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Familie am Flughafen (Symbolfoto) © KI-generiertes Foto

IOM-Weltmigrationsbericht

Migranten bewegen Milliarden – und werden zum Sündenbock

304 Millionen Menschen leben außerhalb ihres Geburtslandes – nur 3,7 Prozent der Weltbevölkerung. Doch ihre Rücküberweisungen bewegen 905 Milliarden Dollar. Die IOM zeigt, wie weit Fakten und Stimmungsmache auseinanderliegen.

Donnerstag, 07.05.2026, 12:34 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 07.05.2026, 12:34 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Die Zahl der Migrantinnen und Migranten in fremden Ländern hat Mitte 2024 laut den Vereinten Nationen bei 304 Millionen gelegen. Das entspreche einem Anteil von 3,7 Prozent an der Weltbevölkerung, teilte die Internationale Organisation für Migration am Dienstag in New York mit.

Damit lebt weiterhin nur ein vergleichsweise kleiner Teil der Weltbevölkerung außerhalb des eigenen Geburtslandes. Die IOM verweist in ihrem neuen Weltmigrationsbericht darauf, dass die absolute Zahl zwar seit Jahrzehnten steigt, grenzüberschreitende Migration gemessen an der Weltbevölkerung aber weiterhin die Ausnahme bleibt. Die meisten Menschen leben demnach weiterhin in dem Land, in dem sie geboren wurden.

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In dem Zeitraum von 2013 bis 2022 habe sich die Zahl der Migranten um 30 Millionen erhöht. Dabei seien Überweisungen von Geldern der Migranten in ihre Heimatländer eine wichtige Finanzquelle. Im Jahr 2024 seien schätzungsweise 905 Milliarden US-Dollar überwiesen worden. Davon seien 685 Milliarden US-Dollar für Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen bestimmt gewesen.

Überweisungen größer als Entwicklungshilfe und Direktinvestitionen

Diese Geldströme überstiegen mittlerweile die Summe aus öffentlicher Entwicklungshilfe und ausländischen Direktinvestitionen. Die IOM betonte, dass sichere und reguläre Migration zum Wirtschaftswachstum und der Schaffung von Wohlstand beiträgt.

Nach Einschätzung der Organisation leisten Migrantinnen und Migranten nicht nur über Geldüberweisungen einen Beitrag zur Entwicklung. Der Bericht nennt auch Wissenstransfer, Unternehmertum, Investitionen und gesellschaftliches Engagement als Faktoren. Migration werde damit nicht nur als Folge von Krisen beschrieben, sondern auch als Teil wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung.

Mehr Vertreibung durch Kriege und Katastrophen

Zugleich zeichnet der Bericht ein von Krisen geprägtes Bild. Ende 2024 lebten demnach mehr als 120 Millionen Menschen weltweit in Vertreibung, darunter Geflüchtete, Asylsuchende, Binnenvertriebene und andere Menschen mit internationalem Schutzbedarf. Mehr als 83 Millionen Menschen waren innerhalb ihres eigenen Landes vertrieben.

Auch Umwelt- und Klimafolgen spielen dem Bericht zufolge eine wachsende Rolle. Für 2024 geht die IOM von 65,8 Millionen Binnenvertreibungen aus. Rund 45,8 Millionen davon standen im Zusammenhang mit Katastrophen, 20,1 Millionen mit Konflikten und Gewalt. Viele Bewegungen seien kurzfristige Evakuierungen gewesen. Zugleich zeige sich aber, dass Wetterextreme, Armut, schwache Infrastruktur und politische Krisen häufig zusammenwirkten.

Warnung vor Desinformation und Stimmungsmache

Die IOM warnt zudem vor einer zunehmenden Verzerrung der Migrationsdebatte. Migration werde in vielen Ländern politisch instrumentalisiert und häufig über Fragen von Sicherheit, Identität oder wirtschaftlicher Konkurrenz verhandelt. Zugleich nähmen Falschinformationen und Desinformation zu, auch über soziale Medien und durch neue Technologien wie Künstliche Intelligenz.

UN-Ausschüsse hätten zudem auf wachsende Fremdenfeindlichkeit hingewiesen. Migrantinnen und Migranten würden in öffentlichen Debatten immer wieder pauschal für soziale, wirtschaftliche oder politische Probleme verantwortlich gemacht. Solche Erzählungen könnten dazu beitragen, Einschränkungen von Rechten und restriktive Gesetze zu rechtfertigen.

Der Bericht zeigt laut IOM auf, dass die Einschränkung der Migrationswege die Menschen nicht abschreckt. Stattdessen würde die Migration auf irreguläre und gefährliche Routen verlagert.

Die IOM hat ihren Sitz in Genf und gehört zu den Vereinten Nationen. (mig) Aktuell Panorama

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