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Seenotretter vom Rettungsschiff "Alan Kurdi" im Mittelmeer © Sea Eye/Cédric Fettouche

Mittelmeer

„Ärzte ohne Grenzen“ starten Seenotrettung mit eigenem Schiff

Bislang waren Mitarbeiter von „Ärzte ohne Grenzen“ zur Seenotrettung vor den Küsten Europas auf sieben Schiffen im Einsatz. Nun will die Nothilfeorganisation mit einem eigenen Schiff Flüchtlinge im Mittelmeer retten.

Freitag, 14.05.2021, 5:22 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 13.05.2021, 20:19 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Die Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ will die Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer fortan mit einem eigenen Schiff organisieren. Zum Einsatz komme dafür die gecharterte „Geo Barents“. Das Schiff sei am Donnerstagmorgen im norwegischen Hafen Alesund gestartet, wie eine Sprecherin von Ärzte ohne Grenzen auf Anfrage am Donnerstag in Berlin sagte. Ziel sei, „die Leben von Geflüchteten und Migranten zu retten, die sich auf die gefährliche Überfahrt von Libyen nach Europa machen und dabei in Lebensgefahr geraten“.

Nach Angaben von „Ärzte ohne Grenzen“ erreichten 2021 bislang fast 13.000 Flüchtlinge die italienische Küste. Mindestens 555 starben bei dem Versuch der Überfahrt oder werden vermisst, wie es weiter hieß. In der gleichen Zeit seien mehr als 7.000 Geflüchtete und Migranten von der durch die EU-unterstützten libyschen Küstenwache abgefangen und gewaltsam nach Libyen zurückgebracht worden.

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Mehr als 81.000 Menschen versorgt

Seit 2015 waren Teams von „Ärzte ohne Grenzen“ auf insgesamt sieben Seenotrettungsschiffen auf dem Mittelmeer im Einsatz. Teilweise hatte die medizinische Nothilfeorganisation die Schiffe mit anderen Organisationen gemeinsam betrieben. Insgesamt seien Mitarbeitende von „Ärzte ohne Grenzen“ an 682 Such- und Rettungseinsätzen beteiligt gewesen und hätten mehr als 81.000 Menschen versorgt, hieß es.

Das Schiff „Geo Barents“ wurde den Angaben zufolge von Uksnøy & Co AS gechartert und 2007 gebaut. Das Schiff mit einer Länge von 76,95 Metern segelt unter norwegischer Flagge, wie die Hilfsorganisation weiter mitteilte. Es sei für Such- und Rettungseinsätze umgebaut worden und habe zwei Decks für Überlebende, eines für Männer und eines für Frauen und Kinder. An Bord befinde sich eine Klinik, ein Zimmer für gynäkologische Untersuchungen durch eine Hebamme und ein Beobachtungsraum für alle medizinischen Aktivitäten.

„Rücksichtslose EU-Politik“

„Unsere Rückkehr ins Mittelmeer ist eine direkte Folge der rücksichtslosen europäischen Politik der unterlassenen Hilfeleistung auf See. Diese Politik verurteilt Menschen zum Sterben“, sagte Ellen van der Velden, die Leiterin des Seenotrettungseinsatzes von „Ärzte ohne Grenzen“: „Im Laufe der Jahre haben sich die europäischen Regierungen immer mehr aus der proaktiven Such- und Rettungsarbeit im zentralen Mittelmeer zurückgezogen.“ Europa habe es versäumt, Menschen in Gefahr zu helfen und die dringend benötigte Arbeit von Organisationen in der Seenotrettung bewusst behindert, „wenn nicht gar kriminalisiert“, kritisierte van der Velden.

„Ärzte ohne Grenzen“ fordere ein Ende der EU-Unterstützung für die libysche Küstenwache sowie der zwangsweisen Rückführung von Menschen nach Libyen. „Wir werden angesichts dieser menschengemachten Katastrophe nicht schweigen“, sagte van der Velden. Die europäischen Mitgliedsstaaten müssten sicherstellen, „dass ein engagierter, proaktiver, staatlich geführter Such- und Rettungsmechanismus im zentralen Mittelmeer wieder in Gang gesetzt wird“. (epd/mig)

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