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Westdetuscher Rundfunk (WDR) © DepositPhotos.com

Medienvielfalt

Cosmo-Reform: WDR kürzt Mehrsprachigkeit

Der WDR benennt Cosmo in 1Live Street um und bündelt viele mehrsprachige Angebote neu. Kritiker sehen darin den Rückbau eines Radioprogramms, das kulturelle Vielfalt und Teilhabe in der Einwanderungsgesellschaft abbilden sollte.

Montag, 08.06.2026, 10:22 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 08.06.2026, 9:09 Uhr Lesedauer: 4 Minuten  |  

Der WDR benennt seine jungen Radiowellen Cosmo und 1Live Diggi um und richtet die Programme neu aus. Der Rundfunkrat habe die Reformvorhaben mit knapper Mehrheit gebilligt, teilte das Gremium vergangene Woche nach seiner Sitzung mit. Damit soll Cosmo vom Frühjahr 2027 an als 1Live Street und 1Live Diggi als 1Live Lounge auf Sendung gehen.

Die neuen Namen sollen wiedergeben, wofür die Sender stehen, erklärte der Rundfunkrat. Bei 1Live Lounge werde es ruhiger zugehen:
Ein Sender zum „(mentalen) Abschalten mit entspannter Musik und ohne die Krisen dieser Welt ständig zu thematisieren“. 1Live Street hingegen solle die Hip-Hop-Kultur in den Mittelpunkt stellen und damit auch Menschen mit internationaler Geschichte abholen.

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Beschluss trotz gesetzlichem Auftrag

Der WDR hatte vor der Entscheidung erklärt, kulturelle Vielfalt solle künftig in allen drei jungen Programmen stärker verankert werden und zugleich Querschnittsthema für den gesamten Sender bleiben. Die Sprachenangebote von Cosmo und WDRforyou sollen demnach in einer gemeinsamen Fachredaktion zusammengeführt werden. Neben den WDRforyou-Angeboten in Arabisch und Farsi sei ein weiterentwickeltes digitales Angebot in türkischer Sprache geplant, erklärte der Sender in seiner Pressemitteilung zur Neuaufstellung.

Der gesetzliche Auftrag des WDR spielt in der Debatte eine zentrale Rolle. Im WDR-Gesetz ist unter anderem ein Hörfunkprogramm vorgesehen, das sich vor allem Themen des interkulturellen Zusammenlebens widmet. Zudem soll das Programm das friedliche und gleichberechtigte Miteinander von Menschen unterschiedlicher Kulturen und Sprachen im Land fördern und diese Vielfalt konstruktiv abbilden.

Kontroverse Debatte

Bereits im Vorfeld der Sitzung seien die Veränderungen bei Cosmo kontrovers diskutiert worden, hieß es. Dabei habe die Frage im Fokus gestanden, ob der WDR seinem Auftrag zur Förderung des interkulturellen Zusammenlebens mit dem neuen Konzept weiter nachkomme. Die Diskussion in der Sitzung sei geprägt gewesen von Fragen zur Zukunft der fremdsprachigen Angebote. Die Mitglieder stimmten den Angaben nach schließlich mit knapper Mehrheit für die Programmschemaänderung zum April 2027.

Cosmo bietet derzeit Programme auf Türkisch, Italienisch, Spanisch, Griechisch, Russisch, Kurdisch, Polnisch, Arabisch sowie Bosnisch/Serbisch/Kroatisch an. Die muttersprachlichen Angebote wolle der WDR wegen aus seiner Sicht zu geringer Nutzung in einer gemeinsamen Fachredaktion mit WDRforyou bündeln. Künftig sollen danach vor allem Arabisch, Farsi und Türkisch weitergeführt werden.

In Nordrhein-Westfalen hat die Frage nach mehrsprachigen Angeboten auch demografisches Gewicht. Nach Daten des Statistischen Landesamtes lebten 2024 rund 5,69 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in NRW. Von ihnen lebten 54,8 Prozent in einem Haushalt, in dem neben Deutsch mindestens eine weitere Sprache gesprochen wurde; 18,4 Prozent sprachen zu Hause gar kein Deutsch. Türkisch, Russisch, Arabisch und Polnisch gehörten zu den häufigsten Sprachen.

Kritik von Medienverband

Die Neuen deutschen Medienmacher kritisierten die Entscheidung scharf. Der Verein sprach von einem Verlust des einzigen interkulturellen und mehrsprachigen Radiosenders der ARD. Cosmo sei für migrantische und queere Communitys ein verlässlicher Anknüpfungspunkt gewesen. Mehrsprachige Formate auf Russisch, Italienisch, Kurdisch, Polnisch und weiteren Sprachen seien öffentlich-rechtliche Informationsangebote in den jeweiligen Erstsprachen, erklärte der Verband in einer Stellungnahme.

Die Berliner Integrationsbeauftragte Katarina Niewiedzial forderte nach der Ankündigung des WDR den rbb auf, das mehrsprachige Radioprogramm für Berlin und Brandenburg zu erhalten. Statt Vielfalt zurückzufahren, brauche es den Mut, Cosmo als lineares wie digitales Angebot weiterzuentwickeln, erklärte sie nach der Ankündigung des WDR. Auch sie verwies auf die Bedeutung des Senders für Teilhabe und Repräsentation in einer Einwanderungsgesellschaft.

Grüne gegen Kürzung

Kritik erntete der WDR-Beschluss auch von Frank Jablonski, kulturpolitischer Sprecher der Grünen NRW-Landtagsfraktion. Dass die „mehrsprachigen Angebote komplett gestrichen werden, lehnen wir ab“, erklärte Jablonski, der auch Mitglied im WDR-Rundfunkrat ist. Die vorgestellten Pläne seien keine Weiterentwicklung, sondern eine Abwicklung von Cosmo. Die Grünen-Mitglieder im WDR-Rundfunkrat hätten daher geschlossen gegen die Pläne gestimmt. „Als einziges mehrsprachiges ARD-Radioprogramm verlieren wir damit ein Angebot, das wie kaum ein anderes kulturelle Vielfalt und gesellschaftliche Teilhabe repräsentiert hat.“

Der Beschluss des WDR kommt nicht überraschend. Bereits im vergangenen Jahr hatte es Überlegungen zur Zukunft von Cosmo gegeben, die nach öffentlicher Kritik teilweise zurückgenommen wurden. Im Juni 2025 hatten mehr als 65.000 Menschen eine Petition zum Erhalt des interkulturellen Radioprogramms unterstützt. Zu den Erstunterzeichnenden zählten zahlreiche prominente Medienschaffende, darunter Regisseur Fatih Akin oder Musiker Herbert Grönemeyer. (epd/mig) Aktuell Panorama

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