ARD, Tagesschau, Nachrichten, TV, Kamera, Journalist
Fernsehkamera © Marcus Sümnick @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG

Studie

Migrantisch wahrgenommene Menschen im Wahlkampf-TV kaum zu sehen

Migrantisch wahrgenommene Menschen sind in den Abendnachrichten unterrepräsentiert. Das geht aus einer aktuellen Erhebung hervor. Und kommen sie zu Wort, dann oft im Kontext von Migration und Flucht.

Donnerstag, 18.11.2021, 5:25 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 17.11.2021, 17:28 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Im Wahlkampf sind migrantisch wahrgenommene Menschen in den Abendnachrichten der großen Fernsehsender höchst selten zu sehen gewesen. Das geht aus einer Studie zur Sichtbarkeit in der Wahlkampfberichterstattung 2021 des Netzwerks „Neue deutsche Medienmacher*innen“ hervor, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Ähnlich sieht es bei erkennbar religiöse Menschen aus. Der Stichprobe zufolge waren weniger als 0,5 Prozent aller Personen, die im „Heute Journal“ (ZDF), in den „Tagesthemen“ (ARD) und bei „RTL Aktuell“ gezeigt wurden, augenscheinlich religiös – die meisten von ihnen waren christlich.

Anzeige

Deutlich unterrepräsentiert waren im Wahl-TV laut Erhebung auch Menschen, die die als migrantisch wahrgenommen werden. Unter den untersuchten Sendungen schnitt das „Heute Journal“ im ZDF dabei am schlechtesten ab (7 Prozent). Der Gesamtdurchschnitt lag bei zehn Prozent. „Verglichen mit dem Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund in der Bevölkerung (27 Prozent) sind sie also deutlich unterrepräsentiert“, so die Kritik der Studienautoren.

___STEADY_PAYWALL___

Oft im Kontext von Migration und Flucht

Werden migrantisch wahrgenommene Menschen im Fernsehen gezeigt, äußern sie sich laut Studie „besonders oft im Kontext von Migration und Flucht“. Bei den üblichen Wahlkampf-Themen wie Arbeitsmarkt, Klima, Gesundheit, Corona, Sicherheit oder Steuern sowie weiteren innenpolitischen Fragen kamen sie der Erhebung zufolge dagegen nur am Rande vor (durchschnittlich 7 Prozent).

„Wenn es um Sichtbarkeit geht, macht es nicht nur einen Unterschied, ob man zu sehen ist oder nicht, sondern auch, in welcher Rolle Menschen zu sehen sind“, heißt es dazu in der Studie. Eine besonders wichtige Rolle komme dabei Experten zu. Doch auch sie würden ganz überwiegend im Kontext von Migration und Flucht gehört.

Auch Politiker unterrepräsentiert

Deutlich unterrepräsentiert sind der Erhebung zufolge auch migrantisch wahrgenommene Politiker im Fernsehen. Von allen Politikern, die sich in der heißen Phase des Wahlkampfs äußerten, waren durchschnittlich 4 Prozent migrantisch wahrgenommene Menschen, heißt es. Mit 13 Prozent liegen die Grünen hier ganz vorn, CDU rangiert in der Tabelle mit 2 Prozent auf dem vorletzten Platz. Nur die CSU schneidet schlechter ab, für diese Partei „sprechen nur weiße Deutsche“, so die Studienautoren.

So gut wie gar nicht wahrnehmbar waren den Angaben zufolge Personen mit erkennbarer Behinderung (0,7 Prozent).

Analysiert wurden laut Netzwerk vom 1. August bis zum 30. September pro Tag je eine Folge der drei Nachrichtenmagazine. In 183 Nachrichtensendungen seien dabei knapp 4.200 Auftritte von über 2.500 Personen identifiziert worden. (epd/mig)

Leitartikel Panorama
Zurück zur Startseite
UNTERSTÜTZE MiGAZIN! (mehr Informationen)

Wir informieren täglich über Migration, Integration und Rassismus. Dafür wurde MiGAZIN mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet. Um diese Qualität beizubehalten und den steigenden Ansprüchen an die Themen gerecht zu werden bitten wir dich um Unterstützung: Werde jetzt Mitglied!

MiGGLIED WERDEN
MiGLETTER (mehr Informationen)

Bestelle jetzt den kostenlosen MiGAZIN-Newsletter:

Auch interessant
MiGDISKUTIEREN (Bitte die Netiquette beachten.)

  1. Levent Öztürk sagt:

    Man sollte aber auch berücksichtigen, dass es sich bei den prozentual wenigen medial in Erscheinung tretenden „Migrantischen“ um sogenannte Haustürken bzw. Hausaraber handelt, die stets dann aus der Schublade herausgekramt werden und man Ihnen ein Mikrofon hinhält, weil es wieder bezüglich Türkischer Regierung oder in Deutschland lebende Muslime, Türken, Migranten, Flüchtlinge etc. etwas zu kritisieren und echauffieren gibt. Diese „migrantischen Experten“ wissen gut und genau, was der „Deutsche“ hören möchte und sind daher medial anwesend. Hinsichtlich Beispiele gibt es diesbezüglich Dutzende, die Auflistung deren Namen erspare ich hier lieber an dieser Stelle.