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Rettungsschiff Alan Kurdi im Mittelmeer © Sea Eye/Karsten Jäger

Italien

353 Gerettete Flüchtlinge können von Bord der „Sea-Watch 4“

Elf Tage nach der ersten Rettung dürfen rund 350 Migranten das Seenotrettungsschiff „Sea-Watch 4“ verlassen und auf ein italienisches Quarantäneschiff umsteigen. Italien dürfe jetzt nicht alleingelassen werden, mahnt EU-Politiker Giegold.

Von Donnerstag, 03.09.2020, 5:20 Uhr|zuletzt aktualisiert: Donnerstag, 03.09.2020, 16:00 Uhr Lesedauer: 3 Minuten  |   Drucken

Die Erleichterung ist groß an Bord der „Sea-Watch 4“: Am Mittwoch erreichten Crew und 353 Geflüchtete den Hafen der italienischen Stadt Palermo. Das bestätigte ein Sprecher der zivilen Seenotrettungsorganisation Sea-Watch dem „Evangelischen Pressedienst“. Direkt nach der Ankunft in Palermo begann das Umsteigen auf ein Quarantäneschiff, das die italienischen Behörden bereitgestellt haben. Die italienische Küstenwache begleitete das Manöver, bei dem die „Sea-Watch 4“ an das größere Quarantäneschiff andockte und die Geretteten über eine behelfsmäßige Brücke das Deck verlassen konnten.

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Einsatzleiter Philipp Hahn sagte dem „Evangelischen Pressedienst“ an Bord der „Sea-Watch 4“, die Besatzung sei froh, dass die Geretteten im sicheren Hafen angekommen seien. „Wir sind auch deshalb froh, weil wir wissen, dass zur selben Zeit noch 27 Menschen auf dem Tanker ‚Etienne‘ ausharren“, sagte er. Das Schiff hatte die Flüchtlinge am 4. August aus Seenot gerettet und wartet seitdem auf einen Hafen.

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Giegold mahnt schnelle Hilfe an

Der Grünen-EU-Politiker Sven Giegold nannte die Rettung der 353 Menschen „ein großartiges Ergebnis nach nur wenigen Tagen im Einsatz für das ‚Kirchenschiff’“. Zwei Wochen lang sollen die Geretteten an Bord des Quarantäne-Schiffs bleiben, bevor sie an Land dürfen.

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Es brauche nun schnelle Zusagen aus Deutschland und anderen EU-Mitgliedsländern, die Geretteten nach ihrer Quarantäne in Italien aufzunehmen. Italien dürfe mit den geretteten Flüchtlingen nicht alleingelassen werden, erklärte er. Giegold hatte im vergangenen Jahr auf dem Kirchentag in Dortmund die Resolution „Wir schicken ein Schiff“ initiiert, die letztlich zur Anschaffung der „Sea-Watch 4“ aus überwiegend kirchlichen Spenden führte.

Bündnis mit 550 Organisationen und Unternehmen

Die „Sea-Watch 4“ war Mitte August zu ihrer ersten Mission im zentralen Mittelmeer aufgebrochen. Das ehemalige Forschungsschiff wurde im Januar für 1,3 Millionen Euro erworben. Es wird von Sea-Watch und „Ärzte ohne Grenzen“ im Auftrag des zivilen Bündnisses „United4Rescue“ betrieben. Dem Bündnis gehören mittlerweile mehr als 550 Organisationen und Unternehmen an. Es wurde von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gegründet.

Zu Palermo hat „United4Rescue“ einen besonderen Bezug: Der Bürgermeister Leoluca Orlando unterstützt das Bündnis. Er ist für sein Engagement in der Flüchtlingspolitik bekannt. Im vergangenen Jahr machte er den EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm zum Ehrenbürger der Stadt. Dass die „Sea-Watch 4“ dort einfahren durfte, ist laut Sea-Watch jedoch Zufall.

„Mir treibt es die Tränen in die Augen“

Bedford-Strohm betonte am Mittwoch in einem Facebook-Eintrag die Dringlichkeit der zivilen Seenotrettung. Er nahm Bezug auf den Tod des syrischen Jungen Alan Kurdi, der am 2. September 2015 tot an einem türkischen Strand gefunden worden war. „Wer besser verstehen will, warum wir die zivile Seenotrettung so aktiv unterstützen, muss sich noch mal der Härte eines Bildes aussetzen, das heute genau vor fünf Jahren an einem türkischen Strand entstanden ist und das um die Welt gegangen ist“, betonte der bayerische Landesbischof. Das Foto zeigt den toten Jungen, bekleidet mit rotem T-Shirt und blauen Shorts, auf dem Bauch liegend am Strand. „Mir – Opa eines kleinen Jungen – treibt es immer noch die Tränen in die Augen“, schrieb Bedford-Strohm.

Die Staaten Europas retteten weiterhin nicht, erklärte er. „Die zivilen Seenotretter tun es. Sie warten nicht darauf, dass es gute Lösungen für die flüchtlingspolitischen Probleme gibt.“ Leben retten könne nicht bis zu diesem Zeitpunkt verschoben werden. Deshalb sei er auch für die jüngsten Rettungsaktionen der „Sea-Watch 4“ dankbar. (epd/mig)

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