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Putzen (Symbolfoto) © de.depositphotos.com

IAB-Studie

Bildung schützt Geflüchtete nicht vor schlecht bezahlten Jobs

Geflüchtete aus der Ukraine bringen im Schnitt höhere Bildungsabschlüsse mit als viele der 2015 eingereisten Schutzsuchenden. Auf dem deutschen Arbeitsmarkt landen beide Gruppen dennoch in überraschend ähnlichen Branchen und Lohngruppen. Ein IAB-Bericht offenbart ein strukturelles Problem - und eine Gruppe hat es besonders schwer.

Dienstag, 18.08.2026, 12:13 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 18.08.2026, 12:13 Uhr Lesedauer: 4 Minuten  |  

Ob jung oder älter, männlich oder weiblich, mit Grundbildung oder Hochschulabschluss: Für Geflüchtete führen die ersten Wege in den deutschen Arbeitsmarkt auffällig häufig in dieselben Branchen. Das zeigt ein neuer Forschungsbericht des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Danach sind Geflüchtete in der Zeitarbeit, im Wach- und Sicherheitsbereich, im Garten- und Landschaftsbau sowie im Gastgewerbe besonders stark vertreten. In Branchen mit großem Fachkräftebedarf bleiben sie dagegen unterrepräsentiert.

Der Bericht vergleicht zwei Phasen der Fluchtmigration: die Jahre 2017 und 2018, in denen es sich bei den Beschäftigten überwiegend um Geflüchtete aus Syrien und anderen nicht europäischen Herkunftsländern handelte, sowie die Jahre 2022 bis 2025 mit Geflüchteten aus der Ukraine. Grundlage ist das repräsentative IAB-Betriebspanel, bei dem Arbeitgeber zu ihren Beschäftigten befragt werden.

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Oft Niedriglohn mit und ohne Abschluss

Die beiden Gruppen könnten unterschiedlicher kaum zusammengesetzt sein. Die Fluchtmigration ab 2015 war überwiegend durch junge Männer geprägt, von denen viele keine oder nur eine geringe formale Bildung nachweisen konnten. Aus der Ukraine kamen dagegen mehrheitlich Frauen, häufig mit Kindern und vielfach mit Hochschul- oder anderen höheren Bildungsabschlüssen.

Auf die Verteilung am Arbeitsmarkt wirkt sich dieser Unterschied jedoch erstaunlich wenig aus. „Gleichwohl fällt die Branchenverteilung beider Gruppen nahezu identisch aus“, heißt es in dem Bericht. Der formale Bildungsabschluss schützt damit offenbar nur begrenzt davor, zunächst in einem Bereich mit niedrigen Zugangshürden zu landen. Als wesentliche Erklärungen nennen die Autoren fehlende Deutschkenntnisse und Schwierigkeiten bei der Anerkennung ausländischer Abschlüsse.

Konzentration auf wenige Branchen

Besonders deutlich wird die Konzentration in einer vom IAB zusammengefassten Branchengruppe aus Arbeitnehmerüberlassung, Wach- und Sicherheitsdiensten sowie Garten- und Landschaftsbau. Dort arbeiteten – je nach Jahr – zwischen 16 und 26 Prozent der betrachteten Geflüchteten. Weitere 14 bis 18 Prozent entfielen auf Hotels und Gastronomie.

In der Gesamtwirtschaft machten diese Bereiche zusammen lediglich etwa zehn bis zwölf Prozent der Beschäftigung aus. Für das Jahr 2025 ergeben die Tabellen des IAB beispielsweise einen Anteil von zusammen 30 Prozent bei ukrainischen Geflüchteten, aber nur elf Prozent bei allen Beschäftigten.

Schneller Einstieg kann zur Sackgasse werden

Die Branchen übernehmen damit eine wichtige Funktion beim Einstieg in den Arbeitsmarkt. Sie suchen häufig Personal, verlangen seltener deutsche Berufsabschlüsse und stellen eher Menschen ein, deren Sprachkenntnisse für andere Tätigkeiten noch nicht ausreichen. Der schnelle Einstieg birgt jedoch die Gefahr, dass aus einer Übergangslösung eine berufliche Sackgasse wird.

Auf der anderen Seite stehen Branchen, in denen seit Jahren über fehlendes Personal geklagt wird. Im Bereich Gesundheit, Soziales, Erziehung und Unterricht arbeiteten je nach Untersuchungsjahr lediglich zehn bis 13 Prozent der beschäftigten Geflüchteten. Unter allen Beschäftigten lag der Anteil zuletzt bei 19 Prozent.

Bildung hilft oft nicht

Das Ergebnis ist insbesondere bei der ukrainischen Gruppe bemerkenswert. Viele Geflüchtete aus der Ukraine sind Frauen und verfügen über höhere Bildungsabschlüsse. Zugleich beträgt der Frauenanteil im sozialen Sektor nach Angaben des IAB etwa 80 Prozent. Dennoch gelingt der Zugang nur unterdurchschnittlich häufig.

Gerade in Pflege, medizinischer Versorgung, Kitas und Schulen reichen Berufserfahrung oder ein Abschluss aus dem Herkunftsland häufig nicht aus. Erforderlich sind anerkannte Qualifikationen, Fachsprachkenntnisse und teilweise langwierige Nachweise. Damit bleibt vorhandenes Wissen ungenutzt, während Einrichtungen gleichzeitig Personal im Ausland suchen oder Stellen unbesetzt lassen.

Auch in der öffentlichen Verwaltung, bei Sozialversicherungen und Interessenverbänden sind Geflüchtete kaum vertreten. Ihr Anteil lag dort lediglich zwischen einem und vier Prozent, gegenüber konstant acht Prozent in der Gesamtbeschäftigung. Bei unternehmensnahen Dienstleistungen wie Beratung, IT, Finanz- und Versicherungswesen betrug der Anteil der Geflüchteten acht bis 14 Prozent; insgesamt waren es 16 bis 18 Prozent.

Arbeit oft in kleinen und mittleren Betrieben

Eine weitere Trennlinie verläuft bei der Betriebsgröße. Geflüchtete finden überdurchschnittlich häufig Arbeit in kleinen und mittleren Unternehmen. Große Arbeitgeber spielen dagegen eine auffällig geringe Rolle.

Im Jahr 2025 arbeiteten nur 13 Prozent der erfassten ukrainischen Geflüchteten in Betrieben mit mindestens 251 Beschäftigten. In der Gesamtwirtschaft entfiel auf diese Betriebe dagegen ein Beschäftigtenanteil von 33 Prozent. Umgekehrt waren 87 Prozent der ukrainischen Geflüchteten in kleinen und mittleren Betrieben tätig, gegenüber 67 Prozent aller Beschäftigten.

Das IAB nennt dafür mehrere mögliche Gründe: In Großbetrieben seien Bewerbungsverfahren meist stärker formalisiert. Sprachzertifikate, anerkannte Abschlüsse und standardisierte Qualifikationsnachweise könnten deshalb eine größere Rolle spielen. Hinzu komme der stärkere Wettbewerb um Stellen, die häufig besser bezahlt seien und bessere Aufstiegsmöglichkeiten böten.

Muslime haben systematisch schlechtere Chancen

Die geringe Präsenz in großen Unternehmen ist nicht nur eine statistische Randnotiz. Tarifverträge und betriebliche Mitbestimmung können nach Darstellung der Forscher dazu beitragen, Lohnnachteile benachteiligter Beschäftigtengruppen zu verringern. Ein erschwerter Zugang bedeute somit auch schlechtere Chancen auf höhere Einkommen und beruflichen Aufstieg.

Im Forschungsüberblick verweist das IAB auf Vorbehalte in Betrieben. Eine groß angelegte experimentelle Studie habe gezeigt, dass muslimische Bewerberinnen auch bei gleichen Qualifikationen systematisch schlechtere Chancen hätten. Betriebliche Auswahlverfahren, Vorurteile und Diskriminierung können den Arbeitsmarktzugang somit ebenfalls beeinflussen. (mig) Leitartikel Panorama

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