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Rettungsschiff Alan Kurdi im Mittelmeer © Sea Eye

Hafen für "Sea-Watch 4"

„Es kann nicht sein, dass Europa wegsieht.“

Bald können die über 350 Geretteten auf der "Sea-Watch 4" von Bord. Die italienischen Behörden haben Palermo als sicheren Hafen bestätigt. Die Flüchtlinge sollen erst auf ein Quarantäneschiff umsteigen. Die EU-Kommission soll ihre Verteilung regeln.

Mittwoch, 02.09.2020, 5:22 Uhr|zuletzt aktualisiert: Dienstag, 01.09.2020, 17:19 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Das zivile Seenotrettungsschiff „Sea-Watch 4“ hat einen sicheren Hafen in der sizilianischen Stadt Palermo zugewiesen bekommen. Ein Sprecher der Organisation Sea-Watch bestätigte dies am Dienstag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die über 353 Geretteten an Bord sollen am Mittwoch auf ein Quarantäneschiff im Hafen von Palermo umsteigen. Die „Sea-Watch 4“ soll Palermo am Mittwochmorgen erreichen. Die EU-Kommission hat ein offizielles Gesuch aus Italien erhalten, die Verteilung der Geretteten in Europa zu koordinieren. „Kontakte mit Mitgliedstaaten laufen, und wir rufen Mitgliedstaaten auf, im Geist der Solidarität zu einer Lösung beizutragen“, teilte die Behörde am Dienstag in Brüssel mit.

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Wegen starken Seegangs war die „Sea-Watch 4“ am Dienstag mit geringer Geschwindigkeit unterwegs, damit die Menschen auf den Decks nicht gefährdet werden. Alle seien erleichtert, sagte die Sprecherin von „Ärzte ohne Grenzen“, Hannah Wallace, an Bord der „Sea-Watch 4“ dem epd. Aber es sei beschämend, wie die europäischen Regierungen hochvulnerablen Personen einen sicheren Hafen verweigerten oder die Zuweisung verzögerten. Sie berühre es sehr zu sehen, dass die Menschen an Bord die Hoffnung nicht verlören – angesichts einer zynischen Politik der Exklusion, die die europäische Geschichte, internationale Verpflichtungen und das fundamentale Recht auf ein Leben in Würde negiere.

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„Es kann nicht sein, dass Europa wegsieht“

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, erklärte, er sei den Rettern dankbar. Ohne ihren Einsatz wären die 353 Menschen mit hoher Wahrscheinlichkeit ertrunken, sagte er. „Es kann nicht sein, dass Europa wegsieht, wenn Menschen an den Grenzen Europas sterben.“ Die Bereitschaft vieler europäischer Städte und Kommunen, Gerettete aufzunehmen, zeige, dass die „Politik des Wegsehens“ nicht länger hingenommen werde. Der bayerische Landesbischof ist Ehrenbürger der Stadt Palermo.

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Vor rund eineinhalb Wochen hatte die „Sea-Watch 4“ die ersten Menschen aus Seenot im zentralen Mittelmeer geborgen. Am Wochenende war das Schiff der „Louise Michel“ zur Hilfe gekommen, die manövrierunfähig vor der libyschen Küste trieb mit rund 200 Menschen an Bord. Die „Louise Michel“ ist ein privates Rettungsschiff, das von Street-Art-Künstler Banksy unterstützt wird.

Sea-Eye kündigt weiteres Schiff an

Mitte August war die „Sea-Watch 4“ zu ihrer ersten Mission ins zentrale Mittelmeer gestartet. Das Schiff wurde mit Hilfe des Bündnisses „United4Rescue“ aus Spenden finanziert. Das Bündnis wurde auf Initiative der Evangelischen Kirche in Deutschland gegründet. Sea-Watch und „Ärzte ohne Grenzen“ betreiben das Schiff im Auftrag des Bündnisses, das auch der Bürgermeister von Palermo Leoluca Orlando unterstützt.

Die Regensburger Seenotrettungsorganisation Sea-Eye, die das Schiff „Alan Kurdi“ betreibt, kündigte am Dienstag an, ein weiteres Schiff ins Mittelmeer zu schicken. Das Schiff soll nach dem Bruder von Alan Kurdi benannt werden und „Ghalib Kurdi“ heißen. Ghalib und seine Mutter Rehanna waren ebenso wie der zwei Jahre jüngere Alan bei einem Fluchtversuch ertrunken. Der Todestag von Alan Kurdi jährt sich am Mittwoch zum fünften Mal. Das Foto des ertrunkenen Jungen, der mit einem roten T-Shirt und einer blauen Hose bekleidet tot mit dem Gesicht im Sand an einem türkischen Strand liegt, löste Erschütterung aus. Das Rettungsschiff „Alan Kurdi“ wid derzeit von italienischen Behörden in Palermo festgehalten. Sea-Eye geht rechtlich dagegen vor. (epd/mig)

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