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Bundesanstalt für Arbeit, Repräsentativuntersuchung ’72 über die Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer…, 1973

Diffamierend und antidemokratisch

Unwort des Jahres 2016 ist „Volksverräter“

Volksverräter. Mit diesem Begriff beschimpfen Rechte die Kanzlerin ebenso wie den Bundespräsidenten. Sprachwissenschaftler sehen darin eine antidemokratische Haltung. Er verneine die Gültigkeit der Grundrechte für alle Menschen.

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"Volksverräter" ist Unwort des Jahres 2016 © MiG

Das Unwort des Jahres 2016 lautet „Volksverräter“. Der Begriff sei ein typisches Erbe von Diktaturen, unter anderem der Nationalsozialisten, sagte die Jury-Sprecherin Nina Janich am Dienstag in Darmstadt. „Als Vorwurf gegenüber Politikern ist das Wort in einer Weise undifferenziert und diffamierend, dass ein solcher Sprachgebrauch das ernsthafte Gespräch und damit die für Demokratie notwendigen Diskussionen in der Gesellschaft abwürgt“, erklärte die Sprachwissenschaftlerin.

Der Wortbestandteil „Volk“ stehe dabei ähnlich wie im Nationalsozialismus nicht für das Staatsvolk als Ganzes, sondern für eine ethnische Kategorie, die Teile der Bevölkerung ausschließe, erläuterte Janich. „Damit ist der Ausdruck zudem antidemokratisch, weil er die Gültigkeit der Grundrechte für alle Menschen im Hoheitsgebiet der Bundesrepublik verneint“, zitierte die Jury-Sprecherin einen Einsender. Der Ausdruck „Volksverräter“ sei dreimal eingesendet worden.

„Postfaktisch“ am häufigsten vorgeschlagen

Eine unabhängige Jury aus Sprachwissenschaftlern und einem Publizisten hatte den Begriff aus 594 verschiedenen Vorschlägen ausgewählt, von denen rund 60 den Unwort-Kriterien entsprachen. Ein Großteil der Vorschläge habe sich gegen einen diffamierenden Sprachgebrauch im Themenfeld Migration und Flüchtlinge gerichtet, sagte Janich. Insgesamt gab es 1.064 Einsendungen. Im Vorjahr waren 1.644 Einsendungen mit 669 Vorschlägen eingegangen.

Die häufigsten Einsendungen waren nach Janichs Angaben die Wörter „postfaktisch“ (48), „Populismus/Rechtspopulismus“ (38), „(bedauerlicher) Einzelfall“ (21), „Gutmensch“ (18) und „(Flüchtlings-) Obergrenze (17). Sie hätten allerdings nicht sämtlich den Kriterien der Jury entsprochen. So rühre die Nennung des Wortes „Populismus“ wohl aus der Kritik an einer politischen Haltung, es sei aber kein „Unwort“.

Kein zweites und drittes Unwort

Die Jury verzichtete anders als in den vergangenen Jahren darauf, ein zweites und drittes „Unwort“ zu nennen. Sie wolle „der mit der einen Wahl ausgedrückten Kritik an dem derzeit in sozialen Netzwerken, aber auch in der Politik zunehmenden Sprachgebrauch mit faschistischem und fremdenfeindlichem Hintergrund mehr Gewicht verleihen“, erklärte Janich.

Das „Unwort des Jahres“ wird seit 1991 von einer unabhängigen sprachkritischen Initiative gekürt. Die Aktion will den Blick auf Wörter und Formulierungen lenken, „die gegen sachliche Angemessenheit oder Humanität verstoßen“ und dadurch die Sprachsensibilität in der Bevölkerung fördern. Die Aktion wolle darüber hinaus „in einer Zeit, in der der gesellschaftliche Konsens über die Grundprinzipien der Demokratie in Gefahr zu sein scheint, die Grenzen des öffentlich Sagbaren in unserer Gesellschaft anmahnen“, erläuterte Janich.

Rückblick auf die Unwörter

„Unwörter“ waren zuletzt „Gutmensch“ (2015), „Lügenpresse“ (2014), „Sozialtourismus“ (2013″), „Opfer-Abo“ (2012), „Döner-Morde“ (2011), „alternativlos“ (2010), „betriebsratsverseucht“ (2009), „notleidende Banken“ (2008), „Herdprämie“ (2007), „Freiwillige Ausreise“ (2006) und „Entlassungsproduktivität“ (2005).

Die sprachkritische Aktion wurde von dem Frankfurter Germanistikprofessor Horst Dieter Schlosser initiiert. Seit 2011 ist die Sprachwissenschaftlerin Nina Janich von der Technischen Universität Darmstadt Jury-Sprecherin. Weitere Mitglieder sind die Sprachwissenschaftler Jürgen Schiewe (Universität Greifswald), Kersten Sven Roth (Universität Düsseldorf), Martin Wengeler (Universität Trier) sowie der Autor und freie Journalist Stephan Hebel. Als jährlich wechselndes Mitglied war dieses Jahr die frühere Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) beteiligt. (epd/mig)

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