MiGAZIN

Migration und Integration in Deutschland

In allen Zielstaaten der Arbeitsmigration weisen die Eltern der als Migranten erfassten Jugendlichen eine kürzere Schulbesuchszeit und einen geringeren ökonomischen, sozialen und kulturellen Status auf als die Eltern von Nichtmigranten. Nirgendwo ist dieser Unterschied … aber so stark wie in Deutschland.

Konsortium Bildungberichterstattung, Bildung in Deutschland, 2006

Distanzieren. Verurteilen. Schweigen.

Muslime nach einem Terroranschlag

Nach Terroranschlägen, die im Namen des Islam verübt werden, stellen sich viele Muslime immer wieder die Frage, wie sie reagieren sollen. Distanzieren, verurteilen oder schweigen? Von Said Rezek

said rezek, rezek, said, migazin, islam,muslime
Sais Rezek © Privat, bearb. MiG

VONSaid Rezek

Said Rezek studiert an der NRW School of Governance den Master - Studiengang Politikmanagement, Public Policy und öffentliche Verwaltung. Er beschäftigt sich inhaltlich mit Fragen der Einwanderungsgesellschaft, insbesondere mit der Medienberichterstattung über Muslime. Im Jahr 2015 erhielt er die Auszeichnung der Akademischen Arbeit des Jahres, welche vom Dachverband der schiitischen Muslime Deutschlands (IGS) ausgeschrieben wurde.

DATUM30. März 2016

KOMMENTARE1

RESSORTAktuell, Meinung

SCHLAGWÖRTER , ,

DRUCKENAnsicht

MEHR ZUM ARTIKEL

DANKE,
ich möchte MiGAZIN auch in Zukunft lesen!

Nach Terroranschlägen lassen sich immer wiederkehrende Muster in der öffentlichen Debatte identifizieren. In der Regel werden Muslime dazu aufgefordert, sich vom Terror zu distanzieren. Einige Muslime kommen im vorauseilenden Gehorsam dieser Forderung nach, noch ehe sie gestellt ist – ohne sich über die Bedeutung einer Distanzierung bewusst zu sein.

Distanzieren?

Wenn sich jemand distanziert, muss zuvor eine gewisse Nähe bestanden haben. Wenn sich also ein Muslim vom Terror distanziert, so sagt er zugleich auch, dass es zwischen ihm und dem Anschlag eine Nähe bestand – auch wenn man es nicht so meint. Faktisch wird eine Nähe hergestellt.

Verurteilen!

Wer den Terror hingegen verurteilt macht klar, dass er diese Handlung ablehnt. Dies wiederum setzt eine Distanz zur Tat voraus. Die überwiegende Mehrheit der Muslime weltweit, teilt diese Einstellung und lebt einen friedlichen Islam.

Schweigen?

Und dann gibt es noch Menschen, die sich vom Terror weder distanzieren, noch diesen verurteilen. Das Schweigen dieser Personen sollte nicht als Zustimmung interpretiert werden. Nicht jeder ist in der Lage eine Stellungnahme abzugeben oder ist der Überzeugung, etwas dazu sagen zu müssen. Auch das gilt es zu respektieren.

Schule!

Den Terror in der Schulen anzusprechen ist richtig und wichtig. Es hilft den Schülern, solche Ereignisse einzuordnen. Allerdings muss dieser Lehrstoff altersgerecht vermittelt werden und vor allem, ohne muslimische Schüler an den Rand zu drängen. Letztere sitzen in den Schulen nicht selten zwischen den Stühlen, wenn das Thema Terror unmittelbar nach Anschlägen behandelt wird. Aus dem Selbstverständnis der allermeisten muslimischen Schüler ist der Islam eine barmherzige Religion und hat nichts mit dem Terror zu tun. Andererseits wissen viele muslimischen Schüler nicht, wie sie diesen Widerspruch verarbeiten und erklären können. Es sind Fälle bekannt, in denen muslimische Schüler im Klassenraum in Tränen ausgebrochen sind, weil sie nicht wussten, wie sie mit der Situation umgehen sollen. Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt.

Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:

Ein Kommentar
Diskutieren Sie mit!»

  1. Magistrat sagt:

    Reden, reden, reden – es hilft nichts anderes, als miteinander ins Gespräch zu kommen. Gerade nach solchen abschäulichen Taten mitten in unseren Gesellschaften. Also, liebe Nichtmuslime, geht offen (ohne Vorverurteilung!!) auf Muslime zu und umgekehrt! Wirkt wirklich Wunder! Und bitte kein hämisches: „Na, was sagen Sie jetzt dazu?“
    Denn Muslime sind genauso Opfer des Terrors, wie jeder andere – wenn nicht sogar mehr (Lahore, Istanbul, Bagdad …)



Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...