
Uranatlas 2026
Organisationen beklagen „neokoloniales Geschäftsmodell“
Der bequeme Strom aus der Steckdose hat seinen Preis: Der Rohstoff für die Energie stammt nicht selten aus Afrika. Seit den 1930 werden Menschen und Länder ausgebeutet. Im neuen Uranatlas stehen Ausbeutung und Endlagerung im Fokus.
Sonntag, 08.03.2026, 10:53 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 08.03.2026, 10:53 Uhr Lesedauer: 2 Minuten |
Mehrere Organisationen fordern die Beendigung der deutschen Urananreicherung im nordrhein-westfälischen Gronau und der Produktion von Brennelementen im niedersächsischen Lingen. Zudem solle sich die Bundesregierung für nukleare Rüstungskontrolle und Abrüstung einsetzen, hieß es bei der Vorstellung des Uranatlas 2026 am Dienstag in Berlin. Herausgeber sind unter anderem der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), die der Linkspartei nahestehende Rosa-Luxemburg-Stiftung sowie Greenpeace.
Projektleiter Horst Hamm kritisierte insbesondere die Ausbeutung von Staaten des Globalen Südens. Der Urankreislauf sei ein „neokoloniales Geschäftsmodell, das gestoppt werden müsste“. Etwa habe der Uranabbau in Südafrika 718 Millionen Tonnen an hochgiftigen Rückständen („Tailings“) zurückgelassen, in Namibia 438 Millionen Tonnen.
Dem Bericht zufolge begann Uranbergbau in Afrika schon in den 30er Jahren im Kongo. Der belgische Bergbaukonzern Union Minière hatte die Verfügungsgewalt über alle Bodenschätze des Landes. „Strahlenschutz oder Gesundheitsvorsorge kannte er nicht. Wer sich der Ausplünderung widersetzte, wurde drakonisch bestraft“, heißt es. 1960 endete die Kolonialherrschaft formell. „Doch das Land wurde auch danach noch ausgebeutet“, so die Autoren.
Nukleares Wettrüsten befürchtet
In Australien auf Gebiet der indigenen Aborigines werde ebenso nach Uran gegraben wie in Kanada, dem historisch betrachtet größten Uranproduzenten der Welt. Die indigenen Völker seien nie über die Gefahren des Uranbergbaus informiert worden. In den USA gebe es laut offiziellen Angaben allein innerhalb des Reservats der Navajo Nation 523 verlassene Uranminen.
Vertreter der Organisationen warnten zudem vor einem neuen nuklearen Wettrüsten. Weltweit befänden sich derzeit 65 Atomkraftwerke in Bau, 63 davon würden in oder von Atomwaffenstaaten gebaut. Allein Russland und die USA besitzen den Angaben zufolge zusammen 10.636 Atomsprengköpfe.
Der Vorstandsvorsitzende der Rosa-Luxemburg-Stiftung, Bernd Riexinger, warnte zudem vor der Abhängigkeit vom russischen Staatskonzern Rosatom bei Brennelementen. 19 Reaktoren in der EU können Riexinger zufolge nur mit Brennelementen russischer Bauarten betrieben werden. Das russische Unternehmen forciere „den weltweiten AKW-Ausbau wie kein anderes“.
Mögliche Kooperation mit Russland
Den Herausgebern des Uranatlas zufolge wird derzeit sogar eine Kooperation zwischen dem Brennelemente-Werk in Lingen mit Russland geprüft. Der russische Nuklearsektor ist demnach weitgehend von EU-Sanktionen ausgenommen. In der EU standen laut Uranatlas Anfang 2026 98 aktive Atommeiler. Dies macht die EU zur weltweit größten Uranverbraucherin.
Die Herausgeber der Studie wiesen zudem auf die komplizierte Suche nach Endlagern hin. Weltweit befindet sich nur eines kurz vor der Fertigstellung, im finnischen Onkalo. Mittlerweile gibt es demnach insgesamt rund 420.000 Tonnen Atommüll, jedes Jahr kämen etwa 10.000 Tonnen hinzu.
Deutschland hat bis zum Atomausstieg im Jahr 2023 rund 27.000 Kubikmeter Atommüll besessen. Das nicht-spaltbare Isotop Uran-238 besitzt eine Halbwertszeit von 4,46 Milliarden Jahren, das angereicherte Uran-235 eine von etwa 704 Millionen Jahren.
Reaktorunfälle von Tschernobyl und Fukushima
In diesem Jahr jähren sich die Reaktorunfälle von Tschernobyl am 26. April 1986 und Fukushima am 11. März 2011 zum 40. beziehungsweise 15. Mal. Als Reaktion auf die Katastrophe in Japan beschloss der Bundestag im Sommer 2011 den beschleunigten Ausstieg aus der Atomenergie. Mittlerweile sind alle deutschen Atomkraftwerke vom Netz gegangen. (epd/mig) Aktuell Panorama
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