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Christiane Carstensen © privat, Zeichnung: MiG

Sprachhintergrund

Gekniffen

Still und leise wurden über den Jahreswechsel die Finanzhilfen für die Integrations- und Berufssprachkurse gekürzt. Wer dachte, 2020 würde hart, kennt 2021 noch nicht.

Von Donnerstag, 21.01.2021, 5:22 Uhr|zuletzt aktualisiert: Mittwoch, 20.01.2021, 17:01 Uhr Lesedauer: 2 Minuten  |  

Seit März 2020 geben Sprachschulen und Lehrkräfte ihr Bestes, um Lernende in Integrationskursen & Co sprachlich und gesundheitlich gut durch die Pandemie zu bringen. Das geht nur mit viel Kreativität und Engagement: Kleine Gruppen, online-Unterricht, hybrider Unterricht. Das funktioniert bei einem Teil unserer Lernenden hervorragend.

Bei einem anderen Teil unserer Zielgruppe ist nicht alles möglich, was technisch machbar ist. Menschen, die nicht lesen oder schreiben können, ihr Handy nicht eigenständig an- und ausschalten können und die zu Hause mehrere Kinder in einer kleinen Wohnung betreuen sind schwer von den Vorteilen des online-Unterrichts zu überzeugen.

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Zum Glück hat der Bund unsere Branche bisher mit Finanzhilfen unterstützt, denn sonst hätten nur die Träger mit jungen, digitalaffinen Lernenden wirtschaftlich einigermaßen überlebt und diejenigen, die sich seit Jahren mit ihrer Expertise um die Zielgruppe der Analphabeten kümmern, wären wirtschaftlich sang- und klanglos untergegangen.

Gekniffen gewesen wären zuallererst die Sprachschulen, aber auch die Lehrkräfte, die in den Finanzhilfen mitgedacht sind.

Gekniffen wäre die vielfältige Trägerlandschaft, die dafür sorgt, dass durch die Spezialisierung die syrische Ärztin und der somalische Viehhirte in unterschiedlichen Kursen in ihrem jeweils eigenen Tempo lernen können.

Gekniffen wären die Bundesländer und Kommunen, die darauf vertrauen, dass den Jobcentern vor Ort ein gutes und breites Angebot an Integrationskursen – auch für nicht-alphabetisierte Menschen – zur Verfügung steht.

Und ganz besonders gekniffen wären die Lernenden, die auf Sprachschulen und gut ausgebildetes Lehrpersonal vertrauen möchten, die Erfahrung mit Alphabetisierung haben.

Tja, die Finanzhilfen für 2021 wurden verändert und ab sofort werden nur noch Einrichtungen finanziell unterstützt, denen Präsenzunterricht untersagt ist und die im Einzelfall keinen online-Unterricht durchführen können.

Für einen Teil der Trägerlandschaft und Lehrkräfte bedeutet dies das wirtschaftliche Aus, denn die Krux an der neuen Finanzhilfe 2021: Es gibt anscheinend gar keine Einzelfälle, weil jeder Mensch online-Unterricht machen kann. Es gäbe keine Probleme, sondern nur Lösungen.

Ist das so?

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  1. Ursula sagt:

    „Tja, die Finanzhilfen für 2021 wurden verändert und ab sofort werden nur noch Einrichtungen finanziell unterstützt, denen Präsenzunterricht untersagt ist und die im Einzelfall keinen online-Unterricht durchführen können.“ Kann mir mal jemand diesen Satz erklären? Was bedeutet das in der Praxis?