Die Trauerfauer um Marwa © Wikipedia

Familie kämpft um Aufklärung

Gedenken an Rassismus-Opfer Marwa El-Sherbini

Zahlreiche Menschen haben der im Dresdner Landgericht ermordeten Ägypterin Marwa El-Sherbini gedacht. Sie wurde vor 13 Jahren Opfer eines rassistischen und islamfeindlichen Anschlags. Ihre Familie kämpft bis heute um Aufklärung.

Sonntag, 03.07.2022, 15:00 Uhr|zuletzt aktualisiert: Sonntag, 03.07.2022, 13:09 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Vor dem Dresdner Landgericht ist am Freitag an die Ermordung der Ägypterin Marwa El-Sherbini vor 13 Jahren erinnert worden. Vertreter und Vertreterinnen von Stadt und Land sowie aus der Zivilgesellschaft legten bei einer Gedenkveranstaltung für das Rassismusopfer weiße Rosen nieder. Unter ihnen war auch der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek. El-Sherbini war am 1. Juli 2009 am Landgericht aus Hass auf Muslime niedergestochen worden.

„Die Tat hat nichts von ihrem Schrecken verloren“, sagte Dresdens Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Linke). Die Stadtgesellschaft sei permanent gefordert, sichtbare Zeichen gegen jegliche Formen von Rassismus und Menschenfeindlichkeit zu setzen. Der damalige Anwalt der Ägypterin appellierte bei dem Gedenken in Dresden: „Vergesst diese Geschichte nicht!“. Es gelte, immer wieder gegen Rassismus aufzustehen.

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Der tödliche Angriff auf die schwangere El-Sherbini geschah während der laufenden Gerichtsverhandlung vor den Augen ihres Ehemannes und ihres dreijährigen Sohnes. Kurz zuvor hatte die 31-jährige Pharmazeutin gegen den Täter vor Gericht ausgesagt. Zu dem Prozess war es gekommen, weil El-Sherbini sich in einem Park gegen verbale, islamfeindliche Aussagen des Täters gewehrt hatte. Der Angreifer wurde 2009 wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Der Park vor dem Landgericht ist nach El-Sherbini benannt.

Familie kämpft um Aufklärung

Noch immer kämpft die Familie darum, dass Verantwortliche der damaligen Umstände am Landgericht zur Verantwortung gezogen und mögliche Fehler der Justiz aufgedeckt werden. So sei etwa der spätere Täter, der ein Messer bei sich trug, nicht durchsucht worden, obwohl seine rassistische Einstellung bekannt war, sagte der Berliner Anwalt Eberhard Schultz. Er vertritt die Familie El-Sherbini.

Kritik erntete auch das Vorgehen der Polizei. Das herbeigeeilte Sicherheitspersonal hatte nicht auf den angreifenden Täter gezielt, sondern auf den Ehemann von El-Sherbini, der mit aller Kraft versuchte, den Angreifer zu bändigen. Experten werfen der Polizei vor, sie sei aufgrund rassistischer Vorstellungen davon ausgegangen, der ausländisch gelesene Ehemann von Marwa El-Sherbini sei der Angreifer gewesen und habe deshalb auf ihn geschossen. (epd/mig)

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