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Petition

Warum „Flüchtlingskrise“ ein Unwort ist

Wie oft haben wir den Begriff „Flüchtlingskrise“ in den letzten Wochen und Monaten gehört und verwendet? So salonfähig das Wort auf den ersten Blick auch klingen mag, eigentlich handelt es sich um ein Unwort.

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Petition: Warum Flüchtlingskrise "Unwort des Jahres" sein sollte.

VONSarah Gerwing

Sarah Gerwing hat "Internationale Migration und Interkulturelle Beziehungen" am IMIS in Osnabrück studiert und ist beruflich im Bereich Diversity Management tätig.

DATUM18. Dezember 2015

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RESSORTAktuell, Meinung

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Die Begriffsverwendung – insbesondere im politischen Kontext – richtet fälschlicherweise den Blick auf Flüchtlinge als Verursacher einer Krise. Man müsste aber von einer „Behördenkrise“ sprechen. Denn deutsche Behörden sind unzureichend auf die Anzahl der Menschen eingestellt, die Schutz suchen. Dass es zu einer Überforderung der Behörden in Deutschland kommen würde, ist intern schon lange bekannt. Die verschlafene Migrationspolitik trägt durch ihre Wortwahl „Flüchtlingskrise“ ihre Defizite auf dem Rücken schutzsuchender Menschen aus.

Insbesondere die folgenden drei Gründe zeigen auf, warum „Flüchtlingskrise“ ein Unwort ist:

  1. Es handelt sich um eine negative Diskriminierung geflüchteter Menschen. Das ist ein doppelter Schlag, da es sich hierbei um eine bereits diskriminierte Gruppe handelt. Sie hat eine lebensgefährliche Flucht auf sich genommen, um sich Diskriminierungen zu entziehen.
  2. Die Begriffsverwendung verschleiert die verdrängte Migrationspolitik Deutschlands.
  3. Der Interpretationsspielraum, „Flüchtlingskrise“ als Krise der Flüchtlinge im humanitären Sinne zu verstehen, steht dem kritischen Umgang mit dem Wort „Flüchtlingskrise“ im alltäglichen Sprachgebrauch im Wege.

In Zeiten vermehrter Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte und steigender Popularität rechtsnaher Parteien, sollte Politik und Gesellschaft an einer sensiblen, eindeutigen Begriffsverwendung gelegen sein.

Einen Weg sich proaktiv dafür einzusetzen, bietet die Petition „Unwort des Jahres 2015 = Flüchtlingskrise„. Durch die Verbreitung via E-Mail, twitter und facebook lässt sich für einen sprachsensiblen Umgang mit dem Flüchtlingsthema zu werben.

Ich bedanke mich an dieser Stelle für die Unterstützung. Ende des Monats werde ich die Petition bei der „Unwort des Jahres“-Jury einreichen.

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