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Putzeimer © de.depositphotos.com

SS-Mann und Unternehmer

Leifheit: Studie bestätigt Nähe zum Nationalsozialismus

Für viele galt Günter Leifheit als eine am Gemeinwohl orientierte Lichtgestalt – eine Erfolgsgeschichte aus der Wirtschaftswunderzeit. Doch der Unternehmer war einst überzeugter Nazi und bei einer SS-Eliteeinheit.

Von Dienstag, 29.09.2026, 15:02 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 29.09.2026, 15:02 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |  

Mit seinen Teppichkehrern und Wäscheständern hatte Günter Leifheit (1920-2009) im Wirtschaftswunder-Deutschland ein Vermögen verdient. Im rheinland-pfälzischen Nassau, am Firmensitz der Leifheit AG, wurde der Unternehmer zum Ehrenbürger ernannt, eine private Schule und das Kulturhaus tragen seinen Namen. Sein Millionenerbe floss in gemeinnützige Stiftungen, die an der Lahn und in seiner Wahlheimat Garmisch-Partenkirchen bis heute wichtige Impulse setzen. Doch das Bild der Lichtgestalt bekam 2024 Risse, als eine Untersuchung Leifheits Nazi-Vergangenheit aufdeckte. Wie schwer die Vorwürfe wiegen, sollte der Historiker Joachim Scholtyseck in einer weiteren Studie klären. Deren Ergebnisse liegen nun vor.

„Er war offenbar überzeugter Nationalsozialist“, sagt Scholtyseck über den jungen Leifheit. Der Professor für Geschichte der Neuzeit an der Universität Bonn hat bereits einige Aufsehen erregende Studien zu den Nazi-Verstrickungen deutscher Unternehmen und ihrer Besitzer verfasst. Scholtyseck bestätigt die wesentlichen Erkenntnisse seines Historiker-Kollegen Stefan Holler von 2024, der die Debatte um Günter Leifheit ins Rollen gebracht hatte. Schwerpunkt der vertiefenden Studie war unter anderem Leifheits Zeit während des Zweiten Weltkriegs.

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Freiwillig zur Waffen-SS gemeldet

1940 hatte sich der junge Rheinländer nach einem Aufstieg bei der Hitlerjugend freiwillig zur Waffen-SS gemeldet, mit 19 Jahren sei er nach damaligem Recht noch gar nicht volljährig gewesen. „Sein Vater hat den Antrag unterschrieben“, berichtet Scholtyseck. Leifheit sei bald bei der Leibstandarte SS „Adolf Hitler“ gelandet, einer ideologisch besonders gefestigten Eliteeinheit, für die er als Funker mit einer Pioniereinheit in den Kriegseinsatz geschickt wurde, unter anderem nach Griechenland und Frankreich sowie nach dem deutschen Überfall im Juni 1941 auch in die Sowjetunion.

Belege für eine persönliche Beteiligung Leifheits an den Kriegsverbrechen der SS fand auch Scholtyseck nicht – trotz intensiver Suche in alten Militär- und Prozessakten. „Das heißt nicht, dass in irgendeinem Sonderarchiv in der Ukraine nicht noch etwas auftauchen könnte“, schränkt er ein.

Der spätere Haushaltswaren-Magnat habe keinem der berüchtigten Sonderkommandos angehört, die insbesondere in den besetzten sowjetischen Gebieten für massenhafte Gräueltaten verantwortlich waren. „Es ist allerdings ziemlich unwahrscheinlich, dass er davon nichts mitbekommen hat“, sagt Scholtyseck. Mehrfach verwundet, habe Leifheit Aufenthalte in der Heimat genutzt, um weitere ideologische Schulungen zu durchlaufen und so an seinem Aufstieg im NS-System gearbeitet.

Braune Netzwerke schädlich fürs Geschäft

Auch nach Scholtysecks Untersuchung bleibt vieles an Leifheits Einstellung zum Nationalsozialismus weiter eine Mutmaßung. Das liegt unter anderem daran, dass er nach 1945 kein Entnazifizierungsverfahren durchlief, mutmaßlich, weil er einfach irgendwie durch die Maschen des Systems rutschte. Auch habe sich Leifheit später nie über sein früheres Leben geäußert und keine Memoiren hinterlassen. Am wahrscheinlichsten ist nach Scholtysecks Einschätzung, dass der einst begeisterte Nationalsozialist Kriegsende und Zusammenbruch für einen Schlussstrich nutzte und sich komplett neu orientierte.

Dass ewiggestrige SS-Veteranen sich in den Nachkriegsjahrzehnten lange Zeit ausgerechnet in Nassau an der Lahn für ihre jährlichen Treffen versammelten, wäre demnach lediglich ein Zufall. Verbindungen zu alten Nazikameraden konnte Scholtyseck bei Leifheit nicht belegen. Sie wären auch kontraproduktiv für dessen Geschäftserfolg gewesen, argumentiert er: „Es brachte damals keine Vorteile mehr, sich in braunen Netzwerken zu betätigen.“

Der Bonner Historiker will sich auf keine klare Empfehlung festlegen, welche Schlüsse die Kommunen Garmisch-Partenkirchen und Nassau und die auf Leifheits Nachlass zurückgehenden Stiftungen aus der Vergangenheit des Unternehmers ziehen sollten. Allerdings sagt er auch: Im Vergleich zu anderen Unternehmer-Biografien, etwa der der Industriellen-Familie Quandt, seit Leifheit im NS-Staat nicht nur wegen seines jungen Alters letztlich „eine kleine Nummer“ geblieben. (epd/mig) Aktuell Panorama

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