschland.

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  1. cem gülay sagt:

    Möglich Hannah,aber nur für die,die nur Klischees in ihren Köpfen mit sich tragen.Ich bin zuerst mal ein Mann.Das heisst,wenn ich emotional werde,dann bin in den Augen von einigen Deutschen,gleich ein typisch aggressiver Türke.Das kenne ich schon alles.Jahrelang in meiner Jugend hatte ich deswegen Probleme.Immer das Gefühl zu haben, wie muss ich mich ausdrücken,reagieren oder verhalten, um ja nicht in den Augen der Ur-Deutschen wie ein typischer Türke aufzufallen.das mache ich schon lange nicht mehr mit,weil es keine schöne Zeit war.Also wenn ich mal einen oder zwei schlechte tage habe,dann ist es nur menschlich.Und wenn ich eine Pädophilen erwische der sich an ein kleines Kind vergeht ,dann reisse ich ihm den Kopf und mir ist egal,ob es in euren Augen typisch türkisch ist.lg

    • Mehmet sagt:

      haha ich kann wirklich sehr gut nachvollziehen was Sie meinen. „Unser Türke“, „Da kommt der Osmane in ihm hoch.“ Das ist der Wahnsinn. Selbst meine Ex-Freundin war 6 Monate lang in der Türkei und hat alles durch ihrer durch negative Vorurteile besetzte Brille gesehen. Sie hat die Leute gar nicht verstanden und hat dennoch immer schlimme Motive unterstellt. Auch als man versuchte, bestimmten Leuten das Gegenteil klarzumachen, dass „der Türke“ das gar nicht so gesagt hat und WIRKLICH nur helfen wollte. Die wollten es einfach nicht verstehen. „Die Türken sind einfach so.“ Echt übel.

  2. Frank sagt:

    Liebe Diskutanten,
    also, ich finde es, ganz ehrlich, beschämend, wenn Deutsche Migranten diskriminieren. Ich kann nicht sagen, ob ich auch schon einmal jemanden herablassend behandelt habe, weil er Migrant war – zumindest versuche ich es nicht bewußt zu tun. Jeder Mensch verdient zunächst die gleiche Höflichkeit. Und dann muss man sehen, wie er sich mir gegenüber benimmt.
    Natürlich habe ich manchmal ein sehr unangenehmes Gefühl, wenn sich Gruppen junger Männer – ob nun Migranten oder Deutsche – in öffentlichen Verkehrsmitteln sammeln.
    In einigen Fällen merkt man ziemlich genau, wenn über einen gesprochen wird, eben oft auf türkisch oder auf russisch. Ich weiß genau, dass ich für Jungs in einem gewissen Alter ein rotes Tuch bin und sie mich nicht respektieren, weil ich eine helle Stimme habe. Es ist auch so, dass ich mit der Art von Wortschatz und der Lautsärke mancher „Gangs“ im öffentlichen Raum nicht zurecht komme. Natürlich denke ich mir dann auch meinen Teil.
    Cem, Sie sagen, das störe nur jemanden mit Vorurteilen. Ich finde, es ist auch eine Frage der kulturellen Prägung und der Art von Erziehung. Wem – wie mir als Kind – immer vorgesagt wird, ich solle nicht zu laut sein aus Rücksicht auf andere usw., der ist es nicht gewöhnt, wenn andere sich genau so verhalten. Ich finde es respektlos, wenn ich in der Straßenbahn sitze, und andere sich lautstark streiten, Sie finden es vielleicht respektlos, wenn ich dann die Augen verdrehe. Genauso wie Sie aber das Recht in Anspruch nehmen „extrovertiert“ zu reagieren und das als männlich empfinden habe ich das Recht „introvertiert“ zu sein, oder? Ich höre oft, von ganz unterschiedlichen Migrantengruppen, die Deutschen seien „kalt“. Deutschland ist ein klimatische kaltes Land, darum ging man oft eher nach „Innen“ als nach Außen, genauso wie man im Süden eher nach Außen geht als drinnen bleibt. Dass beide Verhaltensweisen manchmal aufeinandertreffen, muss man eben akzeptieren. Ich fühle mich davon nicht persönlich auf den Schlips getreten, auch wenn es mich offen gestanden manchmal nervt.
    Ich selbst habe noch nie offene Gewalt erlebt, von beiden Seiten nicht. Wie es im Osten ist, weiß ich nicht, dazu müsste ich länger dort sein. Ich hatte manchmal schon ein mulmiges Gefühl, z.B. in Leipzig oder Dresden, wenn dort offen rechtsradikale Jugendliche in der Straßenbahn aufgetreten sind. Im Grunde müssten wir sehen, warum so viele Jugendliche uns entgleiten, unser System ablehnen, unsere Gesellschaft. Das sehe ich als Problem. Ich sehe auch ein Problem, dass wir viele Gruppen, nicht nur Migranten ausgrenzen.
    Was ich selbst eher erlebe ist Distanz. Deutsche die ihre Kinder auf Kindergärten oder Schulen ohne Migranten schicken. Migranten die ihre Kinder nicht auf Kindergeburtstage zu Deutschen lassen (habe ich bei meinem Neffen erlebt). Warum eigentlich? Am Ende leben wir doch im gleichen Land. Ich möchte auch als Person wahrgenommen werden und nicht als „Deutscher“ oder „Bayer“ oder „Nazi“.
    Ich finde es allerdings auch extrem schwierig, v.a. an Türken heran zu kommen. Ich habe nicht das Gefühl, dass ein Kontakt überhaupt gewünscht wird, obwohl ich mich schon als offen einschätzen würde. Vielleicht liegt es an meiner Zurückhaltung.
    Vor einigen Jahren war es leichter, als ich Kind war, waren oft türkische Kinder bei uns und wir haben zusammen mit meiner Mutter Hausaufgaben gemacht. Es hatte etwas Normales. Noch im Gymnasium hatte ich eine türkische Freundin. Aber jetzt fehlt der Kontakt zu Türken über flüchtige Begenungen hinaus. Mag sein, dass sich unsere Gesellschaft mehr segregiert hat, es kann aber auch sein, dass man als Kind leichter Kontakte knüpft und sich erst im Erwachsenenalter ein bestimmtes Distanzverhalten eintritt. Kinder haben die Vorurteile bestimmten Gruppen gegenüber noch nicht oder sie sprechen sie offen aus.
    Ich fände es im Übrigen besser, auch im Internet einen gewissen Ton zu wahren und nicht immer (die gleichen) Vorwürfe aufs Tablett zu bringen. Aber ich sehe, dass dies offenbar nicht funktioniert.

    • cem gülay sagt:

      Lieber Frank,selbst ich habe manchmal ein angespanntes Gefühl,wenn ich auf dem Gehweg einer grösseren Gruppe von jungen Migranten treffe,wer macht Platz?Letztens haben mich zwei junge Burschen im Auto ausgebremst und sind dann an die Seite gefahren,um ihre Aggressivität zu zeigen.Ich habe eine hübsche Freundin die ständig angemacht wird,wenn ich nicht dabei bin,selbst in der Disco kann sie nicht alleine auf Toilette gehen,ohne mehrfach am Arsch gegrabscht zu werden.Meinst ich habe keine unbändige Wut.Ich muss mich oft zurückhalten und tief durchatmen.Ich weiss,dass sich eine gewisse Generation oft extrem asozial verhält.Hier hat absolut die Erziehung in denFamilie versagt.Ich kenne die Ursachen und beschreibe sie im Buch.Ich verteidige kein asoziales Verhalten,nur weil Es Türken sind.Mein Buch ist einfach nur eine sozial Analyse.Alle kriegen ihr Fett weg,einschliesslich meine Wenigkeit.Was machen wir jetzt?Lassen wir es so weiterlaufen und beschimpfen uns weiter oder suchen wir nach Lösungen.Was viele noch nicht begriffen haben ist,dass es nur gemeinsam geht.Unzählige Hasstriaden gegen mich werden nichts verbessern,aber trauriger ist,dass sich die Mitte der Gesellschaft,mehrheitlich nicht mit mir auseinander setzen will und Wahrscheinlich hofft,dass Günter Wallraff noch eimal als Türke undercover geht;-) und ein allheil Mittel findet.Jetzt versuch Dich mal in mich hineinzuversetzen,warum tue ich mir das alles an,um 50 cent pro Buch zuverdienen?Glaube mir,ich hätte viel bessere Angebote annehmen können.Was soll ich machen,mach mal einen Vorschlag.Soll ich aufgeben und bei den nächsten Medienauftritten sagen.Ich gebe auf,es hat keinen Sinn,momentan sieht so aus.Es ist ein Irrsinn,mir die Schuld zugeben und extrem Provokativ!Dann kommt so was wie von Hannah,die ich zur Mitte der Gesellschaft zähle……………..

      • Kevin sagt:

        „Was viele noch nicht begriffen haben ist,dass es nur gemeinsam geht.“

        Warum schreiben Sie das?

        Warum sollte es nicht möglich sein, daß Deutsche und Türken künftig getrennte Wege gehen?

        Die Algerier haben mit den Franzosen doch auch nichts mehr zu tun.

        Und die Bosnier nichts mehr mit den Serben.

        Multikulti funktioniert auf die Dauer doch ohnehin nur in der Diktatur. Und am Ende steht immer der Bürgerkrieg.
        Positive Gegenbeispiele gibt es leider keine.

        Also sollten wir den Alptraum beenden, und ein sozial verträgliches Rückwanderungsgesetz für Türken und Araber erlassen und durchführen. Geordnet und mit Rückwanderungsprämien, und jeder Auszubildende soll seine Lehre noch beenden dürfen.

        • Dybth sagt:

          Kevin,
          ihren Fantasien koennen sie gerne freien Lauf lassen.

          „Und Zuwanderer, die merken, daß die Einheimischen sie nicht wollen, haben das Land wieder zu verlassen. Bleiben sie aber gegen den Willen der Einheimischen in deren Land, so sind sie ab diesem Moment Besatzer und dürfen – auch gewaltsam – von den Einheimischen bekämpft werden.“

          Sie sind wahrscheinlich einer der ersten Heuchler, der genau das gleiche den Palestinensern absprechen wuerde.

          „Also sollten wir den Alptraum beenden, und ein sozial verträgliches Rückwanderungsgesetz für Türken und Araber erlassen und durchführen. Geordnet und mit Rückwanderungsprämien, und jeder Auszubildende soll seine Lehre noch beenden dürfen.“

          Das ist sehr lieb von Ihnen. Nur, wo wollen Sie denn die Deutschen tuerkisch/arabischer Herkunft, die hier geboren wuerde, hin schicken?

          „Multikulti funktioniert auf die Dauer doch ohnehin nur in der Diktatur. Und am Ende steht immer der Bürgerkrieg.
          Positive Gegenbeispiele gibt es leider keine.“

          Sieht man in den klassischen Einwanderungslaendern. Die Diktatur, die sich auf dem Nordamerikanischem Kontinent breitgemacht hat, mit einem Diktator Obama an der Spitze.

          Sorry, aber Sie hoeren sich wie ein typischer PImat an. Ihre Parolen sind nur auf dem Papier etwas Wert. Mit der Realitaet haben die nichts zu tun. Ihre Vorschlaege sind einfach schwarzweiss primitiv. Die Amerikaner wuerden sagen: You are part of the problem, not part of the solution.

          Na denn..

          • Anatoli sagt:

            @ Dybth

            Ich muss Ihnen an dieser Stelle entscheidend widersprechen. Die USA sind keine multikulturelle Gesellschaft. Sie sind sind eine vom Protestantismus bis tief in die Wurzeln geprägte Nation. Wenn Sie sich einmal länger in den USA aufgehalten hätten, abseits der Küstenmetropolen, dann wüssten Sie dies. Im Übrigen durchlaufen die USA auch seit geraumer Zeit einen Transformationsprozess, durch die Masseneinwanderung hauptsächtlich katholischer Immigranten, der in Zukunft auch den Kern des amerikanischen Selbstverständnisses erodieren wird (vgl. Huntington 2004). Ähnliche Diskussionen finden sich auch in der amerikanischen Migrationssoziologie von Borjas oder Massey.
            Sie (Dybth) scheinen Multikulturalismus mit „Multracialism“ (um einmal den englischen Terminus zu verwenden) zu verwechseln. Denn genau dies ist in den USA der Fall. Die Integration bzw. Assimilation in den USA orientiert sich an einem fest vorgegebenen Wertekanon. Und genau das ist das Problem in Deutschland. Die Linken Multikultideologen, treten sowohl für einem Universalismus als auch Multikulturalismus zugleich ein. Daran werden sie in Zukunft scheitern. Momentane Konfliktlinien sind ja momentan schon ersichtlich. Entweder man tritt für einem Universalismus ein und gewährt den Migranten die gleichen Rechten, wie der authochtonen Bevölkerung und fordert gleichzeitig unter diesem Universalismus die Anerkennung hiesiger Werte und Prinzipien ein und tritt damit entschieden gegen die Bildung von Paralellgesellschaften ein. Oder man huldigt einem Multikultralismus. Die hat aber entscheidende Folgen. Denn somit sind gesellschaftliche Ereignisse rein singulärer Natur und können nicht mit universellen Maßstäben gemessen werden. Um die Folgen einmal anschaulich zu machen: Demnach wäre der Holocaust auch ein singuläres Ereignis der deutschen Gesellschaft und die Verurteilung durch eine UN Menschenrechtscharta oder ein Kriegsverbrechertribunal, sich konstituierend aus Vertetern anderer Gesellschaften, wäre unzulässig. Ähnlich wäre dies im Falle des Völkermordes an den Armeniern.

            Man muss sich schon entscheiden, anhand welches der beiden Prinzipien die deutsche Geselslchaft aufgebaut werden soll. Ein Multukulturalismus auf deutschen Boden wird uns mit Sicherheit bürgerkriegsartige Zustände bereiten. Aber diesen Schuh müssen sich dann die verantwortungslosen Xenophilen in unserem Land anziehen

            Huntington, S. 2004: Who Are We? Die Krise der amerikanischen Identität. Europa-Verlag, Hamburg 2004.

            • Dybth sagt:

              Anatoli,

              sie bekommen eine 5, weil Thema verfehlt. :)

              Die USA ist eine Multi-Kulti Nation. Und sie funktioniert mehr oder weniger. Dass es da Probleme gibt, und nicht alles optimal laeuft, bestreitet keiner. Meine Aussage war gegen Kevin gerichtet, der behauptet, dass es nur in einer Diktatur funktioniert. Wenn Multi-Kulti in den USA nicht einigermassen funktionieren wuerde, dann haette man dort keinen Barack Hussein Obama als Praesidentin.

              Oder koennen Sie sich einen Cem Oezdemir in Deutschland als Bundeskanzler vorstellen?

              • Anatoli sagt:

                Cem Özdemir als Bundeskanzler. Müssen Sie immer gleich den Teufel an die Wand malen. Aber wenn es Ihnen darum geht Migranten in politische Verantwortung zu holen…. Ich finde das Herr Rösler, für mich ist er ein echter Deutscher, seiner Aufgabe ganz gut nachkommt. Leider wird er von seiner Partei verheizt.

  3. Frank sagt:

    Noch ein kleiner Nachtrag: Im Interview ist davon die Rede, dass es um „Respekt“ geht. Ich finde, es geht um Höflichkeit. Jeder hat das Recht, höflich behandelt zu werden, aber Respekt muss man sich in meinen Augen verdienen.

    • NDM sagt:

      Respekt, Höflichkeit… Gemeint ist am Ende die Anerkennung. Die Anerkennung als Mensch mit gleicher Würde und gleichen Rechten. Und der Ausdruck der Anerkennung im täglichen Miteinander. Gegenseitig. Das kann man allseits erwarten, und dies muss man auch von allen Seiten einfordern. Auf sämtlichen Seiten gibt es diesbezüglich Defizite.

      Das einzige, was gegen Defizite wirkt, ist die offene und ehrliche gesellschaftliche Aussprache. Sie haben mit Ihrem ausführlichen Statement einen wichtigen Schritt dafür getan. Das verdient ebenso Anerkennung, wie das Buch von Cem Gülay Anerkennung verdient. Wobei klar sein dürfte, dass ein Buch wesentlich ausführlicher darlegt, was wirklich „anmach“ ist. Ich rate allen, die wirklich wissen wollen, wie andere Menschen *im innern* Ticken, derlei Bücher zu lesen. Nur über daraus resultierendes Verständnis kann sich die Gesellschaft in positiver Weise weiterentwickeln. Verständnis. Nicht Akzeptanz. Kriminalität bleibt Kriminalität.

  4. sunset sagt:

    Wie ist denn wohl die richtige Reihenfolge?
    Wurden Türken diskriminiert und haben sich deshalb immer mehr von der deutschen Gesellschaft abgewandt ?
    ODER
    Haben sich Türken von der deutschen Gesellschaft einfach so (aus Spass an der Freud‘) abgewandt und wurden deshalb diskriminiert ?

    JEDER,wirklich JEDER,der sich nicht lächerlich machen will,weiss sehr genau,dass vor allem in den 80er-Jahren an vielen Häuserwänden und jeder zweiten Bushaltestelle „Türken Raus“ zu lesen war.Von anderen Dingen mal ganz zu schweigen.
    Und nun jammert ganz Deutschland.
    Was soll man sagen?
    Man erntet,was man sät!

    • Kevin sagt:

      Wenn in den Achtziger Jahren an jeder zweiten Häuserwand stand „Türken raus“ (was nicht stimmt), warum sind die Türken dann denn nicht zurück in die Türkei gegangen?

      Kein Deutscher, ja kein Mensch auf dieser Welt ist dazu verpflichtet, Menschen, die überhaupt nicht in sein Land gehören, zu mögen.

      Und Zuwanderer, die merken, daß die Einheimischen sie nicht wollen, haben das Land wieder zu verlassen. Bleiben sie aber gegen den Willen der Einheimischen in deren Land, so sind sie ab diesem Moment Besatzer und dürfen – auch gewaltsam – von den Einheimischen bekämpft werden.

      Es gibt nun mal kein Menschenrecht auf Migration.

      Und Menschen, die nach dem Motto leben „und willst du mein Freund nicht sein, so schlage ich dir den Schädel ein“ gehören in den Knast.

      • maria sagt:

        Gott sei Dank sind Menschen mit Ihrer Gesinnung die Minderheit in Deutschland und haben nicht das Sagen!

      • NDM sagt:

        „Wenn in den Achtziger Jahren an jeder zweiten Häuserwand stand “Türken raus” (was nicht stimmt), warum sind die Türken dann denn nicht zurück in die Türkei gegangen?“

        Weil Rassisten in Deutschland nichts zu wollen haben. Um mal mit deinen Forderungen gleichzuziehen: Sie haben sich an die Gesellschaftlichen Werte anzupassen, sich zu integrieren und die Füße still zu halten. Schmeckt es ihnen nicht, steht es ihnen frei, jederzeit auszuwandern.

      • Mehmet sagt:

        Kevin,
        Es gibt auf deutschem Boden ein recht auf freie entfaltung der persönlichkeit. Wenn Sie eine Gleischaltung haben wollen, dann katapultieren Sie sich 65 bis 78 Jahre zurück. Viel spaß im Braunen land! Das würde mich mal interessieren: würden sie sich wünschen, dass jeder türke einen stern trägt??

    • Frank sagt:

      Kallo Sunset,
      ich finde Ihren Kommentar ein wenig fatalistisch. Ich muss zugeben, dass ich in den 80er Jahren als Kind Schmierereien wie „Türken raus“ oder ähnliches nicht bewusst wahrnehmen konnte. Aber ich bin sicher, dass es diese Schmierereien gegeben hat. Diese Vorurteile gab es aber wohl auch gegenüber anderen Migrantengruppen,
      Sie schreiben im Kern: Die Deutschen sind Schuld, dass manche Türken nicht integriert sind.
      In einigen Kommentaren und Artikeln des Migazins wird bestritten, dass es diesen „Abschottung“ türkischer Familien überhaupt gibt. Mit Ihrem Kommentar setzten Sie ja erst einmal voraus, dass es tatsächlich ein Problem gibt, dessen Ursache die meist (?) ausländerfeindlichen Deutschen sind. Ist dies ein spezifisches Problem Deutschlands? Eines der deutschen Geschichte?
      Einige der Kommentare, die Sie darauf erhalten haben, lassen diese Vermutung zu. Nehmen wir Sie also einmal als gegeben, dann müsste sich jetzt doch Fragen anschließen, zumindest wenn Du einer deutschen Minderheit zugestehst, dass sie kein grundsätzliches Problem mit Ausländern hat:
      – Wie sollen sich die türkischen Migranten verhalten?
      – Wie sollte sich die nicht ausländerfeindliche deutsche Minderheit verhalten (Wenn es sie denn in Ihren Augen gibt)?
      – Sollen wir aus der Situation jetzt Schluss ziehen, dass Integration in Deutschland ohnehin nicht klappt?
      – Habe ich als Deutscher jetzt das Recht verloren, mich für Integration und eine Verbesserung der Bildungschancen fpr türkische Jugendliche einzusetzen, weil es diese Probleme entweder nicht gibt oder ich selbst daran schuld bin?
      – Also: welche Schlüsse ziehen wir für die Zukunft?

      Ich habe bewußt überspitzt formuliert. Denn leider entsteht selten genug ein Dialog. Wir bleiben in gegenseitigen Vorwürfen stecken.

      Wie Sie Ihre Familie und Ihr Leben beschreiben, sind Sie selbst fast den Weg der „Assimilierung“ gegangen, Sie sind gebildet und auch kulturell intergriert, sie argumentieren treffend. Mit der Bildung steigt auch der Anspruch an eine „ideale“ Gesellschaft und der Anspruch, teilzuhaben an der Gesellschaft. Versuchen Sie als Deutsche türkischer Herkunft anderen Deutschen türkischer Herkunft dies zu ermöglichen?
      Ich würde mir wünschen, dass wir gemeinsam bisher benachteiligten Menschen diese Teilhabe ermöglichen könnten, auch wenn wahrscheinlich niemals alle das Angebot annehmen werden. Das heißt aber auch, dass wir auf die Initiative der verschiedenen Gruppen, auch der Migranten angewiesen sind. Dass es Initiativen wie von Herrn Gülay gibt, ist doch ermutigend. Und sie können versichert sein, dass es auf „deutscher“ Seite mittlerweile vauch Initiativen gibt – zumindest dort, wo ich lebe. Nur: Mit jedem Mal, wo die „Diskussion“ aus Vorwürfen besteht lassen wir die im Regen stehen, die einen Dialog führen möchten.

  5. sunset sagt:

    @Kevin
    Zu Ihrer Information:
    Meine Familie besteht zu 90% aus Akademikern.Mein Vater hat sogar in Deutschland studiert.
    Bevor er deutschen Boden betreten hat,hat er eine hohe berufliche Position in einem grossen Staudamm-Projekt im Südosten der Türkei gehabt und schon damals umgerechnet ca. 4000-5000 DM im Monat verdient.Er hat dort sehr international gearbeitet (mit französischen Ingenieuren usw.).
    Mein Vater ist auch Diplom-Ingenieur.
    Er ist 1970 mit meiner Mutter nach Deutschland gekommen und hat (wie gesagt) hier studiert.Vorher war er an einer Universität in Istanbul eingeschrieben.Er kam hierher,war schon in den 70ern Mitglied im Schützenverein,spricht perfekt deutsch und liebt dieses Land.
    Ende der 70er wurde ich (auf deutschem Boden!) geboren.Ich bin gebürtige Ostwestfälin und habe die deutsche Staatsangehörigkeit.
    Meine Familie ist sehr modern.Wir sind nicht religiös und perfekt integriert,sogar eher assimiliert.Wir essen Schweinefleisch,trinken Alkohol…usw..Meine Eltern haben es immer vollkommen normal gefunden,dass ich Beziehungen zu deutschen Männern habe.Ich spiele Klavier,bin auch Akademikerin.
    Meine restliche Verwandtschaft lebt in Istanbul,ist hochmodern und besteht (wie bereits erwähnt) zu 90% aus Akademikern.Unter ihnen befinden sich vor allem viele Architekten und Ingenieure.
    Wir haben zwischenzeitlich auch in Istanbul gelebt.Ich war dort auf einem privaten,deutschen Gymnasium (Deutsche Schule Istanbul bzw. auf türkisch „Alman Lisesi Istanbul“).Es handelt sich dabei um die Elite-Schule,die Angela Merkel vor kurzem besucht hat.

    Sie glauben doch wohl nicht im ernst,dass ich mir mit meinem gut-bürgerlichen Hintergrund von jemandem wie ihnen sagen lasse,wo ich leben soll.
    Ich bin die Tochter einer fabelhaft integrierten,modernen Familie (deren Mitglieder übrigens alle eingebürgert sind).
    Mein Bruder promoviert gerade an der FU Berlin,meine Schwester ist niedergelassene Ärztin in Hessen.

    Ihre peinlichen Sprüche können sie Bewohnern in irgendwelchen Ghettos an den Kopf schmeissen,NICHT mir.
    Ich bin DEUTSCHE türkischer Herkunft,basta!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

    • Petersen sagt:

      Sunset, ich finde ihre Aussage zutiefst arrogant und elitär. Der Kern der Aussage ist: Wir kommen – aus was für Gründen auch immer – aus gehobenen Verhältnissen, haben studiert und durften auch sonst alle möglichen kulturellen und itellektuellen Vorzüge geniessen. Wir sind was besseres. Wir sind klug, gebildet, reich und schön. Uns betrifft die Integrationsdebatte nicht. Falls Sie Probleme mit der in Deutschland lebenden, türkischen Unterschicht haben: bitte wenden Sie sich an diese, mit denen haben wir nichts zu tun.

  6. Selçuk sagt:

    „Ihre peinlichen Sprüche können sie Bewohnern in irgendwelchen Ghettos an den Kopf schmeissen,NICHT mir.“

    Warum denn das? Kennen Sie alle Menschen, die in den so genannten Ghettos leben? Warum dürfen sie sich so ein Bla Bla anhören und Sie nicht? Weil Sie bestens integriert sind und alle in einem „Ghetto“ lebenden Menschen nicht?

    Wenn ja, finde ich Ihre Aussage sehr beschämend. Falls ich Sie aber missverstanden haben sollte, bitte ich Sie um eine Klarstellung.

    Vielen Dank.

  7. Dybth sagt:

    @Sunset

    sparen Sie sich Ihre Muehe. Glauben Sie wirklich, dass Sie mit rationalen Argumenten PImaten wie Kevin ueberzeugen koennen? Solche Menschen brauchen immer ein Feindbild. Selbst wenn Sie ‚rueckgefuehrt werden‘, Kevin wird schon ein anderes Feindbild finden.

  8. sunset sagt:

    @Dybth
    Ja,das ist zu befürchten.Wenn es hier keine türkischstämmigen mehr gibt,dann müssen andere Minderheiten an Kevins Aussagen glauben.Und wenn es keine ethnischen Minderheiten gibt,dann werden es wohl Fans von Punk-Bands werden oder Schwule oder alle,die einen Pickel auf der Stirn haben….usw.

    @Selcuk
    Ich rege mich auf,weil nicht differenziert wird,zwischen modernen,gebildeten Türken und der „Ey isch schwör,Alter“-Fraktion.
    Letzteren geschieht nicht einmal unrecht,wenn man sie nicht mag.

    • Selçuk sagt:

      Tut mir leid, aber differenzieren tun Sie genauso wenig. In den „Ghettos“ werden Sie nicht nur auf „Ey isch schwör,Alter“ treffen.

  9. martin.opek sagt:

    Super Interview! Was will eigentlich dieser Kevin. Er soll mal das Buch lesen. Dann sehen wir weiter. Viele Grüße, Martin

  10. sunset sagt:

    Ich muss die ganze Zeit an das Ergebnis einer Studie denken,die man überall lesen kann,welches lautet:
    „Kevin ist kein Name,sondern eine Diagnose.“