
Goethe-Institut in Nairobi
Kostenlose Sprachkurse laufen aus – Fachkräftesuche geht weiter
Deutschland sucht Fachkräfte in Kenia. Und viele junge Kenianerinnen wollen in Deutschland in der Pflege arbeiten. Doch der kostenlose Kurs „Mein Weg nach Deutschland“ endet – trotz wachsender Nachfrage und Visa-Hürden.
Von Marlene Brey Dienstag, 06.10.2026, 10:12 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 06.10.2026, 9:45 Uhr Lesedauer: 4 Minuten |
Im Goethe-Institut in der Monrovia Street in Nairobi wimmelt es von jungen Kenianerinnen und Kenianern, die Deutsch lernen. Im Auditorium im Erdgeschoss schlendern sie durch eine Ausstellung, im Obergeschoss sitzen sie über Bücher gelehnt und grüßen freundlich – auf Deutsch natürlich.
„Seit 2024 sieht das hier so aus, seitdem Deutschland und Kenia das Abkommen über Migration und Mobilität abgeschlossen haben“, erklärt Susanne Jahn, Leiterin des Schulbereichs am Goethe-Institut Nairobi. Die Zahl der Deutschlernenden in den Kursen des Instituts wächst bereits seit fünf Jahren kontinuierlich: 2021 gab es rund 1.400 Kursteilnehmer, 2026 rechnet das Institut mit rund 3.400.
Vor allem bei Frauen beliebt
Besonders beliebt ist der Vorintegrationskurs „Mein Weg nach Deutschland“. Mehr als 5.000 Personen haben den Kurs und Vorgänger-Formate seit 2023 belegt – die meisten davon waren junge Frauen.
„Das Programm hat hier Leben verändert“, sagt Assumpta Manyaho, eine der Trainerinnen. Wer nach Deutschland auswandern will, bekommt Orientierung im Informationsdschungel: Stellenportal, Alltag und Arbeitskultur in Deutschland. „Mancher hat dabei auch herausgefunden, dass Deutschland doch nichts für ihn ist“, sagt Manyaho und lacht.
Damit ist jetzt Schluss. „Mein Weg nach Deutschland“ läuft zum 30. September 2026 planmäßig aus, in Kenia wie auch in anderen Projektländern. Die Bundesregierung hat die institutionelle Förderung des Goethe-Instituts in den vergangenen Jahren deutlich gekürzt. Man prüfe „aktuell alternative Finanzierungsmöglichkeiten und Teilfinanzierung einzelner Projektbestandteile, um Angebote an ausgewählten Standorten weiterzuführen“, heißt es vom Goethe-Institut. Das Ende des Projekts stehe „nicht im Zusammenhang mit der Förderung durch das Auswärtige Amt“.
Bereich Pflege in Kenia besonders beliebt
Kenia gilt als strategischer Partner, um Fachkräfte zu gewinnen. Deutschland benötigt laut Schätzungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) jährlich eine Nettozuwanderung von rund 400.000 Personen, um das Erwerbspersonenpotenzial langfristig konstant zu halten und den demografischen Wandel abzufedern – besonders im Bereich Pflege. Und gerade der war beliebt bei den Kenianerinnen im Projekt.
Philly Vivian, 28, sitzt auf der Terrasse des Goethe-Instituts in Nairobi und würde gerne als Krankenschwester in Deutschland arbeiten. Derzeit macht sie eine Ausbildung zur Pflegeassistentin, wie sie auf Deutsch erklärt. „Ich war richtig traurig, als ich erfahren habe, dass ‚Mein Weg nach Deutschland‘ eingestellt wird.“ Besonders das Sprachcafé werde ihr fehlen.
„Deutschkurse sind nicht günstig“, erklärt Susanne Jahn. Das Angebot von „Mein Weg nach Deutschland“ war gratis.
Tante in Deutschland favorisiert dortige Ausbildung
Manka Waridi, 26, lernt seit neun Monaten Deutsch. Am besten gefallen hat auch ihr das Sprachcafé. Dort hat sie eine Freundin aus der Demokratischen Republik Kongo gefunden, die kein Englisch spricht, also unterhalten sich die beiden Frauen inzwischen auf Deutsch. Waridi hat im Bachelor Psychologie studiert, findet aber keinen passenden Job. Nun würde sie gerne Fachkrankenpflegerin für Psychiatrie in Deutschland werden. Ihre Tante, die in Deutschland lebt, hat sie davon überzeugt, dass eine deutsche Ausbildung besser sein kann als ein Masterabschluss.
Ulf Terlinden von der Heinrich-Böll-Stiftung sieht grundsätzliche Probleme beim Anwerben von Fachkräften im Ausland. „Deutschland hat offenbar noch nicht verstanden, dass es einen globalen Wettbewerb um Fachkräfte gibt“, sagt Terlinden, der im Nairobi-Büro der Grünen-nahen Stiftung für Arbeitsmigration zuständig ist. Die demografische Krise treffe fast alle westlichen Gesellschaften. „So verlieren wir in diesem Wettbewerb.“
Die Zusammenarbeit mit Kenia hatte sich positiv entwickelt, wie es aus diplomatischen Kreisen hieß. Seit 2024 hat die deutsche Botschaft in Nairobi nach Angaben des Auswärtigen Amts mehr als 3.680 Visa zum Zweck der Erwerbstätigkeit abschließend bearbeitet. Hinzu kommen 360 Visa für die sogenannte Chancenkarte, darunter mehr als 100 für Fachkräfte.
Komplizierte Beantragung von Visa
Philly bleibt bei ihrem Plan, in Deutschland als Krankenschwester zu arbeiten. Nur herauszufinden, wie genau das geht, wird jetzt schwieriger. „Mein Weg nach Deutschland“ gab praktische Antworten auf genau diese Fragen. Dessen Aus überlässt das Feld auch Betrügern.
In Kenia gibt es viele falsche Recruiter, die mit den Träumen der jungen Kenianer spielen. Sie täuschen vor, ihnen für Geld Visa zu besorgen. „Für jemanden, der noch nie einen Pass oder gar ein Visum beantragt hat, erscheint der Prozess sehr kompliziert“, erklärt Damaris Bonareri, Programmkoordinatorin für Migration bei der Böll-Stiftung in Nairobi. Viele Menschen ließen sich auf die Betrüger ein, zahlten viel Geld, ohne je ein Visum dafür zu erhalten. (epd/mig) Aktuell Wirtschaft
Wir informieren täglich über das Wichtigste zu Migration, Integration und Rassismus. Dafür wurde MiGAZIN mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. Unterstüzte diese Arbeit und verpasse nichts mehr: Werde jetzt Mitglied.
MiGGLIED WERDEN- Brief an die AfD Deine Migrationspolitik führt zu Plan B
- „Kahlschlag“ Ministerium will unabhängige Asylberatung stark kürzen
- Return Hubs EU beschließt Abschiebezentren außerhalb Europas
- Praxischeck Mehrheit der Afghanen auf Abschiebeliste keine Straftäter
- 25 Prüfungen, 25 Absagen Afghanen-Kurs unter Verdacht: Ignoriert Dobrindt Karlsruhe?
- Deutliche Verschiebung EU-Pläne: Return-Hubs in Afrika und Abschiebungen…

