In der Schule

Anja ist die schlechteste

Eine fiktive Geschichte einer unmöglichen Lehrerin und der kleinen Anja, die jegliche Lust und Motivation an der Schule verliert weil Sie zu Unrecht als Verliererin und als die schlechteste Schülerin der Schule bezeichnet wird. Fortan hänseln und belästigen ihre MitschülerInnen Sie als doof, unwillig und unfähig.

Von Donnerstag, 26.02.2009, 10:32 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 12.08.2010, 6:15 Uhr Lesedauer: 5 Minuten  |   Drucken

Man stelle sich eine Lehrerin vor, diein der Schule einen Wettbewerb startet. Dazu nominiert sie jeweils ein Mädchen und einen Jungen aus den Jahrgangsstufen fünf bis zehn. Sie möchte die SchülerInnen in den Disziplinen Kopfrechnen, 100-Meter Sprint und Englischvokabeln gegeneinander antreten lassen und nach deren Leistung benoten.

Bevor der Wettbewerb beginnt, erläutert Sie in aller Ausführlichkeit, weshalb beispielsweise Jungs im Vergleich zu den Mädchen aufgrund unterschiedlicher körperlicher Voraussetzungen leistungsstärker im Sport sind oder SchülerInnen aus den höheren Jahrgängen im Vergleich zu denen aus den Jüngeren besser in Mathe und Englisch sein werden.

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Anschließend beginnt der Wettbewerb. In Mathe und Englisch erhalten SchülerInnen aus der Jahrgansstufe zehn – sagen wir mal – im Schnitt 100 Punkte; die aus der neunten Jahrgangsstufe 90 usw. In Sport kommt es zwar teilweise zu Überschneidungen, doch schneiden Jungs überwiegend besser ab als Mädchen.

Schließlich kommt es zur Notenvergabe. Um ein vermeintlich gerechtes System zu entwickeln, erstellt die Lehrerin ein Bewertungsskala von eins für „sehr gut“ bis sechs für „ungenügend“. Gemessen an den Bestleistungen in Sport, Mathe und Englisch, erhalten SchülerInnen aus den oberen Jahrgangsstufen bessere Noten als jüngere Schülerinnen aus den unteren Jahrgangsstufen.

Die Lehrerin addiert nun die Noten der einzelnen Schülerinnen und dividiert es durch drei. Marco aus der zehnten Klasse schneidet aufgrund besonderer sportlicher Leistungen am besten ab, obwohl er in Mathe und Englisch einige Schwächen zeigt. Die kleine Anja aus der fünften Klasse hingegen am schlechtesten. Besonders im 100-Meter-Sprint hat sie im Gesamtvergleich besonders schlecht abgeschnitten.

Nachdem der Wettbewerb abgeschlossen ist, übergibt die Lehrerin die Ergebnisse des Wettbewerbs der Redaktion der Schülerzeitung. Die Nachricht erscheint in der neuen Ausgabe der Schülerzeitung mit dem Titel „Anja aus der 5b ist die schlechteste in der Schule“.

Traurig über diese Schlagzeile, verliert die kleine Anja die Lust an der Schule, da sie fortan von den übrigen SchülerInnen gehänselt wird. MitschülerInnen kritzeln, wohin sie nur können „Anja ist die schlechteste in der Schule“, bis auch der/die letzte SchülerIn vom schlechten Abschneiden der kleinen Anja mitbekommt. Die meisten Lehrer hingegen finden die Ergebnisse des Wettbewerbs äußerst interessant und meinen, dass man Dank der Ergebnisse sehe, wo am meisten Handlungsbedarf sei und welche SchülerInnen am meisten gefördert werden müssen.

Als die Eltern von Anja über die Stimmung gegen ihre Tochter erfahren, beschweren sie sich und stellen die Lehrerin zur Rede. Die aber führt aus, dass sie vorab über die unterschiedlichen Voraussetzungen der SchülerInnen aufgeklärt habe. Außerdem seien die Ursachen nicht in die Endergebnisse des Wettbewerbs eingeflossen. Schließlich handele es sich lediglich um eine statistische Auswertung, die lediglich eine Momentaufnahme darstelle.

Absurd? Unmöglich? Keinesfalls!

Nichts anderes ist vor wenigen Wochen in Deutschland im großen Stile passiert. Das Berliner Institut für Bevölkerung und Entwicklung hat in der Integrationsstudie „Ungenutzte Potenziale“ aus zwanzig Indikatoren versucht herauszufinden, welche Migrantengruppe am besten integriert ist. Dabei wurden beispielsweise Spätaussiedler, die per Gesetz ausnahmslos die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten haben, mit Türken und anderen Migrantengruppen verglichen. Spätaussiedler erhielten hierbei wenig überraschend die Bestnote, während Türken vergleichsweise schlechter abgeschnitten haben. Viele weitere Indikatoren, die aufgrund unterschiedlicher Voraussetzungen der Vergleichsgruppen für direkte Vergleiche ungeeignet waren, wurden ausgewertet, addiert und durch die Anzahl der Indikatoren dividiert.

Die Ergebnisse dieser sog. Studie wurden dem Nachrichtenmagazin Spiegel exklusiv zur Verfügung gestellt, die in der Printausgabe 5/2009 auf Seite 32 vollkommen an den dynamischen Indikatoren der Studie vorbei „Für immer Fremd“ titelte mit dem Hinweis, dass „Vor allem Türken“ zu den „Verlierern“ zählen. Einige Tage zuvor (24.01.2009) warb Spiegel Online für die Printausgabe mit dem Titel „Türken sind mit Abstand am schlechtesten integriert“. Nahezu die gesamte Presselandschaft folgte dieser Aussage.

Die Welt (26.01.2009) beispielsweise meinte zu wissen „Warum Türken bei der Integration nicht mitspielen“. Die FAZ meinte noch einmal die Studienergebnisse mit eigenen Worten wiedergeben zu müssen: „Türken haben den größten Nachholbedarf“.

In den Folgetagen meldeten sich Islamwissenschaftler und Migrantenverbände zu Wort und machten auf die Defizite der Studie aufmerksam. Die deutsche Presselandschaft zeigte sich verwundert über die „Empörung“ (Süddeutsche Zeitung vom 27.01.2009). Die Frankfurter Rundschau titelte „Türken wehren sich“. Das Berliner Institut verteidigte seine Arbeit und machte darauf aufmerksam, dass die Ergebnisse der Studie lediglich eine Auswertung des Mikrozensus seien. Die Ergebnisse würden mögliche Ursachen gänzlich außen vor lassen.

Jedenfalls beschäftigten die Ergebnisse der Studie die deutsche Öffentlichkeit mehrere Tage mit einem äußerst negativen Grundtenor zu Lasten der Türken. Politiker aller Couleur kamen zu Wort: Von Angela Merkel bis hin zum Kreisverbandsstellvertretenden meinten, die Ergebnisse der Studie für interessant und erkenntnisreich erklären zu müssen.

Die Moral der Geschichte lässt sich am anschaulichsten wieder am Beispiel der kleinen Anja aus der fünften Klasse veranschaulichen. Obwohl von Anfang klar war, dass ungleiche Voraussetzungen zu ungleichen Ergebnissen führen, wurde die kleine Anja öffentlich und vollkommen zu Unrecht als Verliererin dargestellt.

Das Beispiel zeigt aber offen, wie es um das Integrationsland Deutschland steht. Migranten werden allzu gerne und bei jeder sich bietenden Gelegenheit als Verlierer, unwillig oder schlecht dargestellt. Dabei beruft man sich nicht selten auf vermeintliche Studien oder sogar Einzelmeinungen. Rechtfertigen tut man sich oft mit dem Argument, dass man wichtige Themen nicht Totschweigen dürfe. Was allerdings solche und ähnliche öffentliche Brandmarkungen bei Migranten verursachen, wird nahezu immer unberücksichtigt gelassen.

Einer Übertragung der Situation der kleinen Anja auf die vermeintlichen „Verlierer“ der Integrationsstudie – die Türken – ist an dieser Stelle nicht notwendig. Die Auswirkungen der öffentlichen Brandmarkung bei den Türken kann man sich denken. Sie verlieren die Motivation. Ob sich Deutschland das leisten kann, darf zu Recht bezweifelt werden.

Selbstverständlich müssen wichtige gesellschaftliche Themen angesprochen und erörtert werden. Insbesondere dort, wo Probleme verortet werden, müssen diese diskutiert werden. Allerdings wäre es hilfreich, wenn man dabei sachlich bleibt und ein Mindestmaß an Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit wahrt. Die „Studie“ des Berliner Instituts ist offensichtlich ungeeignet gewesen, um daraus generelle Schlussfolgerung zu ziehen. Allenfalls einzelne Indikatoren bieten eine Momentaufnahme. Entsprechend hätten sich – wenn nicht schon die Medien – zumindest verantwortliche Politiker zu benehmen wissen müssen. So aber haben sie sich von den MitschülerInnen der kleinen Anja in keinster Weise unterschieden.

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  1. Ozan sagt:

    Sehr guter Artikel, der das Problem auf den Punkt bringt. Wer tagein tagaus den Medien entnimmt, man sei ein Problemfall, ein „Gast“, den man u.U. in seine vermeintliche Heimat zurückzuschicken gedenkt, benimmt sich dementsprechend. Stichwort: Self-fulfilling-Prophecy.

  2. Tolga sagt:

    Der Vergleich mit Anja hinkt nicht nur, sondern kann nicht mal stehen.
    1.) Wird hier keine Einzelperson beurteilt. Die Studie ist also so ungerecht wie der Medaillenspiegel bei Olympia.
    2.) Geht es hier nämlich nicht um, so sollte man meinen, kleines Kind, sondern um erwachsene Menschen, die gelernt haben sollten, mit Kritik umzugehen. Man sollte nicht trotzig und beleidigt reagieren.

  3. Hüseyin sagt:

    Ich bin letztens auf dieses Magazin gestoßen und ich muss sagen ich habe es sofort auf Favoriten gestellt, durch Artikel wie diese.Ich muss mich 1.bedanken 2.ein lob ausbringen für diesen Artikel. Finde ist gut gelungen.

    Wegen diesem Test ist komisch die wo am schlechtesten abschneiden von denen sieht man die meisten Personen die sich selbstständig gemacht haben.

    Ps.1 man muss das alles was hier in dem migazin steht vermarkten damit es jeder liest.

    Ps.2 Ich selbst bin 18 und mache gerade Fachabi danach will ich entweder Polizei Beamter werden oder in die Kaufmänische Branche mich begeben also so falsch machen wir es auch nicht :-P

    Schöne Grüße an das gesamte Team hier und nochmals ein Lob an den Autoren Herr Senol

    Hüseyin.y

  4. Krischan Piepengruen, OStR sagt:

    „Das Beispiel zeigt aber offen, wie es um das Integrationsland Deutschland steht. Migranten werden allzu gerne und bei jeder sich bietenden Gelegenheit als Verlierer, unwillig oder schlecht dargestellt.“

    Lieber Herr Senol,

    da verwechseln Sie etwas:

    Es geht nicht um Migranten im allgemeinen, sondern vor allem um Türken und Araber.
    Sie haben in der Studie doch auch gewiss etwas über den stupenden Integrationserfolg der Vietnamesen gefunden, nicht wahr?

    Wie ist dieser Erfolg eigentlich zu erklären?
    Und warum ist er bei fast allen vietnamesischen Kindern zu finden?
    Und warum versagen – leider! – so viele Türken und Araber auf unseren Schulen?
    (Die Statistik ist ganz eindeutig und läßt sich nicht zurechtbieghen.)

    Nein, soziale Gründe sind es nicht.
    Auch die vietnamesischen Kinder kommen aus sogenannten bildungsfernen Schichten.
    Ihre Eltern können kaum Deutsch und helfen ihnen auch nicht bei den Hausaufgaben.

    Aus meinen langjährigen Erfahrungen als Oberstudienrat an einem Gymmnasium in Klassen mit bis zu 80 % Migrantionshintergrund glaube ich den Grund zu wissen: es ist das (für uns Deutsche oft abstoßende) türkisch-arabische Überlegensheitsgefühl, aus religiösen Gründen aus einer besseren Kultur zu kommen: Wieso sollte jemand, der sich von Allah rechtgeleitet wähnt, auf eine dumme deutsche blonde Lehrerin hören?

    Dieses Überlegenheitsgefühl, dieser religiöse Hochmut kommt bei vietnamesischen Kindern nicht vor.
    Die sind nämlich hierher gekommen um etwas zu lernen.

    Der fürchterliche Herr Erdogan, der sich im letzten Jahr mit frecher Anmaßung in ganz Köln als „Führer“ plakatieren hat lassen, hat doch genau in dieses Horn gestoßen: „Assimilation ist ein Verbrechen“ etc pp.

    Also, Herr Senol, ich habe das Meinige getan, nun tun Sie das Ihre und bringen Ihren Landsleuten mal ein bißchen Respekt vor unserer Kultur bei. Wegen der sind die Türken doch letztendlich nach Deutschland gekommen. Und wem’s hier nicht passt: der packe eben seine Siebensachen und ziehe bitte dahin, wo man als Türke 100% türkisch sein kann, nämlich in die Türkei.

    Mit freundlichen Grüßen
    Krischan Piepenguen

    • @ Krischan Piepengruen, OStR

      „Sie haben in der Studie doch auch gewiss etwas über den stupenden Integrationserfolg der Vietnamesen gefunden, nicht wahr?“

      Eine rhetorische Frage, die Sie da stellen. Und dennoch beantworte ich sie mit „ja“, wenn Sie mir meine Frage beantworten: Haben Sie die Studie über die 56. Seite hinaus gelesen, wo ausgeführt wird, dass Türken in Saarland in Punkto Bildung deutlich schlechter abschneiden als beispielsweise in Berlin oder Bayern? Wenn ja, wie erklären Sie uns dann Ihre Aussage:

      „Nein, soziale Gründe sind es nicht.“

      Sind muslimische Kinder in Berlin oder Bayern anders als muslimische Kinder im Saarland? Siehe auch hier: http://www.migazin.de/2009/02/26/integrationsmonitor-des-instituts-der-deutschen-wirtschaft-koln-auslanderintegration-meist-fehlanzeige/

      Wenn nein, empfehle ich Ihnen dringend, die Studie zu Ende zu lesen. So schlecht sie auch ist, einige Grundkenntnisse vermittelt sie schon noch.

      Um ehrlich zu sein bin ich äußerst erstaunt über Ihre Argumentation. Auf der einen Seite werfen Sie muslimischen Kindern pauschal vor, sie seien schlecht in der Schule aufgrund ihrer religiösen Überzeugung. Auf der anderen Seite hegen Sie als Oberstudienrat ungeheuerliche Vorurteile gegenüber muslimischen Kindern und Jugendlichen. Möglicherweise hängt das schlechte Abschneiden muslimischer Schüler ja daran, dass beispielsweise Sie als Oberstudienrat muslimischen Kindern und Jugendlichen gegenüber Vorurteile hegen und entsprechend befangen sind und benachteiligen.

      Darüber, weshalb manche muslimische Kinder – nicht alle! – ein Überlegenheitsgefühl demonstrieren, kann man streiten. Die eine Untersuchung geht von Minderwertigkeitskomplexen aufgrund äußeren Faktoren (Medien, Umfeld etc.) aus, die andere von mangelhafter Erziehung, wieder ander von sozialen Faktoren. Wie auch immer. Es gibt Defizite.

      Sie aber – als Oberstudienrat – müssen wissen, dass Kinder, die nach der Reform des Staatsangehörigkeitsrechts im Jahre 2000 in Deutschland geboren wurden und künftig noch werden, unabhängig vom Glauben, in den allermeisten Fällen als deutsche Staatsbürger auf die Welt kommen. Ob nun Komplexe, falsche Erziehung, das soziale Umfeld oder von allem etwas für die Misere ursächlich ist: Sie sind laut ihrem Erziehungs- und Bildungsauftrag für die Erziehung und Bildung dieser Kinder verantwortlich und nicht für deren Ausweisung, was aufgrund der Staatsangehörigkeit sowieso unmöglich wäre.

      „Also, Herr Senol, ich habe das Meinige getan, nun tun Sie das Ihre und bringen Ihren Landsleuten mal ein bißchen Respekt vor unserer Kultur bei.“

      Das tue ich bereits. Ich diskutiere mit Ihnen. Ich bin deutscher Staatsbürger.

    • Bekir Altas sagt:

      Sehr geehrte Frau Oberstudienrätin,

      vorab möchte ich Ihnen den folgenden Artikel empfehlen: http://egora.uni-muenster.de/ew/personen/medien/gomolla.pdf

      Des weiteren würde mich interessieren, an welcher Schule Sie unterrichten? 80 % Migrantenanteil an einem Gymnasium ist vielversprechend. Ich würde es gern auf Migazin vorstellen.

      MfG

  5. Hülya sagt:

    Hallo Miteinander,

    In den 95 Seiten der genannten Studie wird die erfolgreiche Integration entweder mit der „Einbürgerung“ gleichgesetzt oder mit der „Assimilierung“.

    So interessant die Studie auch sein mag -interessant wegen seiner Kriterien-, so sehr hat sie einen großen Anteil an Wertlosigkeit in der Auswertung. Die Kriterien sind interessant, weil es Kriterien sind, die weder genügend durchdacht noch mit wohlwollendem Ansatz zur Bewertung herangezogen wurden.

    Die Studie zeigt mir lediglich, dass die Definition von „Integration“ je nach belieben interpretiert wird. Die Assimilation mit der Integration gleich zu setzen löst bei mir ein Kopfschütteln aus.

    Die Ausübung und Auslegung solch einer Studie hängt auch immer vom Wohlwollen ab. „Was will ich mit dem Ergebnis erreichen?“ Das Ergebnis dieser von realitätsfernen Kriterien beseelten Studie und der noch gravierenderen Medienerstattung unterstreicht doch lediglich die Vorurteile, die bis dato gegen Türken vorlagen.

    Mit dieser Herangehensweise, dass man eine Bevölkerungsgruppe als „Looser“ betitelt wie z.B. im Spiegel, erzielt man in der Gesellschaft kontraproduktive Ergebnisse. Es sei den, die Betroffenen (in diesem Fall die Schüler und Hausfrauen als Beispiel) nehmen es als Ansporn an. Die Schüler fangen an noch mehr zu lernen, deren Eltern setzen sich noch mehr für die Leistungen ihrer Kinder ein und die Hausfrauen bauen ihre Tupperpartys weiter aus (besonders unter den moslemischen Mitbürgerinnen sind Tupper – bzw. Kochpartys sehr beliebt, an der nicht selten viele Deutsche auch teilnehmen und wo die Partys sich zum kulturellen Austausch als Nebeneffekt anbieten!!! Diese werden jedoch in keiner Studie erwähnt).

    Der Artikel von Herrn Senol ist eine sehr gute Metapher, um die 95 Seiten dieser Studie in einfachen Worten zu veranschaulichen.
    Auch wenn der Ansatz der Studie gelungen mag, so sind die Auswertungskriterien weit verfehlt.

    Die Veranschulichung von Herrn Senol hier, sehe ich als einen Ruf nach „Gerechtigkeit“.
    Sie alle kennen den Unterschied zwischen „das Glas ist halb leer“ und dem des „das Glas ist halb voll“; also, warum sollen destruktive pseudo-wissenschaftliche Pseudo-Erkenntnisse als Faktum in die Weltgeschichte geschickt werden, wenn diese ihrem wissenhaftlichem Charakter nicht gerecht werden können.

    Meiner Meinung nach ist vorerst die dringlichste Aufgabe, den Begriff der Integration von der „Assimilation“ fern zu halten; wir sind hier nicht in einem chemischen Labor, wo auf dem Fließband eine in Burka verkleidete Frau in eine Zauberbox rein rollt und anschließend als Barbie-Puppe raus kommt.

    Was verstehen die einzelnen Teilnehmer an dieser Diskussion unter „Integration“?

    Freundliche Grüsse

    Hülya Lehr

  6. Krischan Piepengruen sagt:

    Noch zwei Bemerkungen:

    Erstens:

    „Auch wenn jeder zweite in der Schule floppt,
    unser Glauben kommt von Gott“

    Diesen schönen Vers reiche ich als Fußnote zu meiner Bemerkung über die Hybris vieler moslemischer Schulversager nach. Ich habe ihn eben auf der Youtube-Seite eines jungen Arabers gefunden, der vor einigen Tagen in Berlin seinen behinderten deutschen Nachbarn mit unzähligen Messerstichen abgeschlachtet hat. („Momoblack“, kann jeder selbst nachgoogeln …)

    Also, lieber Herr Senol, da müßte man mal in Ihrem Blog ansetzen …

    Zweitens:

    Sie schreiben:

    „Sie sind laut ihrem Erziehungs- und Bildungsauftrag für die Erziehung und Bildung dieser Kinder verantwortlich und nicht für deren Ausweisung, was aufgrund der Staatsangehörigkeit sowieso unmöglich wäre.“

    Ich meine:

    Zu den Voraussetzungen für meinen Erziehungs- und Bildungsauftrag als Lehrer an einem deutschen Gymnasium gehört, dass sich die Schüler ihrerseits an eine Schulordnung halten, die ihnen wiederum ganz konkrete Pflichten auferlegt, etwa Disziplin (im Rahmen der Schulordnung), aktive Mitarbeit im Unterricht, Anfertigen von Hausaufgaben, sozialverträgliches Verhalten, Teilnahme an Schulveranstaltungen etc pp.

    Jetzt dürfen Sie mal raten, warum türkische und arabische Schüler in der Schule – wie’s unser Freund Momoblack so schön beschrieben hat – so oft „floppen“ (und warum unsere vietnamesischen Schüler so gut sind!).

    Und noch eine kleine Anregung:

    Die Anrede schreibt man im Deutschen deshalb groß, weil sich so im Satzbau die Bezüge leichter herstellen lassen!

    Wir schreiben also nicht:

    „Sie sind laut ihrem Erziehungs- und Bildungsauftrag für die Erziehung und Bildung dieser Kinder verantwortlich“

    sondern:

    „Sie sind laut Ihrem Erziehungs- und Bildungsauftrag für die Erziehung und Bildung dieser Kinder verantwortlich“

    Nichts zu danken.
    Gern geschehen.

    • Hülya sagt:

      @ Krischan Piepengrün

      Hier ein kleiner Nachtrag zu Ihrer Bemerkung über das Video von Momoblack.
      Im Spiegel-Online ist heute der Fall mit Video und Kommentar zusehen.

      Es wird klargestellt, dass Mohammed H. psychischen Störungen unterliegt und derzeit verhaftet und in die Psychiatrie eingewiesen wurde. Dennoch wird er sich für Mord vor Gericht verantworten müssen. Es ist jedoch unklar ob er in der Psychiatrie bleibt oder ins Gefängnis kommt.

      Die Wahrscheinlichkeit, dass er nach drei Jahren wieder auf freiem Fuß ist, sollte nach den vorliegenden Erfahrungswerten erwartet werden!

      MfG

      Hülya Lehr

  7. Hülya sagt:

    @ Krischan Piepengrün

    Hallo,

    hier einige persönliche Bemerkungen zu Ihren Kommentaren:

    Sie fragen:

    „Wie ist dieser Erfolg eigentlich zu erklären?“

    Der Erfolg, so wie es in dem Zeitungsartikel vom 22. Januar in „die Zeit“ beschrieben wurde und in der B-Studie zu lesen ist, wird lediglich anhand der Schulnoten dargestellt. Die Frage der Selbstmordrate unter den Fern-Ost-Asiaten wird nicht erwähnt.
    Und, sind es nicht die deutschen Erziehungswissenschaftler, die vom Erfolgsdruck in der Schule abraten und versuchen humanere Schulkonzepte auszuarbeiten?
    Sie haben auch bestimmt im Artikel die psychischen Herausforderungen dieser Kinder gelesen; und auch von der Angleichung ihrer Leistungen zunehmend an die der deutschen Kinder.

    Sie fragen:
    „Und warum ist er bei fast allen vietnamesischen Kindern zu finden?“

    Der Zeitungsartikel gibt eine gute Erklärung warum vietnamesische Kinder bessere Schulnoten haben: Angst!
    Die Auswirkungen auf das spätere Leben bei einer Erziehung mit der Angst sind wohl uns allen bekannt.
    Was lediglich zu kurz kommt, ist die Tatsache, dass in die ehemalige DDR lediglich die auserwählten Vietnamesen Zutritt bekommen haben. Sie waren nicht für Hilfarbeiterjobs vorgesehen, sondern für die technische Entwicklung des Landes. Es waren nur Ingenieure; natürlich haben sie auch ganz andere Erwartungshaltungen an ihre Kinder. Wer will schon, dass das eigene Kind geringer Qualifiziert ist, als sich selbst.

    Sie fragen:
    „Und warum versagen – leider! – so viele Türken und Araber auf unseren Schulen?
    (Die Statistik ist ganz eindeutig und läßt sich nicht zurechtbieghen.)“

    Anhand der auch mir vorliegenden Studie lässt sich die Frage wie folgt stellen:
    Warum werden die Türken und Araber zum Versager gemacht? Hier ist die Antwort sehr einfach: Anhand solcher Studien, die von Personen wie Ihnen gerne als Instrument gegen Personen mit islamischem Background benutzt werden. Es ist interessant, warum Sie Türken und Araber in eine Schale bringen. Obwohl die Ergebnisse aus dem Nahen Osten tendenziell bessere „Erfolgswerte“ aufweisen. Mögen Sie etwa die Araber nicht?

    Sie teilen mit:
    “Auch wenn jeder zweite in der Schule floppt,
    unser Glauben kommt von Gott”
    „Diesen schönen Vers reiche ich als Fußnote zu meiner Bemerkung über die Hybris vieler moslemischer Schulversager nach. Ich habe ihn eben auf der Youtube-Seite eines jungen Arabers gefunden, der vor einigen Tagen in Berlin seinen behinderten deutschen Nachbarn mit unzähligen Messerstichen abgeschlachtet hat. “

    Ich hoffe, Sie haben Ihre Erkenntnis zuerst der Kriminalpolizei mitgeteilt, sofern es denen vorher nicht bekannt war.
    Was das „Floppen“ betrifft, so werden Sie es sicherlich nicht als einen „islamischen Nebeneffekt“ darstellen wollen, da ich Sie als Oberstudienrat, doch unter den weitsichtigen Intellektuellen sehen würde.
    Die Jugendkriminalität steht hier nicht zur Diskussion, es gibt jedoch ein (schönes!) Buch unter dem Menü Fuelliton auf dieser Homepage „Arabboy“, da können Sie Ihren Gedanken freien Lauf lassen.
    Wie es allerdings auch auf Seite 86 der Studie unter Punkt 3 (letzter Absatz ) erwähnt wird, können Ihre Erfahrungen zu diesem Thema in eines der weiteren Studien des Berliner Instituts berücksichtigt werden.

    Ihr Zitat:
    „Zu den Voraussetzungen für meinen Erziehungs- und Bildungsauftrag als Lehrer an einem deutschen Gymnasium gehört, dass sich die Schüler ihrerseits an eine Schulordnung halten, die ihnen wiederum ganz konkrete Pflichten auferlegt, etwa Disziplin (im Rahmen der Schulordnung), aktive Mitarbeit im Unterricht, Anfertigen von Hausaufgaben, sozialverträgliches Verhalten, Teilnahme an Schulveranstaltungen etc pp.“

    Um die Voraussetzungen für Ihren Erziehungs- und Bildungsauftrag umzusetzen benötigen Sie nicht nur „artige Schüler“, auch eine vernünftige Schulpolitik. Dazu gehört es auch, dass die Lehrkräfte sich dem Zeitgeist anpassen können. Den Schulkräften stehen große Herausforderungen an. Ich bewundere immer wieder Rektoren, wie sie aus einem Chaoshaufen einer Schule wieder eine Lernstätte aufbauen können, wo die Jugendlichen wieder Spaß am Lernen haben; wo sie an der Tafel nicht nur die Blondine sehen sondern einfach eine kompetente Person mit der sie ihre Bildungsziele erreichen wollen. Diese Rektoren und ihre Lehrer haben allerdings bevor sie mit ihrer Arbeit angefangen haben, ihre Vorurteile völlig abgelegt und mit der nötigen Portion an Nächstenliebe ihre Schüler wieder zum Motivieren gebracht.
    Vielleicht sollten auch Sie sich die Frage stellen, warum gerade bei Ihnen und bei Ihresgleichen die Schüler so frustriert reagieren? Und warum nicht bei anderen Ihrer Kollegen? Kann es daran liegen, dass die Schüler ihre Bezüge nicht nur im Satzbau artikuliert bekommen wollen sondern im gegenseitigen Respekt; wie es z.B. im Kinofilm „die Welle“ sehr schön veranschaulicht wird. (Ein ausgeflippter Lehrer wickelt die Kinder um den Finger, wobei bei dem anderen Lehrer der Hörsaal leer bleibt!).
    Es gibt gute Pädagogen und Schlechte – und es gibt Schüler und Jugendliche, gerade in sozialen Brennpunkten, für die die Schule die erste Anlaufstelle ist um in ihrer Hoffnungslosigkeit aufgefangen zu werden. Deshalb ist es heute wichtig, sehr gute Pädagogen zu haben.

    Hier ein sehr einfaches Beispiel von einer Grundschule:
    Als mein Sohn in eine (laut Papier) kleine und feine Grundschule eingeschult wurde, waren wir von Anfang an ein Dorn in den Augen der Rektorin wegen meiner Betonung, dass wir islamisch sind. Und das ich einen Wert darauf lege, dass der Name meines Kindes richtig geschrieben und beachtet wird (c a n – kann man sich eigentlich schnell merken). Schon in der zweiten Woche nach der Einschulung wurde mir mitgeteilt, dass mein Sohn nicht lesen und schreiben kann, er wäre der schlechteste in seiner Klasse. (Es ist keine fiktive Geschichte, sondern eine wahre Geschichte).
    Mein Sohn wurde als „Türke“ auf dem Pausenhof ständig von seinen Mitschülern gehänselt, sein Mitteilungsheft war jeden Tag voll mit Beschwerden (ohne Erklärungen) und dass er besonders im Englischunterricht stören würde.
    Ich habe darauf bestanden, dass ein Jugendpsychologe am Englischunterricht hospitiert. Das Ergebnis war eindeutig, die Lehrerin war überfordert und unfähig die Kinder für ihren Unterricht zu begeistern. Laut Gutachten des Psychologen waren alle Kinder gerade bei dieser Lehrerin unwillig für den Unterricht. (Es stellte sich auch heraus, dass diese Person nur im Rahmen des Unterrichtsgarantie Plus eine Aushilfskraft ohne Lehramtsstudium war!).
    Nach diesem Ergebnis, waren die Fronten für unseren Sohn noch härter. Er wurde nur noch gehänselt, nicht nur von den Kindern sogar auch von seiner Klassenlehrerin. Es ging soweit, dass die Rektorin der Schule, ohne unser Wissen und ohne eine Platzzusage von einer anderen Schule meinem Sohn seinen letzten Schultag erklärte. Es war ein Rausschmiss ohne mein Wissen. (Sie müssen bedenken, ein Kind wird in der zweiten Hälfte der 1. Klasse von der Schule verwiesen – ohne die Eltern zu benachrichtigen und ohne einen triftigen Grund; lediglich, dass die Rektorin mich als mündige Mutter nicht mehr auf ihrem Schulgelände sehen wollte!).
    Jetzt ist mein Sohn auf einer Grundschule mit sehr hohem Ausländeranteil. Dank der neuen Rektorin, der Lehrkräfte und den zusätzlichen Pädagogischen Kräften in der Schule fühlen sich alle 500 Kinder und deren Eltern sehr wohl in dieser Schule.
    FAZIT: Den Lehrkräften kommt die meiste Verantwortung zu, wenn Urteile über den „Erfolg“ von Schülern getroffen werden. (Das wird Ihnen auch der Rektor des Ostberliner-Barnim-Gymnasiums bestätigen können).
    Mit freundlichen Grüßen

    Hülya Lehr

  8. T. sagt:

    Ein schöner Artikel und eine sehr gute Antwort weiter oben, Herr Senol.

    Bezüglich: „Das tue ich bereits. Ich diskutiere mit Ihnen. Ich bin deutscher Staatsbürger. “
    Da haben Sie leider etwas Unrecht. Wie so oft entsteht hier keine „Diskussion“, sondern man ist gezwungen sich argumentativ gegen tief sitzende, emotional begründete Vorurteile und falsche Vorwürfe zu wehren.
    Eine Diskussion ist dann eine Diskussion, wenn man bereit ist nicht nur bloß zuzuhören sondern seinen Standpunkt zu erweitern oder eben eventuell zu überdenken. Im Falle der Oberstudienrätin ist diese Einstellung wohl leider nicht vorhanden. Als Gegenargument und Beleg wird ein Youtoube-Kommentar von einem Verurteilten genommen, dessen Worte wohl eindeutig unabhängig seiner Herkunft zu bewerten sind sondern eher seiner Geistesverfassung (nicht ALLES erklärt sich dadurch).

    Ich weiß nicht, ob es Ihnen Frau Lehrerin auffällt – aber jegliche Behauptungen, die Sie aufstellen (wirklich ALLE!! lesen Sie es mal kurz nach!) begründen Sie gar nicht erst oder nur anhand „ihrer Erfahrung“ wogegen man nicht seriös argumentieren kann. Sie haben eine starke emotionale Abwehrhaltung in Ihrer Sprache. Ich bezweifle dass sie es sich irgendwann einmal zur Aufgabe gemacht haben die Leute durch (konstruktive!!) Dialoge zu „verstehen“ die sich in kulturellen Faktoren von Ihnen unterscheiden. Mit Verlaub: Ich glaube Ihre Erfahrung ist mehr als Beobachter und (Ver)urteiler entstanden als jemand der sich aktiv engagiert hat. Es mag kindisch klingen aber das ist es nun auch (genauso sehr wie dass Sie dem „Türken“ hier jetzt auch noch Deutsche Rechtschreibung beibringen müssen um zu zeigen, dass SIE es drauf haben): Sie versuchen hier „gegen Menschen“ zu argumentieren. Als wäre das nicht verachtend und absurd genug, führen Sie als Beweisführung vom „ich weiß es besser“ bis zum „ich hab in Youtube gelesen“ lauter Aufzählungen. Egal wie unstichhaltig es ist, Sie müssen es bringen, damit Sie am Ende sagen können „Ich hab 10 Punkte gefunden die zeigen, dass es sich um schlechte Menschen handelt. Basta.“ Wer nach Wald sucht wird auch im Wasser welches finden.

    Aber das ist nicht erwachsen, das ist nicht konstruktiv – es ist auch keine rationale Diskussion.
    Und trotzdem: Täglich grüßt das Murmeltier…

  9. @Krischan Piepengruen

    „[…]Wieso sollte jemand, der sich von Allah rechtgeleitet wähnt, auf eine dumme deutsche blonde Lehrerin hören?

    Dieses Überlegenheitsgefühl, dieser religiöse Hochmut kommt bei vietnamesischen Kindern nicht vor.
    Die sind nämlich hierher gekommen um etwas zu lernen.[…]“

    Sehr geehrter Herr Piepengruen,

    der oben stehende Auszug aus Ihrem Beitrag ist diskussionswürdig.

    Sicherlich haben Sie im Rahmen Ihrer Arbeit als Lehrer gewisse Erfahrungen gesammelt, die traurige Beispiele misslungener Integration sind. Nur frage ich mich, ob man ernsthaft einzelne Erkenntnisse aus dem Alltag auf die Allgemeinheit übertragen und daraus Schlüsse ziehen darf, die dem großen Ganzen nicht gerecht werden.
    Das von Ihnen angeschnittene Überlegenheitsgefühl habe ich bei Türkeistämmigen Jugendlichen oft erlebt und kritisiert. Ihre Schilderungen suggerieren aber unglücklicherweise, dass alle Türkeistämmigen Jugendlichen per se ihre „dummen deutschen blonden Lehrerinnen“ nicht ernst nehmen würden. Sollte diese Suggestion von Ihnen beabsichtigt sein, möchte ich mich an dieser Stelle mit Ihren Schülern solidarisch erklären. Ich persönlich kenne viele Schülerinnen und Schüler, deren Eltern aus der Türkei einwanderten und die nicht dem von Ihnen hier gezeichneten Bild entsprechen. Viele, die ich persönlich gut kenne, entwickeln sich zu ganz anständigen und sozialen Menschen. Wie mit allem im Leben, gibt es „die“ Marsianer nicht -eher unterteilen sie sich dann noch einmal in gute und schlechte. Genauso wenig gibt es „die“ Deutschen oder „die“ Türken.

    Das religiöse Empfinden einiger Menschen in diesem Land stört mich auch – seien es nun Muslime, Christen oder andere. Mir persönlich wäre sehr daran gelegen, über Bildung und gesonderte Erziehungshilfen die Jugendlichen von morgen zu mündigen Bürgerinnen und Bürgern dieser Gesellschaft zu befördern. Doch ist hier Grenze zwischen staatlicher Bevormundung und Erziehung zur Mündigkeit nicht immer klar erkennbar. Deshalb sollten Menschen wie Sie in der alltäglichen Schularbeit Ihre Möglichkeiten voll ausschöpfen, Kinder und Jugendliche zum Entwurf neuer Lebenskonzepte zu ermutigen. Dabei sollten sie visionär sein: „Liebe Schüler, ein anderes Leben, eine andere Welt ist möglich. Es liegt an euch, diese Wege zu gehen und in neue Welten vorzudringen. Es wird nicht leicht, ihrer werdet wahrscheinlich Kopfschmerzen bekommen. Aber wenn ihr euch auf neue Pfade begebt, werdet ihr euch selbst besser kennen lernen und erfolgreicher. Lasst uns gemeinsam von dieser neuen Welt träumen.“ Auch diesbezüglich und in Anbetracht Ihres Beitrags frage ich mich jedoch, ob der von Ihnen geschilderte religiöse Hochmut tatsächlich auf alle Schülerinnen und Schüler zutrifft. Vielleicht könnten Sie eine Statistik zu diesem Thema als Beleg anführen?

    Vietnamesische Kinder sind meiner Erfahrung nach ganz toll. Das meine ich voll und ganz ernst. Im Rahmen einer Rucksackreise vom Norden Vietnams in Hanoi und Halong bis in den Süden nach Saigon durfte ich eine Vielzahl von ihnen persönlich kennen lernen. Die Erfahrung mit vietnamesischen Kindern in Deutschland fehlt mir aber. Nur frage mich auch in diesem Punkt, ob ein Schwarz-Weiß-Bild der Wirklichkeit entspricht.

    Ich bin der festen Überzeugung, dass wir den von Ihnen oberflächlich angekratzten Problemen in Deutschland mit einer aktiven Integrationspolitik Abhilfe schaffen können. Förderungen und Forderungen sollten hierbei gleichermaßen berücksichtigt werden. Die Stellung der Frau in der „migrantentypischen“ Familie spielt meines Erachtens eine zentrale Bedeutung. Bekanntlich gibt es aber auch in „urdeutschen“ Familien in diesem Bereich vereinzelt Schwierigkeiten. Allgemein sollte jedoch gelten: während Frauen in ihrem Streben nach mehr Individualität und Unabhängigkeit seitens Politik und Gesellschaft gefördert werden müssen, darf man auch getrost fordern, alte, zum Teil archaische Familienstrukturen abzuschmelzen. Dies dann aber bitte nicht nach der Manier von selbsternannten Feministinnen à la Frau Kelek, die einseitig Kritik üben ohne bereits erzielte Erfolge zu nennen, geschweige denn mögliche Lösungswege aufzuzeigen. Durch diese Art des fragwürdigen Dialogs werden nämlich Stimmungen erzeugt, die einer sachorientierten Problemlösung jeden fruchtbaren Boden entziehen.

    Wir brauchen auch eine neue Definition des Begriffs „deutsch“. Wer ist deutsch, wer nicht? Sind wirklich alle Bürgerinnen und Bürger, die zwar aufgrund ihrer Staatsangehörigkeit formell deutsch sind, denn auch nach ihrem eigenem Gusto deutsch?

    Erlauben Sie mir noch eine letzte Frage, Herr Piepengruen: warum sind „deutsche blonde Lehrerinnen“ „dumm“? Von wem stammt dieses Zitat?

    Gerne dürfen Sie meine Fehler korrigieren. Inhaltlich sowie stilistisch, grammatikalisch oder in der Rechtschreibung :)

  10. polatinum org. sagt:

    Sehr guter Beitrag. Wenn ich nicht männlich wäre, würde ich Hernn Senol einen Heiratsantrag machen.

    Weiter so!