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MiGAZIN Kolumnist Sven Bensmann © privat, Zeichnung MiG

Nebenan

Brotlose Kunst

Seit Corona hat die Künstlerszene das Jammern zu einer neuen Kunstform erhoben. Sie fordern Lösungen - für sich selbst. Dabei muss es heißen: Nie wieder Hunger. Nie wieder Obdachlosigkeit. Nie wieder Moria.

Von Dienstag, 03.11.2020, 5:23 Uhr|zuletzt aktualisiert: Montag, 02.11.2020, 9:54 Uhr Lesedauer: 5 Minuten  |   Drucken

Genau 4 Jahre ist es bei Erscheinen dieser Zeilen her, dass Donald Trump zum Präsidenten der USA gewählt wurde. Heute wählt ein Teil der USA also erneut einen Präsidenten und ein noch größerer Teil der deutschen Journaille erwartet offenbar, dass spätestens zu den Morgennachrichten ein Ergebnis feststeht. Dabei ist der Anteil der early voters, also jener, die schon vor dem Wahltag ihre Stimme abgegeben haben, hoch wie nie und macht deutlich mehr als die Hälfte aller abgegebenen Stimmen aus (2016 haben nur knapp 130 Millionen überhaupt gewählt, über 85 Millionen schon vor diesem Wochenende).

Die Auszählung dieser überrepräsentativ demokratischen Stimmen dauert üblicherweise länger, und der Supreme Court mit seinem deutlichen republikanischen Übergewicht hat bereits angekündigt, gegebenenfalls nicht alle Stimmen wirklich auszählen zu lassen. Weder sind die Stimmen der Wahl am heutigen Dienstag also wirklich repräsentativ, noch wissen wir, ob das offizielle Wahlergebnis am Ende repräsentativ sein wird – eine Aussage über den Gewinner schon am Mittwoch ist also (aller Voraussicht nach) reine Kaffeesatzleserei.

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Währenddessen hat die Künstlerszene in Deutschland das Jammern auf teils ziemlich hohem Niveau zu einer neuen Kunstform erhoben. Ohne die Probleme, vor denen einige dieser Menschen stehen, verharmlosen zu wollen, muss ich doch mal ein paar Dinge loswerden, die mir dazu auf der Seele brennen.

Für Menschen, die nicht arbeiten können, gibt es in diesem Land eine soziale Grundversorgung. Für den Künstler, der aktuell nicht auf die Bühne kann, sollte daher dasselbe gelten, wie für die 60-jährige Solaringenieurin, die aktuell und vielleicht nie wieder einen Job finden wird, weil die deutsche Politik der deutschen Solarbranche einen Dolch in den Rücken gerammt hat.

Dass sich Künstler:innen hinstellen und eine Partikularlösung für sich selbst und ihren Berufsstand fordern, damit ihr eigener Lebensstandard gesichert wird, während sie an alle anderen Arbeitslosen keinen Gedanken verschwenden, ist schlicht asozial. Weil Hartz IV ihnen nicht zum Leben und nicht zum Sterben reicht, sie aber keinen Gedanken darauf verwenden wollen, dass es auch anderen nicht so gut gehen könnte, dass sie es vielleicht mit einem systemischen und keinem individuellen Problem zu tun haben, gehen Künstler:innen auf die Straße und rufen nach Staatshilfen – als hätte auch vor Corona nur ein einziges Prozent von Ihnen überleben können, ohne auf öffentliche Förderung durch Steuergelder angewiesen zu sein.

„Wenn den Künstler:innen das Hartz IV als Absicherung in der Krise nicht ausreicht, darf die Antwort doch nicht lauten: Sollen die anderen doch hungern, solange wir Brot und Kuchen haben – sie muss lauten: Nie wieder Hunger. Nie wieder Obdachlosigkeit. Nie wieder Moria.“

Dass alle Menschen in Deutschland vernünftig leben können sollten, egal ob hier geboren oder nicht, egal ob aus armen Verhältnissen oder mit Eltern, die genug Wohlstand angesammelt haben, damit Sohnemann und Töchterchen aus dieser Sicherheit heraus auf der Bühne des Stadttheaters mit Fäkalien schmeißen oder auf der kommunalen Bühne Liederchen trällern können, um mit etwas Glück irgendwann mal davon die Miete bezahlen zu können, daran scheint von diesen Menschen kaum jemand zu denken. Sicher, diese Menschen befinden sich in einer Notsituation, die sie selbst nicht verursacht haben und ihnen wurde sehr kurzfristig der Boden unter den Füßen weggezogen. Aber ging es den Schleckerfrauen anders?

Wenn den Künstler:innen das Hartz IV als Absicherung in der Krise nicht ausreicht, darf die Antwort doch nicht lauten: Sollen die anderen doch hungern, solange wir Brot und Kuchen haben – sie muss lauten: Nie wieder Hunger. Nie wieder Obdachlosigkeit. Nie wieder Moria.

Kostet das Geld? Natürlich. Aber es ist doch nicht so, als wäre das Geld nicht da – wir nehmen es nur denen, die das Hundertfache dessen haben, was sie in ihrem Leben je werden ausgeben könnten, nicht einmal anteilsweise ab: Steuern zahlen nur die, die nicht genug verdienen, um es sich leisten zu können, es nicht zu tun. Wir entlassen all die, die eine Million mehr oder weniger gar nicht mehr bemerken würden, aus der Solidarität mit ihren Mitbürgern, und behaupten dann, die Staatskassen seien leer.

Und warum auch nicht? Diejenigen, die das Geld haben, bestimmen schließlich, was morgen in der Zeitung steht und im Privatfernsehen läuft – warum sollte also dort nicht festgestellt werden, dass kein Geld da ist für eine soziale Absicherung, die niemand, den diese Menschen persönlich kennen, je benötigen wird?

„Sicher, Ihr seid Künstler… Nutzt eure Plattformen, eure Bühnen, eure facebook- und twitter-Accounts doch einfach mal, um der Welt zu erklären, dass Ihr gerade herausgefunden habt, was es bedeutet, wirklich arm zu sein, dass es nervt und man sofort etwas dagegen unternehmen muss“

In diesem Sinne: An all die Asozialen, die jetzt Staatshilfen für sich selbst fordern und nicht ein Sozialsystem, dass allen ein würdiges Leben erlaubt und das allen Menschen dient: Haltet einfach die Fresse. Meine Solidarität habt ihr nicht. Wenn ihr auf die Straße geht und dort ernsthaft behauptet, wie in einem O-Ton aufgegriffen: „Wir sind ja nicht arbeitslos, wir dürfen nur nicht arbeiten“, dann entgegne ich dem: Haltet die Fresse. Haltet einfach die Fresse. Es ist nicht so, dass der Lausitzer Kumpel plötzlich zu dumm ist, eine Arbeit zu finden: der darf auch nicht mehr arbeiten, weil wir aus der Kohleverstromung aussteigen müssen. Aber warum sollte ausgerechnet dem Künstler (oder der Künstlerin) nicht das Hemd näher sein als die Hose. Erst kommt das Fressen, dann die Moral. Wenn jeder an sich selbst denkt, ist an alle gedacht.

Sicher, Ihr seid Künstler, weil Ihr nichts Anständiges gelernt habt und nichts könnt, was auf dem regulären Arbeitsmarkt von Wert wäre. Tough luck. Nutzt eure Plattformen, eure Bühnen, eure facebook- und twitter-Accounts doch einfach mal, um der Welt zu erklären, dass Ihr gerade herausgefunden habt, was es bedeutet, wirklich arm zu sein, dass es nervt und man sofort etwas dagegen unternehmen muss. Dann können, wenn all das hier einmal vorbei ist, all die Arbeitslosen und Asylbewerber vielleicht sogar irgendwann mal genug Geld zusammenkratzen, um sich eine Eintrittskarte für eure Veranstaltungen kaufen zu können. Papi und Mami werden euch in der Zwischenzeit schon den ein oder anderen Fuffi zustecken.

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  1. Gereon Hoffmann sagt:

    Junge, Du hast echt raus, wie man sich Freunde macht.
    Ich bin sicher, die Zahl der Benefizkonzerte, die wir Musiker für Dich und Dein Anliegen spielen werden, geht jetzt sprunghaft nach oben. Herzlichen Dank auch für den Hinweis, dass es anderen auch schlecht geht. Ist mir bis jetzt völlig entgangen. Darf ich noch darauf hinweisen, dass Du Deine Argumentation („Und was ist mit…“) nicht zu Ende gedacht hast: Wenn wir die Bienen nicht retten, sterben auch die Schleckerfrauen und Kohlekumpel. Und weil ich mir nicht sicher bin, dass Du Sarkasmus erkennst, wenn er vor Dir steht, hier noch mal explizit für Dich: Es ist mit Abstand das allerdümmste Verhalten im Klassenkampf auch noch einen Keil zwischen die Benachteiligten und Unterdrückten zu treiben. Damit fällst Du allen in den Rücken. Und Deine Art, Künstler in diesem Text herabzuwürdigen und verächtlich zu machen, ist kein Beitrag zu einer humaneren, solidarischen Gesellschaft. Mit Leuten, die andere so verachten, ist die auch nicht zu machen.

  2. Jule sagt:

    Sie werfen leider alle Künstler in einen Topf – eine Star, die pro Abend 10000 Euro Gage bekommen und bei denen es darum geht, dass sie es nicht ertragen, mal ein Jahr ohne Applaus zu leben – und einen Musiker aus Venezuela, dessen Familie alles Geld zusammengekratz hat, um ihn nach Deutschland zu schicken, damit er überhaupt eine Chance zum Leben hat.

    Klar kann der Star jetzt auch ohne Probleme aus seinem Vermögen leben. Klar kann der Migrant-Musiker ein Jahr lang bei Aldi arbeiten. Natürlich geht das.

    Nur lassen Sie Ihren Hass auf die Künstler bitte weg – Sie haben auch Philosophie und Geschichte studiert, das ist nicht anständiger als ein Musikstudium. Und ein Tontechniker ist nicht unanständiger als Heizungsbauer.

    Gerade im unteren Bereich haben die Künstler auch deshalb wenig Geld, weil sie wenig Honorar bekommen, weil sie fürs Publikum spielen, welches wenig Geld hat. Finanziell spielen die meisten unter ihrem Niveau, eben weil sie „sozial“ sind. Die Stars, wo eine Karte über 100 Euro kostet, kann man abzählen. Und solange sie zu sozialen Konditionen spielen, denkt keiner dran, den Künstlern Danke zu sagen.

    Im Übrigen leben diese Künstler auch normalerweise nicht selten unter dem Hartz-IV Niveau, ohne Hartz-IV zu beantragen. Finanziell gesehen wäre Hartz-IV jetzt also sogar ein Upgrade.

    Und die Aussage auf der Strasse, wir sind nicht arbeitslos, das stimmt sogar. Denn für ein Konzert üben, ein Bild malen, ein Drehbuch schreiben kann man weiterhin. Nur kommt Geld erst dann rein, wenn man aufgetreten ist, wenn das Bild verkauft ist.

    Oder denken Sie an Corona-Aktionen wie Live-Musik für demenzkranke Menschen übers Telefon. Da arbeitet der Künstler, verdient aber nichts.

    Oder z.B. auch (vor Corona) Leitung eines Ingetrationschors. Da verdient man meistens auch nichts.

    Wenn der Künstler bei Aldi arbeiten, passiert all das nicht mehr. Und ehrlich: wir sollen auf Konzerte und Ausstellungen verzichten, damit man Kontakte minimieren. OK. Dafür soll ich dann Dinge machen, die mehr Menschenkontakt bedeutet? Das wäre doch absurd. Kulturverbot macht epidemiologisch nur Sinn, wenn die Künstler zu Hause bleiben.

  3. Chris Becker sagt:

    Auch eine Art von freier Meinungsäußerung.
    Leider sehr einseitig.

    Lieber Sven Bensmann, liebes Migazin, ihr dürft das, das ist euer gutes Recht und ich wünsche euch von Herzen alles gute, aber mit Hassrede und diese zu verbreiten, mit Beleidigungen und Überheblichkeit, stellt Ihr Euch selbst ein Bein. Schade, dass ihr diesen Weg gewählt habt, anstatt durch wirkliche Blicke hinter die wahrhaftigen Kulissen, und die damit verbundene Recherche, der so viel leichter ist.
    Darin geht nämlich unter, dass es da draussen Menschen gibt, denen es wirklich noch schlechter geht und dass vielleicht der Fisch tatsächlich am Kopf stinkt.

    Denn das was sich einige hier ausbezahlen, würde reichen alle satt zu machen… Ach ja satt, heisst bei mir KEIN 5-Gänge Menü…

    Passt auf euch auf und traut euch gerne, persönlich zu antworten, wenn ihr einen ehrlichen und aufrichtigen Diskurs wünscht.
    Hochachtungsvoll und tatsächlich mit Respekt…
    Chris

  4. Bernt Zeitler sagt:

    Hallo migazin-Redaktion!

    Seit über 30 Jahren bin ich nun in der Kulturbranche aktiv.
    Unzählig dabei die Solidaritäts- und Benefiz-Veranstaltungen, bei denen ich entweder auf einen Großteil meines (ohnehin spärlichen) Salärs oder sogar komplett auf Bezahlung verzichtet habe.

    Wieso?

    Weil Kulturschaffende einfach „Überzeugungstäter“ sind. Weil sie WISSEN, was Solidarität bedeutet. Weil sie lieber ein paar Tage oder Wochen auf „warme Mahlzeiten“ und anderen Luxus verzichten, um dadurch womöglich anderen die Möglichkeit zu bieten, wenigstens einigermaßen über die Runden kommen.
    Ja, weil sie nicht großspurig über eine Solidargemeinschaft faseln und überheblich auf andere zeigen, sondern weil sie dieses „Alle für einen!“-Prinzip schlichtweg LEBEN!
    Lediglich meine persönliche Biographie? Mein individueller Werdegang?
    Nein!
    Ob es nun Clubbetreiber, Techniker jeglicher Coleur, Reinigungspersonal, LKW-Fahrer, Caterer, Sicherheitspersonal, Merchandiser, Stagehand, Künstler oder sonstige Gewerke dieser Branche sind – die Lebensläufe/-modelle und Kollektivgedanken sind nahezu identisch (vereinzelte Ausnahmen gibt es gewiß, sind jedoch marginal!)
    Klaro, möchten wir mit unserer Arbeit, unserer Passion auch möglichst unsere Familien und uns ernähren. Aber der Idealismus und ein faires Mit- wie Füreinander überwiegen da extrem. In KEINEM anderen Berufszweig ist Mitmenschlichkeit derart ausgeprägt, ja quasi in der DNA verwurzelt, wie in der Kultur- und Kreativwirtschaft!
    Und zwar weit über den eigenen Radius hinaus 
    Selbst die sogenannten „sozialen Berufe“ reichen da nicht mal ansatzweise heran (und ich weiß, wovon ich spreche!).

    Und jetzt, wo wir die Politik zu einem Dialog auffordern, eine Politik, die uns völlig im Stich gelassen hat, obschon wir uns seit Anbeginn der Pandemie solidarischer gezeigt haben als kaum ein anderes Gewerbe, am Existenzminimum krazend, existenzvernichtend zum Teil, bis hin zu der traurigen Tatsache, daß sich Kollegen sogar aus purer Verzweiflung heraus das Leben nahmen, kommen Menschen wie Euer Autor daher, nennen uns asozial und beschimpfen uns aufs Übelste. Anstand und Respekt  – Fehlanzeige. Traurig!
    Wieso legt er diese unfaßbar arrogante Impertinenz an den Tag?

    Vielleicht, weil da ein paar namhafte Vertreter unseres Genres zuvörderst als Sprachrohr in Erscheinung treten, er aber in seiner Überheblichkeit (oder sollte ich es schlechte Recherchearbeit nennen?!) nicht mitbekommen hat (haben will?), daß diese Gut- bis Topverdiener explizit nicht für sich selbst (wie sie auch oft und laut betonen!), sondern für uns knapp 2 Millionen Kleinst- (bzw. derzeit quasi Nullverdiener!) der angeschlossene Gewerke und Soloselbständige in Aktion treten?
    Woher nimmt er die Frechheit, uns zu unterstellen, wir hätten nix Anständiges gelernt?
    Und gerne darf er bspw. mal einem Messebauer verraten, wie dieser via twitter oder facebook seiner erlernten Arbeit nachgehen soll!

    Vielleicht sollte Euer Autor Sven Bensmann einfach mal selber „die Fresse halten“ und stattdessen gründlich nachdenken, ehe er seine Tastatur malträtiert und die Menschheit mit unqualifizierten Äußerungen dieser Art „beglückt“.
    Aber offensichtlich ist es heutzutage bequemer und en vogue, mal fix seine Meinung ins Internet zu stellen, anstatt ordnungsgemäß zu recherchieren (sich z.B. mal mit Betroffenen zu unterhalten), um dann mit WISSEN aufzuwarten.
    Journalistische Sorgfaltspflicht adieu – wie armselig.
    Unterstes facebook-Niveau!

    Unsereins (ob Künstler oder Techniker) hat im Leben aktiv wie monitär weitaus mehr dazu beigetragen, um die Mißstände innerhalb unserer Gesellschaft bzw. das Leid auf diesem Planeten zu mindern als solche Machwerke wie „Brotlose Kunst“. Wahrscheinlich auch mehr als der Autor selbst!

    Schade, daß eine Publikation wie Eure, die sich angeblich für Verständigung und Miteinander einsetzen will, einen derart menschenverachtenden und Andere herabwürdigenden Beitrag veröffentlicht. Populistisches Geschwafel hätte ich von Euch nicht erwartet.

    Musikalische Grüße
    sendet

    Bernt D. Zeitler

  5. "Verschwörungstheoretiker" sagt:

    Dass nicht nur eine Branche angemessen unterstützt werden muss, ist hoffentlich Common Sense.

    Ich denke kein Künstler oder Mensch mit gesundem Verstand ist damit einverstanden wie z.B. Krankenpfleger vor und während Corona-Zeiten entlohnt werden.

    Es ist auch selbstverständlich, dass Verbände oder namhafte Vertreter auf Mißstände aus ihren Berufsgebieten berichten und im Zweifelsfall auch energisch appellieren. Das darf man nicht als „Jammern auf hohem Niveau“ verunglimpfen.

    Der Autor weiß vielleicht nicht, dass viele Künstler durch die bürokratischen Raster der Grundsicherung und bereitgestellten Corona-Hilfen fallen und diese nicht oder nur in sehr geringen Teilen in Anspruch nehmen können. Es herrscht seit über neun Monaten Chaos und Ungewissheit in der Veranstaltungsbranche. Dabei sind von der Regierung medienwirksam angepriesene Förderinstrumente (1 Milliarde Euro nur für die Kultur!) für sehr viele nicht abrufbar und werden nicht nachjustiert. Das wirkt angesichts der existenziellen Bedrohung einer breiten Bevölkerungsschicht mehr als absurd.

    Was ich dem Artikel positiv entnehmen kann, ist die Implikation, dass es an der Zeit ist, dass sich verschiedene Interessensverbände zusammenschließen und für gerechte Arbeits- und Lebensbedingungen für Alle einsetzen – egal in welchen Berufsgruppen.
    Damit könnte ein wichtiger Schritt unternommen werden um schon lange währende Mißstände in unseren Systemen grundlegend anzugehen und ein neues, verantwortungsvolles Verständnis von Demokratie und Zusammenleben zu etablieren. Es wäre eine sehr gute Gelegenheit!