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Rettungsschiff "Sea-Eye 4" © Guillaume Duez

Fadenscheinige Begründung

Seenotrettungsschiff „Ocean Viking“ in Sizilien festgesetzt

Erneut wurde das Seenotrettungsschiff „Ocean Viking“ von italienischen Behörden festgesetzt – mit fadenscheiniger Begründung. Die Seenotretter protestieren: „Allein im vergangenen Monat ertranken mindestens 240 Menschen vor der Türschwelle Europas.“

Donnerstag, 13.01.2022, 5:22 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 13.01.2022, 9:08 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Das Seenotrettungsschiff „Ocean Viking“ ist von den italienischen Behörden erneut festgesetzt worden. Bei der Inspektion im Hafen von Trapani in Sizilien sei eine fehlerhafte Registrierung von Container-Aufbauten bemängelt worden, teilte die Betreiberorganisation „SOS Méditerranée“ am Dienstagabend mit. Die Kontrolleure hätten die Zertifizierung der Container, die zum Schutz von Geretteten und als Lagerort für Rettungsgerätschaften dienten, als Ladung infrage gestellt – zweieinhalb Jahre nach dem Einbau und der Zustimmung aller zuständigen Stellen.

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„Gerade einmal gut ein Jahr nach der Freigabe des Schiffes nach fünfmonatiger Festsetzung durch die Behörden ist die ‚Ocean Viking‘ wieder festgesetzt“, protestierten die Seenotretter. Damit werde der nächste Einsatz wiederum verzögert, betonte Operationschef Frédéric Penard. Dabei sei 2021 bereits das tödlichste Jahr auf der Fluchtroute im zentralen Mittelmeer seit 2017 gewesen. „Allein im vergangenen Monat ertranken mindestens 240 Menschen vor der Türschwelle Europas.“ Private Seenotrettungsschiffe seien unabdingbar, um solche Schicksale zu verhindern.

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Im Juli 2021 hatten italienische Behörden das Schiff mit der Begründung festgesetzt, es habe mehr Personen befördert, als im Schiffszertifikat angegeben. Dabei handele sich allerdings um Menschen, die vor dem Ertrinken gerettet wurden. Nach internationalem Seerecht ist die Rettung von Menschen in Seenot Pflicht.

Eine der gefährlichsten Fluchtrouten

Die „Ocean Viking“ rettete nach Angaben der Organisation im vergangenen Jahr 2.832 Männer, Frauen und Kinder in 33 Einsätzen. Zuletzt hatte die Mannschaft kurz vor Weihnachten 114 Menschen in Sicherheit gebracht. Unter den Geretteten, die in libyschen Gewässern in Seenot geraten waren, war auch ein elf Tage alter Säugling.

Die Fahrt über das Mittelmeer gehört zu den gefährlichsten Fluchtrouten der Welt. Laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sind im vergangenen Jahr 2.026 Menschen bei der Überfahrt ums Leben gekommen oder werden vermisst. Die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen. (epd/mig)

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