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Migration und Integration in Deutschland

Der große Wert der Ausländerbeschäftigung liegt darin, dass wir hiermit über ein mobiles Arbeitskräftepotential verfügen. Es wäre gefährlich, diese Mobilität durch eine Ansiedlungspolitik größeren Stils einzuschränken.

Ulrich Freiherr von Gienanth, Der Arbeitgeber, 1966

In der Schule

Anja ist die schlechteste

Eine fiktive Geschichte einer unmöglichen Lehrerin und der kleinen Anja, die jegliche Lust und Motivation an der Schule verliert weil Sie zu Unrecht als Verliererin und als die schlechteste Schülerin der Schule bezeichnet wird. Fortan hänseln und belästigen ihre MitschülerInnen Sie als doof, unwillig und unfähig.

VONEkrem Senol

DATUM26. Februar 2009

KOMMENTARE16

RESSORTMeinung, Politik

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Man stelle sich eine Lehrerin vor, diein der Schule einen Wettbewerb startet. Dazu nominiert sie jeweils ein Mädchen und einen Jungen aus den Jahrgangsstufen fünf bis zehn. Sie möchte die SchülerInnen in den Disziplinen Kopfrechnen, 100-Meter Sprint und Englischvokabeln gegeneinander antreten lassen und nach deren Leistung benoten.

Bevor der Wettbewerb beginnt, erläutert Sie in aller Ausführlichkeit, weshalb beispielsweise Jungs im Vergleich zu den Mädchen aufgrund unterschiedlicher körperlicher Voraussetzungen leistungsstärker im Sport sind oder SchülerInnen aus den höheren Jahrgängen im Vergleich zu denen aus den Jüngeren besser in Mathe und Englisch sein werden.

Anschließend beginnt der Wettbewerb. In Mathe und Englisch erhalten SchülerInnen aus der Jahrgansstufe zehn – sagen wir mal – im Schnitt 100 Punkte; die aus der neunten Jahrgangsstufe 90 usw. In Sport kommt es zwar teilweise zu Überschneidungen, doch schneiden Jungs überwiegend besser ab als Mädchen.

Schließlich kommt es zur Notenvergabe. Um ein vermeintlich gerechtes System zu entwickeln, erstellt die Lehrerin ein Bewertungsskala von eins für „sehr gut“ bis sechs für „ungenügend“. Gemessen an den Bestleistungen in Sport, Mathe und Englisch, erhalten SchülerInnen aus den oberen Jahrgangsstufen bessere Noten als jüngere Schülerinnen aus den unteren Jahrgangsstufen.

Die Lehrerin addiert nun die Noten der einzelnen Schülerinnen und dividiert es durch drei. Marco aus der zehnten Klasse schneidet aufgrund besonderer sportlicher Leistungen am besten ab, obwohl er in Mathe und Englisch einige Schwächen zeigt. Die kleine Anja aus der fünften Klasse hingegen am schlechtesten. Besonders im 100-Meter-Sprint hat sie im Gesamtvergleich besonders schlecht abgeschnitten.

Nachdem der Wettbewerb abgeschlossen ist, übergibt die Lehrerin die Ergebnisse des Wettbewerbs der Redaktion der Schülerzeitung. Die Nachricht erscheint in der neuen Ausgabe der Schülerzeitung mit dem Titel „Anja aus der 5b ist die schlechteste in der Schule“.

Traurig über diese Schlagzeile, verliert die kleine Anja die Lust an der Schule, da sie fortan von den übrigen SchülerInnen gehänselt wird. MitschülerInnen kritzeln, wohin sie nur können „Anja ist die schlechteste in der Schule“, bis auch der/die letzte SchülerIn vom schlechten Abschneiden der kleinen Anja mitbekommt. Die meisten Lehrer hingegen finden die Ergebnisse des Wettbewerbs äußerst interessant und meinen, dass man Dank der Ergebnisse sehe, wo am meisten Handlungsbedarf sei und welche SchülerInnen am meisten gefördert werden müssen.

Als die Eltern von Anja über die Stimmung gegen ihre Tochter erfahren, beschweren sie sich und stellen die Lehrerin zur Rede. Die aber führt aus, dass sie vorab über die unterschiedlichen Voraussetzungen der SchülerInnen aufgeklärt habe. Außerdem seien die Ursachen nicht in die Endergebnisse des Wettbewerbs eingeflossen. Schließlich handele es sich lediglich um eine statistische Auswertung, die lediglich eine Momentaufnahme darstelle.

Absurd? Unmöglich? Keinesfalls!

Nichts anderes ist vor wenigen Wochen in Deutschland im großen Stile passiert. Das Berliner Institut für Bevölkerung und Entwicklung hat in der Integrationsstudie „Ungenutzte Potenziale“ aus zwanzig Indikatoren versucht herauszufinden, welche Migrantengruppe am besten integriert ist. Dabei wurden beispielsweise Spätaussiedler, die per Gesetz ausnahmslos die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten haben, mit Türken und anderen Migrantengruppen verglichen. Spätaussiedler erhielten hierbei wenig überraschend die Bestnote, während Türken vergleichsweise schlechter abgeschnitten haben. Viele weitere Indikatoren, die aufgrund unterschiedlicher Voraussetzungen der Vergleichsgruppen für direkte Vergleiche ungeeignet waren, wurden ausgewertet, addiert und durch die Anzahl der Indikatoren dividiert.

Die Ergebnisse dieser sog. Studie wurden dem Nachrichtenmagazin Spiegel exklusiv zur Verfügung gestellt, die in der Printausgabe 5/2009 auf Seite 32 vollkommen an den dynamischen Indikatoren der Studie vorbei „Für immer Fremd“ titelte mit dem Hinweis, dass „Vor allem Türken“ zu den „Verlierern“ zählen. Einige Tage zuvor (24.01.2009) warb Spiegel Online für die Printausgabe mit dem Titel „Türken sind mit Abstand am schlechtesten integriert“. Nahezu die gesamte Presselandschaft folgte dieser Aussage.

Die Welt (26.01.2009) beispielsweise meinte zu wissen „Warum Türken bei der Integration nicht mitspielen“. Die FAZ meinte noch einmal die Studienergebnisse mit eigenen Worten wiedergeben zu müssen: „Türken haben den größten Nachholbedarf“.

In den Folgetagen meldeten sich Islamwissenschaftler und Migrantenverbände zu Wort und machten auf die Defizite der Studie aufmerksam. Die deutsche Presselandschaft zeigte sich verwundert über die „Empörung“ (Süddeutsche Zeitung vom 27.01.2009). Die Frankfurter Rundschau titelte „Türken wehren sich“. Das Berliner Institut verteidigte seine Arbeit und machte darauf aufmerksam, dass die Ergebnisse der Studie lediglich eine Auswertung des Mikrozensus seien. Die Ergebnisse würden mögliche Ursachen gänzlich außen vor lassen.

Jedenfalls beschäftigten die Ergebnisse der Studie die deutsche Öffentlichkeit mehrere Tage mit einem äußerst negativen Grundtenor zu Lasten der Türken. Politiker aller Couleur kamen zu Wort: Von Angela Merkel bis hin zum Kreisverbandsstellvertretenden meinten, die Ergebnisse der Studie für interessant und erkenntnisreich erklären zu müssen.

Die Moral der Geschichte lässt sich am anschaulichsten wieder am Beispiel der kleinen Anja aus der fünften Klasse veranschaulichen. Obwohl von Anfang klar war, dass ungleiche Voraussetzungen zu ungleichen Ergebnissen führen, wurde die kleine Anja öffentlich und vollkommen zu Unrecht als Verliererin dargestellt.

Das Beispiel zeigt aber offen, wie es um das Integrationsland Deutschland steht. Migranten werden allzu gerne und bei jeder sich bietenden Gelegenheit als Verlierer, unwillig oder schlecht dargestellt. Dabei beruft man sich nicht selten auf vermeintliche Studien oder sogar Einzelmeinungen. Rechtfertigen tut man sich oft mit dem Argument, dass man wichtige Themen nicht Totschweigen dürfe. Was allerdings solche und ähnliche öffentliche Brandmarkungen bei Migranten verursachen, wird nahezu immer unberücksichtigt gelassen.

Einer Übertragung der Situation der kleinen Anja auf die vermeintlichen „Verlierer“ der Integrationsstudie – die Türken – ist an dieser Stelle nicht notwendig. Die Auswirkungen der öffentlichen Brandmarkung bei den Türken kann man sich denken. Sie verlieren die Motivation. Ob sich Deutschland das leisten kann, darf zu Recht bezweifelt werden.

Selbstverständlich müssen wichtige gesellschaftliche Themen angesprochen und erörtert werden. Insbesondere dort, wo Probleme verortet werden, müssen diese diskutiert werden. Allerdings wäre es hilfreich, wenn man dabei sachlich bleibt und ein Mindestmaß an Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit wahrt. Die „Studie“ des Berliner Instituts ist offensichtlich ungeeignet gewesen, um daraus generelle Schlussfolgerung zu ziehen. Allenfalls einzelne Indikatoren bieten eine Momentaufnahme. Entsprechend hätten sich – wenn nicht schon die Medien – zumindest verantwortliche Politiker zu benehmen wissen müssen. So aber haben sie sich von den MitschülerInnen der kleinen Anja in keinster Weise unterschieden.

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16 Kommentare
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  1. Ozan sagt:

    Sehr guter Artikel, der das Problem auf den Punkt bringt. Wer tagein tagaus den Medien entnimmt, man sei ein Problemfall, ein „Gast“, den man u.U. in seine vermeintliche Heimat zurückzuschicken gedenkt, benimmt sich dementsprechend. Stichwort: Self-fulfilling-Prophecy.

  2. Tolga sagt:

    Der Vergleich mit Anja hinkt nicht nur, sondern kann nicht mal stehen.
    1.) Wird hier keine Einzelperson beurteilt. Die Studie ist also so ungerecht wie der Medaillenspiegel bei Olympia.
    2.) Geht es hier nämlich nicht um, so sollte man meinen, kleines Kind, sondern um erwachsene Menschen, die gelernt haben sollten, mit Kritik umzugehen. Man sollte nicht trotzig und beleidigt reagieren.

  3. Ekrem Senol sagt:

    @ Tolga

    Sie haben also keine einzige Parallele ziehen können?

  4. Ekrem Senol sagt:

    @ Ozan

    Danke für die netten Worte. Freut mich, dass es Ihnen gefällt.

  5. Hüseyin sagt:

    Ich bin letztens auf dieses Magazin gestoßen und ich muss sagen ich habe es sofort auf Favoriten gestellt, durch Artikel wie diese.Ich muss mich 1.bedanken 2.ein lob ausbringen für diesen Artikel. Finde ist gut gelungen.

    Wegen diesem Test ist komisch die wo am schlechtesten abschneiden von denen sieht man die meisten Personen die sich selbstständig gemacht haben.

    Ps.1 man muss das alles was hier in dem migazin steht vermarkten damit es jeder liest.

    Ps.2 Ich selbst bin 18 und mache gerade Fachabi danach will ich entweder Polizei Beamter werden oder in die Kaufmänische Branche mich begeben also so falsch machen wir es auch nicht 😛

    Schöne Grüße an das gesamte Team hier und nochmals ein Lob an den Autoren Herr Senol

    Hüseyin.y

  6. Krischan Piepengruen, OStR sagt:

    „Das Beispiel zeigt aber offen, wie es um das Integrationsland Deutschland steht. Migranten werden allzu gerne und bei jeder sich bietenden Gelegenheit als Verlierer, unwillig oder schlecht dargestellt.“

    Lieber Herr Senol,

    da verwechseln Sie etwas:

    Es geht nicht um Migranten im allgemeinen, sondern vor allem um Türken und Araber.
    Sie haben in der Studie doch auch gewiss etwas über den stupenden Integrationserfolg der Vietnamesen gefunden, nicht wahr?

    Wie ist dieser Erfolg eigentlich zu erklären?
    Und warum ist er bei fast allen vietnamesischen Kindern zu finden?
    Und warum versagen – leider! – so viele Türken und Araber auf unseren Schulen?
    (Die Statistik ist ganz eindeutig und läßt sich nicht zurechtbieghen.)

    Nein, soziale Gründe sind es nicht.
    Auch die vietnamesischen Kinder kommen aus sogenannten bildungsfernen Schichten.
    Ihre Eltern können kaum Deutsch und helfen ihnen auch nicht bei den Hausaufgaben.

    Aus meinen langjährigen Erfahrungen als Oberstudienrat an einem Gymmnasium in Klassen mit bis zu 80 % Migrantionshintergrund glaube ich den Grund zu wissen: es ist das (für uns Deutsche oft abstoßende) türkisch-arabische Überlegensheitsgefühl, aus religiösen Gründen aus einer besseren Kultur zu kommen: Wieso sollte jemand, der sich von Allah rechtgeleitet wähnt, auf eine dumme deutsche blonde Lehrerin hören?

    Dieses Überlegenheitsgefühl, dieser religiöse Hochmut kommt bei vietnamesischen Kindern nicht vor.
    Die sind nämlich hierher gekommen um etwas zu lernen.

    Der fürchterliche Herr Erdogan, der sich im letzten Jahr mit frecher Anmaßung in ganz Köln als „Führer“ plakatieren hat lassen, hat doch genau in dieses Horn gestoßen: „Assimilation ist ein Verbrechen“ etc pp.

    Also, Herr Senol, ich habe das Meinige getan, nun tun Sie das Ihre und bringen Ihren Landsleuten mal ein bißchen Respekt vor unserer Kultur bei. Wegen der sind die Türken doch letztendlich nach Deutschland gekommen. Und wem’s hier nicht passt: der packe eben seine Siebensachen und ziehe bitte dahin, wo man als Türke 100% türkisch sein kann, nämlich in die Türkei.

    Mit freundlichen Grüßen
    Krischan Piepenguen

  7. Ekrem Senol sagt:

    @ Krischan Piepengruen, OStR

    „Sie haben in der Studie doch auch gewiss etwas über den stupenden Integrationserfolg der Vietnamesen gefunden, nicht wahr?“

    Eine rhetorische Frage, die Sie da stellen. Und dennoch beantworte ich sie mit „ja“, wenn Sie mir meine Frage beantworten: Haben Sie die Studie über die 56. Seite hinaus gelesen, wo ausgeführt wird, dass Türken in Saarland in Punkto Bildung deutlich schlechter abschneiden als beispielsweise in Berlin oder Bayern? Wenn ja, wie erklären Sie uns dann Ihre Aussage:

    „Nein, soziale Gründe sind es nicht.“

    Sind muslimische Kinder in Berlin oder Bayern anders als muslimische Kinder im Saarland? Siehe auch hier: http://www.migazin.de/2009/02/26/integrationsmonitor-des-instituts-der-deutschen-wirtschaft-koln-auslanderintegration-meist-fehlanzeige/

    Wenn nein, empfehle ich Ihnen dringend, die Studie zu Ende zu lesen. So schlecht sie auch ist, einige Grundkenntnisse vermittelt sie schon noch.

    Um ehrlich zu sein bin ich äußerst erstaunt über Ihre Argumentation. Auf der einen Seite werfen Sie muslimischen Kindern pauschal vor, sie seien schlecht in der Schule aufgrund ihrer religiösen Überzeugung. Auf der anderen Seite hegen Sie als Oberstudienrat ungeheuerliche Vorurteile gegenüber muslimischen Kindern und Jugendlichen. Möglicherweise hängt das schlechte Abschneiden muslimischer Schüler ja daran, dass beispielsweise Sie als Oberstudienrat muslimischen Kindern und Jugendlichen gegenüber Vorurteile hegen und entsprechend befangen sind und benachteiligen.

    Darüber, weshalb manche muslimische Kinder – nicht alle! – ein Überlegenheitsgefühl demonstrieren, kann man streiten. Die eine Untersuchung geht von Minderwertigkeitskomplexen aufgrund äußeren Faktoren (Medien, Umfeld etc.) aus, die andere von mangelhafter Erziehung, wieder ander von sozialen Faktoren. Wie auch immer. Es gibt Defizite.

    Sie aber – als Oberstudienrat – müssen wissen, dass Kinder, die nach der Reform des Staatsangehörigkeitsrechts im Jahre 2000 in Deutschland geboren wurden und künftig noch werden, unabhängig vom Glauben, in den allermeisten Fällen als deutsche Staatsbürger auf die Welt kommen. Ob nun Komplexe, falsche Erziehung, das soziale Umfeld oder von allem etwas für die Misere ursächlich ist: Sie sind laut ihrem Erziehungs- und Bildungsauftrag für die Erziehung und Bildung dieser Kinder verantwortlich und nicht für deren Ausweisung, was aufgrund der Staatsangehörigkeit sowieso unmöglich wäre.

    „Also, Herr Senol, ich habe das Meinige getan, nun tun Sie das Ihre und bringen Ihren Landsleuten mal ein bißchen Respekt vor unserer Kultur bei.“

    Das tue ich bereits. Ich diskutiere mit Ihnen. Ich bin deutscher Staatsbürger.

  8. Ekrem Senol sagt:

    @ Hüseyin

    Vielen Dank für die netten Worte. Wir sind seit zwei Wochen online und noch nicht einmal in der offiziellen Betaphase. Es freut uns aber ungemein, dass MiGAZIN bereits jetzt sehr gut ankommt.

    Gerne kannst Du MiGAZIN – insbesondere http://www.migazin.de/migmachen/ – weiterempfehlen.

    Liebe Grüße

  9. Hülya sagt:

    Hallo Miteinander,

    In den 95 Seiten der genannten Studie wird die erfolgreiche Integration entweder mit der „Einbürgerung“ gleichgesetzt oder mit der „Assimilierung“.

    So interessant die Studie auch sein mag -interessant wegen seiner Kriterien-, so sehr hat sie einen großen Anteil an Wertlosigkeit in der Auswertung. Die Kriterien sind interessant, weil es Kriterien sind, die weder genügend durchdacht noch mit wohlwollendem Ansatz zur Bewertung herangezogen wurden.

    Die Studie zeigt mir lediglich, dass die Definition von „Integration“ je nach belieben interpretiert wird. Die Assimilation mit der Integration gleich zu setzen löst bei mir ein Kopfschütteln aus.

    Die Ausübung und Auslegung solch einer Studie hängt auch immer vom Wohlwollen ab. „Was will ich mit dem Ergebnis erreichen?“ Das Ergebnis dieser von realitätsfernen Kriterien beseelten Studie und der noch gravierenderen Medienerstattung unterstreicht doch lediglich die Vorurteile, die bis dato gegen Türken vorlagen.

    Mit dieser Herangehensweise, dass man eine Bevölkerungsgruppe als „Looser“ betitelt wie z.B. im Spiegel, erzielt man in der Gesellschaft kontraproduktive Ergebnisse. Es sei den, die Betroffenen (in diesem Fall die Schüler und Hausfrauen als Beispiel) nehmen es als Ansporn an. Die Schüler fangen an noch mehr zu lernen, deren Eltern setzen sich noch mehr für die Leistungen ihrer Kinder ein und die Hausfrauen bauen ihre Tupperpartys weiter aus (besonders unter den moslemischen Mitbürgerinnen sind Tupper – bzw. Kochpartys sehr beliebt, an der nicht selten viele Deutsche auch teilnehmen und wo die Partys sich zum kulturellen Austausch als Nebeneffekt anbieten!!! Diese werden jedoch in keiner Studie erwähnt).

    Der Artikel von Herrn Senol ist eine sehr gute Metapher, um die 95 Seiten dieser Studie in einfachen Worten zu veranschaulichen.
    Auch wenn der Ansatz der Studie gelungen mag, so sind die Auswertungskriterien weit verfehlt.

    Die Veranschulichung von Herrn Senol hier, sehe ich als einen Ruf nach „Gerechtigkeit“.
    Sie alle kennen den Unterschied zwischen „das Glas ist halb leer“ und dem des „das Glas ist halb voll“; also, warum sollen destruktive pseudo-wissenschaftliche Pseudo-Erkenntnisse als Faktum in die Weltgeschichte geschickt werden, wenn diese ihrem wissenhaftlichem Charakter nicht gerecht werden können.

    Meiner Meinung nach ist vorerst die dringlichste Aufgabe, den Begriff der Integration von der „Assimilation“ fern zu halten; wir sind hier nicht in einem chemischen Labor, wo auf dem Fließband eine in Burka verkleidete Frau in eine Zauberbox rein rollt und anschließend als Barbie-Puppe raus kommt.

    Was verstehen die einzelnen Teilnehmer an dieser Diskussion unter „Integration“?

    Freundliche Grüsse

    Hülya Lehr

  10. Bekir Altas sagt:

    Sehr geehrte Frau Oberstudienrätin,

    vorab möchte ich Ihnen den folgenden Artikel empfehlen: http://egora.uni-muenster.de/ew/personen/medien/gomolla.pdf

    Des weiteren würde mich interessieren, an welcher Schule Sie unterrichten? 80 % Migrantenanteil an einem Gymnasium ist vielversprechend. Ich würde es gern auf Migazin vorstellen.

    MfG


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