MiGAZIN

Fachmagazin für Migration und Integration in Deutschland

Das Beitragsaufkommen [in den Rentenversicherungen beträgt] auf Grund der Beschäftigung der ausländischen Arbeitnehmer jährlich rd. 1,2 Milliarden DM, während sich die Rentenzahlungen an ausländische Arbeitnehmer jährlich auf rd. 127 Millionen DM, also etwa ein Zehntel, belaufen.

Ludwig Kattenstroth, Staatssekretär im Arbeitsministerium, März 1966, Bundesvereinigung der Dt. Arbeitgeberverbände

Unwort-Vorschläge

Wird „Flüchtlingswelle“ Unwort des Jahres?

„Postfaktisch“ ist der am meisten vorgeschlagene Begriff für das „Unwort des Jahres 2016“. Es folgen „Populismus“, „besorgte Bürger“ und „Flüchtlingswelle“. Im Rennen sind aber auch „Integrationsromantik“ oder „Asylterror“. Das Unwort des Jahres wird am Dienstag bekanntgegeben.

Unwort, Unwort des Jahres, Gutmensch, Jury, 2015
Unwort des Jahres © MiG

Für das „Unwort des Jahres 2016“ ist der Begriff „postfaktisch“ am häufigsten vorgeschlagen worden. Der Grund dafür sei vermutlich, dass der Begriff vor einem Monat von der Gesellschaft für deutsche Sprache bereits zum „Wort des Jahres“ gekürt wurde, sagte die Sprecherin der „Unwort“-Jury, die Darmstädter Sprachwissenschaftlerin Nina Janich, dem Evangelischen Pressedienst. Das „Unwort des Jahres“ wird am Dienstag bekanntgegeben. Insgesamt seien 1.064 Einsendungen mit 594 Wortvorschlägen eingegangen.

Nach den 48 Nennungen von „postfaktisch“ sei das Wort „Populismus“ in verschiedenen Varianten 38-mal eingegangen, sagte Janich. Zugrunde liege wahrscheinlich ein Protest dagegen. Die Kritik an einer politischen Haltung entspreche aber nicht den „Unwort“-Kriterien. Wörter, die den Kriterien entsprechen und häufiger als fünfmal eingeschickt wurden, seien unter anderen „besorgte Bürger“, „erlebnis-/eventorientiert“ (für Schlägergruppen), „Flüchtlingswelle“ einschließlich anderer Katastrophenmetaphern, „Flüchtlingskrise“, „Rapefugees“, „Umvolkung“ und „völkisch“.

„Wir richten uns aber nie nach der Zahl der Einsendungen, sondern diskutieren in der Sache“, erklärte Janich. So kämen in die Wahl des „Unworts des Jahres“ auch Ausdrücke wie „Demokratieüberschuss“, „Volksverräter“, „Invasoren“, „Asylterror“, „Integrationsromantik“, „Dunkeldeutschland“ und „flexible Solidarität“.

Das „Unwort des Jahres“ wird von einer sprachkritischen Initiative gekürt. „Unwörter“ waren zuletzt „Gutmensch“ (2015), „Lügenpresse“ (2014) und „Sozialtourismus“ (2013″). Die sprachkritische Aktion wurde 1991 von dem Frankfurter Germanistikprofessor Horst Dieter Schlosser initiiert. Seit 2011 ist die Sprachwissenschaftlerin Nina Janich von der Technischen Universität Darmstadt Jury-Sprecherin. Weitere Mitglieder sind die Sprachwissenschaftler Jürgen Schiewe (Universität Greifswald), Kersten Sven Roth (Universität Düsseldorf), Martin Wengeler (Universität Trier) sowie der freie Publizist Stephan Hebel.

Die Jury kritisiert mit der Wahl Schlagworte, die „gegen das Prinzip der Menschenwürde“ und „Prinzipien der Demokratie“ verstoßen, weil sie „einzelne gesellschaftliche Gruppen diskriminieren“ oder „euphemistisch, verschleiernd oder gar irreführend“ sind. (epd/mig)

Testen Sie den kostenlosen MiGAZIN Newsletter:
Bitte beachten Sie unsere Netiquette. Vielen Dank!

Ihr Kommentar dazu:

MiGAZIN

Ziel und Zweck von MiGAZIN ist die Förderung der politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Partizipation von Migrant(inn)en in der Aufnahmegesellschaft. In diesem Sinne soll MiGAZIN die Kommunikation fördern und füreinander sensibilisieren. Mehr über uns...

MiGMACHEN

Die Redaktionsmitglieder von MiGAZIN haben vor allem eins gelernt: Wer über sein Wissen und seine Erfahrungen schreibt, lernt immens dazu. Die kritische Diskussion mit Lesern eröffnet neue Horizonte. Daher hat das MiGAZIN-Team die Aktion-MiGMACHEN ins Leben gerufen. Hier bieten wir allen Interessierten die Möglichkeit, MiGAZIN als Autor, Pate oder Jungautor mitzugestalten. Nähere Informationen...

GRIMME Online Award 2012

    Begründung der Jury: "Über Migranten und Migration wird in Deutschland viel gesprochen. Vor allem von Deutschen. Im Chor der vielen und oft sehr lauten Stimmen fehlen aber zumeist die der Migranten. Und genau diese Lücke füllt das MiGAZIN mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung." Weiter ...