
Förderung sicherer Fluchtwege
Großbritannien öffnet Resettlement wieder
London will wieder besonders schutzbedürftige Geflüchtete über sichere Wege aufnehmen – mit Option auf dauerhaftes Bleiberecht. Für neue Asylfälle gelten dagegen kürzere Schutzfristen. Deutschland geht beim Resettlement derzeit in die andere Richtung.
Dienstag, 29.09.2026, 14:34 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 29.09.2026, 14:34 Uhr Lesedauer: 4 Minuten |
Großbritannien öffnet sein staatliches Resettlement-Programm wieder und will noch in diesem Jahr erste besonders schutzbedürftige Geflüchtete aufnehmen. Innenministerin Shabana Mahmood kündigte am Montag auf dem Labour-Parteitag in Liverpool an, das UK Resettlement Scheme ab sofort wieder für neue Vorschläge zu öffnen. Rund ein Viertel der vermittelten Personen sollen zusammen afghanische Frauen und Mädchen sowie palästinensische Geflüchtete sein. Über das Programm und drei weitere geplante Aufnahmewege sollen zunächst Hunderte Menschen ins Land kommen. Für sie ist ein fünfjähriger Weg zum dauerhaften Aufenthalt vorgesehen.
Die Öffnung ist Teil einer britischen Strategie, staatlich kontrollierte Zugangswege auszubauen und zugleich die Regeln für Menschen zu verschärfen, die selbst in Großbritannien Asyl beantragen. Die Regierung macht dabei ausdrücklich Unterschiede bei der langfristigen Bleibeperspektive.
Aufnahme über UNHCR
Beim Resettlement werden besonders schutzbedürftige Geflüchtete aus einem Erstzufluchtsland in einen aufnahmebereiten Drittstaat gebracht. Sie müssen sich also nicht selbst auf den Weg nach Großbritannien machen. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR identifiziert Schutzbedürftige nach bestimmten Kriterien und schlägt sie für eine Aufnahme vor. Die britischen Behörden entscheiden anschließend über die Einreise.
Großbritannien arbeitet bei dem wieder geöffneten Programm mit dem UNHCR und dem International Refugee Assistance Project zusammen. Zusätzlich plant London drei weitere Zugangswege: Geflüchtete sollen künftig mit Unterstützung von Gemeinden und gemeinnützigen Organisationen, über Universitäten sowie über Arbeitgeber einreisen können. Erste Aufnahmen über die neuen Gemeinde- und Hochschulprogramme sind für Herbst 2027 vorgesehen.
30 Monate für neue Asylfälle
Deutlich anders behandelt werden Erwachsene, die seit dem 2. März 2026 in Großbritannien Asyl beantragen und als schutzberechtigt anerkannt werden. Sie erhalten zunächst für mindestens 30 Monate ein Aufenthaltsrecht. Danach soll geprüft werden, ob sie weiterhin Schutz benötigen. Besteht die Gefahr im Herkunftsland fort, kann der Aufenthalt verlängert werden. Für unbegleitete minderjährige Asylsuchende gilt eine längere Frist von fünf Jahren.
Noch weiter gehen die Reformpläne der Regierung für den sogenannten Basisschutz. Wer dauerhaft in diesem System bleibt, soll künftig grundsätzlich erst nach 20 Jahren einen unbefristeten Aufenthaltsstatus erhalten können. Geflüchtete, die Arbeit aufnehmen oder studieren und in einen dafür vorgesehenen Aufenthaltsweg wechseln, sollen unter bestimmten Voraussetzungen früher einen dauerhaften Status erreichen können.
Das britische Innenministerium bezeichnet die günstigere Regelung für Menschen aus den staatlichen Aufnahmeprogrammen ausdrücklich als beabsichtigt. Sie sollen eine bessere Bleibeperspektive erhalten als Menschen, die etwa mit kleinen Booten über den Ärmelkanal oder auf anderen irregulären Wegen einreisen. Die Regierung will damit „irreguläre“ Migration unattraktiver machen und begrenzte legale Zugangswege stärken.
Damit soll künftig nicht allein der Schutzbedarf Einfluss auf die langfristige Perspektive haben. Auch der Weg, auf dem Menschen nach Großbritannien gelangen, bekommt größeres Gewicht.
UNHCR: Sichere Wege ersetzen kein Asyl
Das UNHCR unterscheidet jedoch klar zwischen Resettlement und dem individuellen Asylverfahren. Staatlich organisierte Aufnahmeprogramme seien eine Ergänzung zum Flüchtlingsschutz, könnten das Recht, Asyl zu suchen, aber nicht ersetzen. Das gelte auch für Menschen, die ohne reguläre Einreisegenehmigung ein Land erreichen.
Auch zahlenmäßig bleibt die britische Öffnung zunächst begrenzt. Die Regierung rechnet über das Resettlement-Programm und die drei zusätzlichen Zugangswege zunächst mit Aufnahmen im Bereich von Hunderten. Später soll die Zahl auf niedrige Tausenderwerte steigen können. Voraussetzung dafür soll nach Angaben des Innenministeriums sein, dass die irreguläre Migration zurückgeht. Zudem soll jährlich eine Obergrenze festgelegt werden.
London verknüpft den Ausbau regulärer Aufnahmewege damit ausdrücklich mit dem Ziel, „irreguläre“ Einreisen zurückzudrängen.
Deutschland setzt Resettlement auf unbestimmte Zeit aus
Während Großbritannien sein Programm wieder öffnet, ist das deutsche Resettlement derzeit auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Nach Angaben des UNHCR werden darüber aktuell keine neuen Geflüchteten in Deutschland aufgenommen.
Die Bundesregierung aus CDU, CSU und SPD hatte vereinbart, freiwillige Bundesaufnahmeprogramme „soweit wie möglich“ zu beenden. Im Dezember 2025 teilte sie dem Bundestag mit, Deutschland habe wegen des ausgesetzten Resettlements bislang auch keinen Beitrag zum EU-Aufnahmeplan für 2026 und 2027 gemeldet. Eine spätere Beteiligung blieb grundsätzlich möglich.
Für Menschen, die bereits über Resettlement nach Deutschland gekommen sind, gelten dagegen vergleichsweise langfristige Perspektiven. Sie erhalten zunächst eine auf drei Jahre befristete Aufenthaltserlaubnis. Nach fünf Jahren kann unter bestimmten Voraussetzungen eine unbefristete Niederlassungserlaubnis erteilt werden. (mig) Aktuell Ausland
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