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Aslydebatte

„Gutmensch“ ist Unwort des Jahres

Nachdenken über Sprache ist Ziel bei der Kür des Unwortes des Jahres. Die Jury wählte nun „Gutmensch“ aus. Der Begriff richte sich abwertend gegen Engagierte insbesondere in der Flüchtlingshilfe.

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Unwort des Jahres © MiG

Das Unwort des Jahres 2015 lautet „Gutmensch“. Mit diesem Begriff würden insbesondere diejenigen beschimpft, die sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagieren oder die sich gegen Angriffe auf Flüchtlingsheime stellen, sagte Jury-Sprecherin Nina Janich am Dienstag in Darmstadt nach der 25. Unwort-Wahl. Mit dem Vorwurf „Gutmensch/Gutbürger/Gutmenschentum“ würden „Toleranz und Hilfsbereitschaft pauschal als naiv, dumm und weltfremd, als Helfersyndrom oder moralischer Imperialismus diffamiert“. Die Verwendung dieses Ausdrucks verhindere einen demokratischen Austausch von Sachargumenten.

Außerdem gerügt wurde der Begriff „Hausaufgaben“ im Zusammenhang mit Griechenland. Er sei insbesondere von Politikern und Journalisten benutzt worden, um Unzufriedenheit damit auszudrücken, dass die griechische Regierung geforderte Reformen nicht wie verlangt umsetze. Das Wort degradiere souveräne Staaten und deren demokratisch gewählte Regierungen zu „unmündigen Schulkindern“. Der Begriff entspringe einer „Schule der Arroganz und nicht der Gemeinschaft“. An dritter Stelle wählte die Jury das Wort „Verschwulung“ aus einem Buchtitel des Autors Akif Pirincci. Der Ausdruck und die damit von dem Autor gemeinte „Verweichlichung der Männer“ stelle eine Diffamierung Homosexueller dar.

Eine unabhängige Jury aus Sprachwissenschaftlern, einem Journalisten und einem Kabarettisten hatte die Begriffe aus 669 verschiedenen Vorschlägen aus dem In- und Ausland ausgewählt. Insgesamt gab es 1.644 Einsendungen. Die Begriffe „Gutmensch/Gutbürger/Gutmenschentum“ wurden insgesamt 64-mal und damit am dritthäufigsten vorgeschlagen. Dreiviertel aller eingesandten Wörter entstammten dem Themenfeld Flüchtlinge/Asyl, wie die Sprachwissenschaftlerin Janich sagte, die an der Technischen Universität Darmstadt lehrt.

Auf den Plätzen folgten die Begriffe „Willkommenskultur“ (113 Einsendungen), „besorgte Bürger/besorgter Bürger“ (58), „Grexit“ (47), „Wir schaffen das!/Wir schaffen das schon!“ (46), „Flüchtlingskrise“ (42), „Wirtschaftsflüchtling/Wirtschaftsflüchtlinge“ (33), „Asylgegner/Asylkritiker/asylkritisch/Asylkritik/Zuwanderungskritiker“ (27) sowie „Griechenlandrettung/Griechenrettung/Griechenlandhilfe“ (27).

Bisherige Unworte

Das Unwort des Jahres wird seit 1991 von einer sprachkritischen Initiative gekürt. „Unwörter“ waren in den vergangenen Jahren „Lügenpresse“ (2014), „Sozialtourismus“ (2013″), „Opfer-Abo“ (2012) und „Döner-Morde“ (2011).

Die sprachkritische Aktion wurde 1991 von dem Frankfurter Germanistikprofessor Horst Dieter Schlosser initiiert. Die Aktion möchte den Blick auf Wörter und Formulierungen lenken, „die gegen sachliche Angemessenheit oder Humanität verstoßen“ und dadurch die Sprachsensibilität in der Bevölkerung fördern. „Mit der Unwort-Wahl wollen wir keine Sprachzensur ausüben, sondern das Nachdenken über Sprache und einen verantwortungsvollen Umgang mit ihr anregen“, betonte Janich.

Janich ist seit 2011 Jury-Sprecherin. Weitere Mitglieder sind die Sprachwissenschaftler Jürgen Schiewe (Universität Greifswald), Kersten Sven Roth (Universität Düsseldorf), Martin Wengeler (Universität Trier) sowie der freie Journalist Stephan Hebel. Externer Juror war in diesem Jahr der Kabarettist Georg Schramm. (epd/mig)

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