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Eine Familie an Bord der Sea-Watch 4 (Archiv) © Twitter/@seawatchcrew

Nach neun Tagen Ausharren

„Geo Barents“ kann 659 Geflüchtete an Land bringen

Nach fast neun Tagen haben italienische Behörden den Geretteten an Bord der „Geo Barents“ einen Hafen zugewiesen. Seenotretter kritisieren die lange Wartezeit und fordern eine staatliche Rettungsmission im Mittelmeer.

Donnerstag, 04.08.2022, 19:00 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 04.08.2022, 15:38 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Nach mehr als einer Woche auf dem Mittelmeer können die 659 Geflüchtete an Bord des Rettungsschiffs „Geo Barents“ in Italien an Land. Die Behörden hätten der Crew den Hafen von Tarent zum Anlanden zugewiesen, erklärte die Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“, die das Schiff betreibt, am Donnerstag. Die Wartezeit von annähernd neun Tagen sei eine der längsten Blockaden, die das Team erlebt habe. „Das darf nicht wieder passieren.“

Die Besatzung der „Geo Barents“ hatte die Menschen bei mehreren Einsätzen innerhalb weniger Tage aus Seenot gerettet. Nach Angaben von „Ärzte ohne Grenzen“ sind mehr als 150 Minderjährige sowie zwei schwangere Frauen und mehrere Säuglinge an Bord. Die Crew hatte die Situation auf dem Schiff zuletzt als prekär bezeichnet und mitgeteilt, dass die Essensrationen knapp würden. Zwei Gerettete hatten aus Verzweiflung über die lange Wartezeit versucht, über Bord zu springen.

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Organisationen fordern staatliche Rettungsmission

Im Mittelmeer gibt es keine staatlich organisierte Rettungsmission, lediglich die Schiffe privater Organisationen halten Ausschau nach Geflüchteten in Seenot. Dabei müssen die Besatzungen immer wieder lange auf die Zuweisung eines Hafens in Italien warten. Malta verweigert den Helferinnen und Helfern seit Monaten die Anlandung. Derzeit ist neben der „Geo Barents“ auch die „Sea-Eye 4“ der gleichnamigen Organisation auf dem Mittelmeer im Einsatz und hat bisher 88 Überlebende an Bord.

Am Mittwoch forderten mehrere Organisationen die Einrichtung einer staatlich organisierten Rettungsmission auf dem Mittelmeer. Für viele Menschen, die in Libyen gestrandet sind, ist die Überquerung des Mittelmeers die letzte Hoffnung, Gewalt und Perspektivlosigkeit zu entkommen. Dabei gehört diese Fluchtroute zu den gefährlichsten weltweit.

Mehr als 1.000 Menschen gestorben

„Während die europäischen Behörden nicht gewillt sind, ihrer Pflicht zur Seenotrettung nachzukommen, verzögern sie außerdem die Ausschiffung von NGOs geretteter Menschen. Dieses unnötige tagelange Warten zermürbt die Geretteten: Sie haben das Mittelmeer überlebt, doch anstatt sich in Sicherheit zu wissen, müssen sie tagelang vor den verschlossenen Toren Europas darauf warten, dass ihre Menschenrechte respektiert werden“, sagte Sea-Watch-Sprecherin Mattea Weihe.

Laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sind seit Beginn des Jahres mindestens 1.081 Geflüchtete und Migranten bei der Überquerung des Mittelmeers gestorben oder gelten als vermisst. Die Dunkelziffer könnte weitaus höher liegen. (epd/mig)

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