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ARD-Hauptstadtbüro © falco @ pixabay.com (Lizenz), bearb. MiG

ARD berät über Abich

Rolle des ARD-Programmdirektors in der NS-Zeit

Welche Rolle spielte der einstige ARD-Programmdirektor Hans Abich in der NS-Zeit? Nach einer Veröffentlichung in der „Zeit“ will sich die Historische Kommission der ARD mit dem Fall des populären ARD-Granden beschäftigen.

Freitag, 19.11.2021, 5:19 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 18.11.2021, 15:53 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |  

Die Historische Kommission der ARD will sich mit einer Veröffentlichung zur Rolle des einstigen ARD-Programmdirektors Hans Abich im Nationalsozialismus beschäftigen. Eine Sprecherin von Radio Bremen sagte am Mittwoch dem Evangelischen Pressedienst (epd), die Kommission werde die Erkenntnisse des am 11. November in der Wochenzeitung „Die Zeit“ veröffentlichten Artikels auf ihrer kommenden Sitzung ansprechen und über den weiteren Umgang damit beraten. Der ehemalige Direktor des Grimme-Instituts, Uwe Kammann, fordert in der Diskussion über die Rolle Abichs Besonnenheit und Aufklärung.

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Hans Abich (1918-2003) war ab 1961 Programmdirektor Hörfunk und Fernsehen bei Radio Bremen und von 1968 bis 1973 Intendant des Senders. Von 1973 bis 1978 war er Programmdirektor des Ersten Deutschen Fernsehens.

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Referent im Reichsministerium für Propaganda

In dem „Zeit“-Artikel, der unter der Überschrift „Von der HJ auf den TV-Olymp“ erschien, wirft der Filmhistoriker Armin Jäger Abich vor, er habe als junger Mann ab 1943 als Referent im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda gearbeitet und sei stellvertretender Hauptschriftleiter bei den Propagandapublikationen „Geist der Zeit“ und „Sieg der Idee“ gewesen. Jäger schreibt, Abich habe „willig als Propagandahelfer“ gearbeitet.

Die Deutsche Akademie der Darstellenden Künste, die seit 2004 ihren Ehrenpreis für herausragende Verdienste um den Fernsehfilm als „Hans-Abich-Preis’„ vergibt, hatte am 12. November mitgeteilt, dass sie den Preis in diesem Jahr nur als „Ehrenpreis“ vergeben werde. Sie habe die in der „Zeit“ veröffentlichten Recherchen über Abich „mit Überraschung und Betroffenheit zur Kenntnis genommen“ und werde die Rechercheergebnisse überprüfen und aufarbeiten. Der Fernsehsender 3sat, der das Fernsehfilm-Festival in Baden-Baden mit veranstaltet, teilte dem epd mit, er unterstütze das Vorgehen der Akademie.

Preis nicht nach Abich benennen

Jäger hatte in seinem Artikel gefordert, den Preis nicht mehr nach Abich zu benennen, der zu den Gründern des Fernsehfilm-Festivals Baden-Baden gehörte. Das Festival beginnt am 22. November. Der Ehrenpreis soll am 26. November verliehen werden. Er geht in diesem Jahr an die Produzenten Qurin Berg und Max Wiedemann. Zu den Preisträgern gehörten in den vergangenen Jahren unter anderem der Regisseur Dominik Graf, die Regisseurin Julia von Heinz, der Produzent Nico Hofmann und der Schauspieler Matthias Brandt.

Kammann warnte in einem Beitrag für den Fachdienst „epd medien“ davor, die Verdienste Abichs um das deutsche Fernsehen der 60er und 70er Jahre zu vergessen. Abich sei ein „anregender Mediengeist“ gewesen, „der jederzeit auch ein Freigeist war“, schrieb Kammann. Als Programmdirektor und Intendant von Radio Bremen sowie als ARD-Programmdirektor habe er entscheidend zur „Zivilität der Bundesrepublik“ beigetragen. Die Akademie solle sich auf ihre Tradition der Aufklärung und des „erhellenden Diskurses“ besinnen, forderte der ehemalige Direktor des Grimme-Instituts.

Medienforscher: Funktion im NS-Regime nicht neu

Der Publizist und Medienforscher Lutz Hachmeister sagte dem „Evangelischen Pressedienst“, dass Abich im jungen Alter verschiedene Funktionen im NS-Regime gehabt habe, sei nicht neu. Er selbst habe in seiner 1998 veröffentlichten Habilitationsschrift „Die Karriere des SS-Führers Alfred Six“ Laufbahn und Rolle Abichs beschrieben, der an der von Six gegründeten „Auslandswissenschaftlichen Fakultät“ in Berlin studentischer Fachgruppenleiter wurde und dem Institut verbunden blieb. Zitate von Abich-Artikeln aus jener Zeit seien seiner Einschätzung nach Zeugnisse einer „moderaten nationalsozialistischen Einstellung“, geprägt durch „hohle Phrasen“, sagte Hachmeister.

Der Medienforscher sagte, er selbst habe einmal versucht, mit Abich über seine Zeit im Propagandaministerium zu sprechen, dieser habe jedoch nicht darüber reden wollen oder können: „Er hat irgendwie versucht, das zu umgehen.“ (epd/mig)

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