
Gebrochenes Vertrauen
Afghanistan-Abschiebungen verunsichern Community in Deutschland
Nach einem neuen Abschiebeflug nach Afghanistan warnen Verbände vor großer Angst und Verunsicherung in der afghanischen Community. Afghanische Frauen fühlen sich verraten. Eine Beschränkung nur auf Straftäter gibt es nicht mehr.
Mittwoch, 29.07.2026, 16:35 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 29.07.2026, 12:41 Uhr Lesedauer: 2 Minuten |
Die Ausweitung der Abschiebungen nach Afghanistan sorgt nach Angaben des Verbandes Afghanischer Organisationen in Deutschland (VAFO) für eine große Verunsicherung in der Community in Deutschland. Es gebe die Sorge, irgendwann könne jeder betroffen sein, sagte der Verbandsvorsitzende Kefajatullah Hamidi am Mittwoch in einer Pressekonferenz des Mediendienstes Integration. Die Präsidentin des Vereins „Baaham“, die sich für die Rechte afghanischer Frauen einsetzt, sagte, viele Frauen, die in Deutschland Schutz suchten, fühlten sich „verraten“.
Am Montag hatte es erneut einen Abschiebeflug aus Deutschland nach Afghanistan gegeben. Wie eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums auf Nachfrage mitteilte, waren an Bord dieses Mal nicht nur Straftäter. Eine der 31 Personen, die zwangsweise in das von den radikalislamischen Taliban geführte Land gebracht wurden, sei zuvor nicht verurteilt worden.
Drohungen nach Kontakt mit Konsulaten in Deutschland
Die Koalition aus Union und SPD hatte vereinbart, Abschiebungen nach Afghanistan „beginnend mit Straftätern“ wieder aufzunehmen. Bislang waren nur Straftäter abgeschoben worden, das Innenministerium hatte aber bereits erkennen lassen, dass dies nun ausgeweitet wird.
Bei Afghaninnen und Afghanen in Deutschland, von denen viele vor den Taliban geflohen sind, herrscht den Organisationen zufolge nun große Angst, zurückkehren zu müssen. Nach Hashemis Worten fürchten viele bereits den Kontakt zu den afghanischen Konsulaten in Deutschland, die inzwischen von Vertretern des Taliban-Regimes verantwortet werden. Sie berichtete von Fällen, in denen nach Kontakten mit dem Konsulat etwa zur Verlängerung eines Passes Angehörige in Afghanistan von Taliban aufgesucht worden seien und Drohungen erhalten hätten.
Auch für die in Deutschland lebenden Menschen sei die Situation bedrohlich, weil die Konsulate Zugriff auf die Adressen der Betroffenen hätten, sagte Hashemi. Um eine Aufenthaltserlaubnis zu verlängern, gebe es für die Menschen aber keine Alternative. „Die Ausländerbehörden bestehen darauf, dass die Pässe verlängert werden“, sagte sie. (dpa/mig) Aktuell Panorama
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