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Ein Flüchtlingslager in Nigeria (Archiv) © World Food Programme (WFP)

Appell an EU

Hilfsorganisation zu Flüchtlingslagern in Libyen: Kaum Luft zum Atmen

Die Zustände in libyschen Flüchtlingslagern sind „schlimmer als im Gefängnis“: keine Toiletten, keine Fenster. Manche werden von Kriminellen betrieben. Hilfsorganisationen rufen die EU auf, die Zusammenarbeit mit Libyen zu beenden.

Von Dienstag, 02.11.2021, 5:23 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 01.11.2021, 12:40 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Die Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ hat die Zustände in libyschen Internierungslagern für Flüchtlinge angeprangert. In und um die Hauptstadt Tripolis würden Tausende Flüchtlinge und Migranten in Lagerhallen und Hangars festgehalten, sagte die „Ärzte ohne Grenzen“-Projektmanagerin für Libyen, Ellen van der Velden, dem „Evangelischen Pressedienst“ in Amsterdam. In vielen Lagern gebe es keine Toiletten, keine Fenster und kaum Luft zum Atmen. Zuletzt habe sich die Situation nochmal verschlimmert.

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Libyen ist ein Haupttransitland für Flüchtlinge und Migranten auf dem Weg nach Europa. Nach UN-Angaben leben mindestens 43.000 Flüchtlinge in dem nordafrikanischen Land. „Ärzte ohne Grenzen“ habe derzeit Zugang zu drei von den libyschen Behörden unterhaltenen Internierungslagern in und um Tripolis, sagte van der Velden. Wie viele Menschen insgesamt von den Behörden oder kriminellen Gruppen festgehalten werden, sei schwer zu beziffern.

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Lager von Kriminellen betrieben

In den von der Hilfsorganisation regelmäßig besuchten Lagern habe sich die Lage zuletzt verschärft. So seien sie nach einer Verhaftungswelle Anfang Oktober extrem voll, erklärte die Projektmanagerin. „Die Menschen können sich oft nicht hinsetzen oder hinlegen.“ Immer wieder müssten bewusstlose Flüchtlinge und Migranten versorgt werden.

Außerhalb der Hauptstadt würden viele Lager von kriminellen Organisationen betrieben, zu denen ihre Organisation keinen Zutritt habe, sagte van der Velden. Flüchtlinge und Migranten, die von dem von „Ärzte ohne Grenzen“ betriebenen Rettungsschiff „Geo Barents“ gerettet wurden, berichten demnach jedoch von furchtbaren Bedingungen.

„Schlimmer als im Gefängnis“

So hätte viele Flüchtlinge erzählt, während Telefonaten mit ihrer Familie verprügelt worden zu sein, damit die Verwandten ihren Peinigern Geld schickten. „Es ist schlimmer als im Gefängnis“, sagte van der Velden. Denn dort bekämen die Insassen immerhin Information und wüssten, wann sie wieder freikommen.

Die Libyen-Beauftrage der Hilfsorganisation forderte die Europäische Union dazu auf, die Zusammenarbeit mit der libyschen Küstenwache zu beenden. „Die Kooperation muss stoppen.“ Die Küstenwache bringe ausnahmslose alle von ihr auf dem Mittelmeer abgefangenen Menschen in die Lager, wo sie unter unmenschlichen Bedingungen lebten. Zudem müsse die internationale Gemeinschaft, Schutzsuchende aus Libyen evakuieren und auf andere Staaten verteilen. (epd/mig)

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