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Fußballspiel im Stadion (Archiv) © Pexels @ pixabay.com (Lizenz), bearb. MiG

Rote Karte

Niedersachsen will gegen Judenfeindlichkeit im Fußball vorgehen

Schmährufe aus der Fankurve oder dumme Sprüche im Vereinsheim: Im Fußball kommt es immer wieder zu antisemitischen Beschimpfungen und Beleidigungen. Ein neuer Leitfaden aus Niedersachsen soll jetzt aufzeigen, was Clubs dagegen tun können.

Dienstag, 06.04.2021, 5:23 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 05.04.2021, 10:57 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Mit einer Reihe von Handlungsempfehlungen will das Land Niedersachsen gegen Antisemitismus im Fußball vorgehen. „Wer im Sport Judenfeindlichkeit wahrnimmt, der muss dagegen einschreiten“, betonte Justizministerin Barbara Havliza (CDU) am Mittwoch in Hannover. „Das gilt für Lieder in der Fankurve genauso wie für dumme Sprüche im Vereinsheim.“ Havliza nahm eine Broschüre zum Umgang mit Antisemitismus entgegen, die von der Gedenkstätte für das ehemalige Konzentrationslager Bergen-Belsen und vom Jüdischen Weltkongress entwickelt worden war.

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Antisemitische Beschimpfungen, Bedrohungen und gewaltsame Übergriffe gegen jüdische und nicht-jüdische Vereine, Spielerinnen und Spieler und deren Fans seien sowohl im Profifußball als auch im Breitensport keine neuen Phänomene, heißt es in dem Leitfaden. Wirksame und vorbeugende Maßnahmen dagegen sowie Forschung, die zur Aufklärung und Weiterentwicklung von Bildungsangeboten beitrage, seien bisher allerdings nur vereinzelt vorhanden.

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Präventionsangebote und Initiativen gegen Antisemitismus gebe es vor allem im Profifußball, sagte Raimund Lazar, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Gedenkstätte. Im Amateurfußball fehle es dagegen an Projekten. Dies hänge häufig mit den begrenzten Ressourcen lokaler Vereine zusammen. „Deswegen empfehlen wir umso mehr, dass sich Vereine an der Basis mit größeren Vereinen vernetzen“, sagte Lazar. Vereine sollten sich mit ihrer Vereinsgeschichte und möglichen antisemitischen Vorfällen auseinandersetzen, riet er. Auch müssten sie bei der Sensibilisierung jüdische Perspektiven einbeziehen, etwa durch gemeinsame Spiele mit jüdischen Vereinen.

Rote Karte für Antisemiten

„Antisemiten müssen die Rote Karte gezeigt bekommen“, forderte der niedersächsische Antisemitismus-Beauftragte Franz Rainer Enste, der den Anstoß für das Projekt gegeben hatte. Menachem Rosensaft, stellvertretender Geschäftsführer des Jüdischen Weltkongresses, sagte: „Wir müssen alles in unserer Macht Stehende tun, um die Welt des Sports von Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und allen anderen Formen von Fanatismus zu befreien.“

Wie praxistauglich die Handlungsempfehlungen sind, wollen die Projektbeteiligten nun in einem Folgeprojekt erproben: Lazar zufolge kooperieren die Initiatoren dabei mit Vereinen, Fanprojekten und prominenten Gesichtern. Ziel sei es, die Präventionsarbeit gegen Antisemitismus voranzutreiben und für Anlaufstellen gegen antisemitische Vorfälle zu werben. (epd/mig)

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